Ringvorlesung «Solidarität»

Solidarität heute – Modeerscheinung oder nachhaltiger Gesellschaftswandel?

Spätestens seit der Corona-Pandemie hat der Begriff der Solidarität in der Öffentlichkeit Hochkonjunktur. Solidarität betrifft alle Lebensbereiche. Besonders im Lockdown wurden wir zu solidarischem Handeln aufgefordert: mit den Hilfsbedürftigen in der Nachbarschaft, mit dem Pflege- und medizinischen Personal durch Klatschen, mit den vulnerablen Gruppen durch Einhaltung der Corona-Massnahmen, mit dem Einzelhandel durch den regionalen Einkauf und mit den Verstorbenen durch eine Kerze im Fenster.

Welche Vorstellungen stecken hinter den Handlungsapellen? Geht es um reine Mitgefühlsbekundungen oder um Aufrufe zur Veränderung? Ist Solidarität ein Schlüssel zur Bewältigung gegenwärtiger Krisen? Wie sinnvoll ist in einer global vernetzten Welt überhaupt eine lokale Solidarität oder eine Solidarität mit bestimmten Gruppen? Sind wir nicht vielmehr aufgefordert, Solidarität in unser eignes Handeln zu integrieren?

Noch vor Jahrzehnten war die Verwendung des Solidaritätsbegriffes politisch gefärbt. Das hat sich mit den Solidaritätsbekundungen der Bewegungen von «Wir schaffen das», «Je suis Charlie», «#MeToo» oder «Black Lives Matter» grundlegend verändert. Doch bedeutet ein Klick in den digitalen sozialen Medien, dass wir auch solidarisch handeln und uns gegen Missstände einsetzen? Welchen Anfeindungen setzen wir uns aus, wenn wir uns öffentlich solidarisch verhalten?

Die Ringvorlesung geht der Frage nach, was Solidarität heute ausmacht. Ziel ist es, das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und eigene Einstellungen und Praktiken zu reflektieren.

Die Veranstaltungen finden jeweils donnerstags von 17.00 bis 18.30 Uhr im Raum für Literatur in der Hauptpost statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Die Vorlesungen sind kostenlos. Aufgrund der aktuellen Bestimmungen finden die Vorlesungen als 3G-Veranstaltungen (geimpft, genesen, getestet) statt. Wir bitten Sie, beim Einlass ein gültiges Covid-Zertifikat in Verbindung mit einem Ausweisdokument vorzuweisen.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen.

Programm

23.09.2021: Podiumsdiskussion «Solidarisches Engagement in der Ostschweiz»

Benevol SG, IG Sans-Papiers SG, Jugendrotkreuz SG, Kollektiv «Klimastreik SG», Solidaritätsnetz
Moderiert von Annegret Wigger (Kantonsrätin AR)

30.09.2021: Who cares? Die Geschichte der Solidarität vom 19. Jahrhundert bis zur Corona-Krise

Prof. Dr. Dietmar Süß, Universität Augsburg

07.10.2021: Was kennzeichnet Solidarität heute?

Prof. Dr. Stephan Lessenich, LMU München

28.10.2021: Die Stadt als Stätte der Solidarität

Dr. Sarah Schilliger, Universität Bern

04.11.2021: Politische Inszenierung oder was gesellschaftliche Individualisierung übriglässt

Prof. Dr. Frank Mathwig, Universität Bern

11.11.2021: Wirtschaften in solidarischen Beziehungen ist möglich – Diskurse und Ansätze einer solidarischen Ökonomie

Prof. Dr. Susanne Elsen, Universität Bozen

18.11.2021: Lässt sich solidarisches Handeln professionalisieren?

Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Universität Hildesheim

25.11.2021: Recht auf Einkommen oder Recht auf Mitgefühl – solidarisches Handeln am Beispiel der Mobilisierung von prekär Beschäftigten

Prof. Dr. Alessandro Pelizzari, Haute école de travail social et de la santé Lausanne

02.12.2021: Wie gelingt transnationales solidarisches Handeln?

Dr. Jakob Kellenberger, ehem. Präsident IKRK

09.12.2021: Wie lässt sich solidarisch Handeln, ohne dass es auf Kosten anderer geht?

Dr. Veronika Zablotsky, Freie Universität Berlin

Hauptpost – Raum für Literatur
St.Gallen