Ernst Cramer

Zürich, 1898 – 1980

Kurzbiografie

Ernst Cramer ist einer der bedeutendsten Schweizer Gartenarchitekten des 20. Jahrhunderts, dessen gestalterischer Einfluss bis in die heutige Landschaftsarchitektur reicht. Nach der Gärtnerlehre in Zürich unter der Leitung des Gartenarchitekten Gustav Ammann sowie ausgiebigen Lehr- und Wanderjahren in der Schweiz, Deutschland und Frankreich besuchte er die Gartenbauschule Oeschberg in Koppigen. 1929 gründete Cramer sein eigenes Büro für Gartengestaltung in Zürich und begann mit der Lehrtätigkeit an Fachschulen für Gärtner; ausserdem unterrichtete er von 1972 bis 1980 Gartenarchitektur am Athenaeum, einer Architekturschule in Lausanne. Cramer realisierte mehr als eintausend Projekte, darunter private Gärten, öffentliche Parks und Plätze nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland und Italien. Ab 1950 fand er – nach Jahren eher konventioneller Gartengestaltung – zu einer für die damalige Zeit ungewöhnliche, minimalistische und streng formale Landschaftsarchitektur mit skulpturalem Charakter. Cramers Begeisterung für moderne Kunst und Architektur sowie sein Engagement im Schweizerischen Werkbund SWB, der nach dem Zweiten Weltkrieg nach einer moralisch-ästhetischen Erneuerung aller Lebensbereiche strebte, gelten als Auslöser für den markanten Stilwandel.

Das Museum of Modern Art in New York würdigte im Jahr 1964 den 1959 für die erste Schweizerische Gartenbauausstellung G 59 erstellten „Garten des Poeten“ als Ikone moderner Gartenarchitektur. Drei Rasenpyramiden befinden sich seit Ende 2003 als Teilrekonstruktion des genannten temporären Gartens vor dem Institut für Landschaftsarchitektur der Leibniz Universität in Hannover.

Ab den 1980er Jahren wurden die radikal abstrakten Werke von Ernst Cramer in der Landschaftsarchitektur neu entdeckt und galten als Inspirationsquelle für einige der interessantesten neuen Park- und Gartenanlagen in Europa. Im Rahmen einer Forschungsarbeit an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH in Zürich hat Udo Weilacher in den Jahren 1997 bis 2002 den Cramer-Nachlass aus dem Archiv für Schweizer Landschaftsarchitektur in Rapperswil ASLA inventarisiert und wissenschaftlich ausgewertet. Die Forschungsergebnisse sind in der Publikation „Visionäre Gärten. Die modernen Landschaften von Ernst Cramer“ umfassend dokumentiert und belegen unter anderem den prägenden Einfluss, den Cramers gestalterische Haltung auf die neuere Landschaftsarchitektur in der Schweiz hatte. 1967 benannte Cramer in einem öffentlichen Vortrag einige Grundprinzipien seiner Arbeit: „Planung aus der Sicht der Menschen, Ordnung in der Vielseitigkeit, Rückkehr zur Einfachheit, Schritthalten mit der modernen Architektur und Kunst“.

Ernst Cramer im ASLA-Bestand

Das ASLA verfügt aus dem Werk von Ernst Cramer über zahlreiche Pläne, Skizzen, Fotos und Dias. Viele davon sind in der ASLA-Datenbank auffindbar unter: Ernst Cramer