Forschungsprojekt

Raumentwicklung 4.0. Ein Forschungs- und Praxisprojekt zur besseren Integration sozialräumlicher Aspekte in planerische Gremien

Städte, Gemeinden und Regionen sind in der Raumentwicklung zunehmend mit Herausforderungen konfrontiert, die nicht mehr nur mit (raum-)planerischen Herangehensweisen bewältigt werden können. Beispielsweise zeigen sich vermehrt räumliche Nutzungskonflikte, da Raumentwicklung heute vielfach auch „verdichteter“ stattfindet (Stichwort «Innenentwicklung») und in bestehende Bau-, Eigentums- und Bewoh-nerstrukturen eingreift. Insbesondere die Innenentwicklung bzw. die Verdichtung bestehender Siedlungsstrukturen ist in der Bevölkerung negativ behaftet, weshalb sich gegen solche Bauprojekte oftmals auch Widerstand regt. Um «sozial nachhaltiger» und auch erfolgreicher in der Umsetzung zu sein, müssen in zukünftigen Prozessen der Raumentwicklung auch Fragen der Quartieridentität, Leistbarkeit, Mobilität, Versorgung und Infrastruktur mitgedacht werden und auch demografische und finanzpolitische Aspekte berücksichtigt werden. Doch obwohl das Bewusstsein für multiperspektivische und dialogische Herangehensweisen wächst, wird Innenentwicklung immer noch primär unter ökologischen (weniger Bodenverbrauch, weniger Verkehr) oder ökonomischen (geringere Infrastrukturkosten) Gesichtspunkten vorangetrieben. Und Forschungsarbeiten zu den sozialen Aspekten und Folgen von Verdichtungsstrategien und -massnahmen, gibt es kaum. (ausführliche Erkenntnisse dazu wurden im 2018 abgeschlossenen Projekt SoRaP gewonnen).

An diesen Erkenntnissen setzt das vorliegende Forschungs- und Praxisprojekt an: Es will in einem aufeinander aufbauenden Forschungs- sowie Praxisprozess neue, situations-spezifische, offenere, agilere und dialogorientierte Formate im Sinne einer «Raumentwicklung 4.0» entwickeln. Bestehende Beratungsgremien (z. B. Gestaltungsbeiräte, Stadtbildkommissionen, Planungsausschüsse) werden untersucht, weiterentwickelt und praktisch erprobt. Basierend auf der Untersuchung der Gremien wird ein Fachpool 4.0 aufgebaut, der aus Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachrichtungen (z. B. Sozialwissenschaften, Rechtswesen, Ökonomie) besteht. Aus diesem Pool werden je nach planerischer Herausforderung passende «agile Einsatzgruppen» zusammengestellt, welche die bestehenden Gremien vor Ort unterstützen und gegebenenfalls ergänzen. Dies soll in weiterer Folge im Rahmen eines Pilotvorhabens mit der Regio Vorderland-Feldkirch erprobt werden (Folgeprojekt). Neben praxistauglichen Handlungsempfehlungen und Fachpublikationen wird als Abschluss und Produkt des Projektvorhabens ein Weiterbildungsangebot erarbeitet, das sich an Akteurinnen und Akteure der Raumentwicklung richtet.

 

Projektfinanzierung: Amt der Vorarlberger Landesregierung (A), Abteilung VIIa Raumplanung und Abteilung IIId Baurecht und Wohnbauförderung

Laufzeit: 01.11.2020 - 30.11.2022

Kooperation: Institut für Architektur und Raumentwicklung, Universität Liechtenstein, Anne Brandl und Johannes Herburger / Regio Vorderland-Feldkirch, Christoph Kirchengast