CAS Brennpunkt Kindesschutz

Gewalt an Kindern und Jugendlichen in den vielfältigen Erscheinungsformen und meist komplexen Zusammenhängen zu verstehen, ist bereits eine Herausforderung. Die Betroffenen professionell zu unterstützen sowieso. Verunsicherung, fehlende Kenntnisse über die spezifische Dynamik und Symptomatik, unklare Zuständigkeiten sowie unzureichende Koordination verhindern oft wirksame Unterstützungsprozesse, genauso die langfristige Verbesserung der Lebensbedingungen betroffener Kinder, Jugendlicher und ihrer Familien.

Der CAS Brennpunkt Kindesschutz trägt diesen Herausforderungen Rechnung. Unter Berücksichtigung verschiedener Perspektiven und Disziplinen werden spezifische Schwerpunkte theoretisch wie auch praktisch – mit Hilfe von Fallbeispielen – behandelt.

Auf einen Blick

Abschluss

Certificate of Advanced Studies CAS in Brennpunkt Kindesschutz (15 ECTS)

Schwerpunkte

*Alle gekennzeichneten Schwerpunkte können auch als einzelne Seminare besucht werden.

Dauer

20 Präsenztage, berufsbegleitend (Anzahl Präsenztage variiert je nach Lehr- und Lernform. Verbindlich ist der aktuelle Terminplan.)

Kosten

CHF 7200.– inkl. Unterlagen, Leistungsnachweise und Zertifikat (Preisänderungen vorbehalten)

Zulassung

Anerkannter Tertiärabschluss, mehrjährige qualifizierte Berufserfahrung, Tätigkeit in einem entsprechenden Arbeitsfeld

Durchführungsort

Campus St.Gallen

Beginn

In Planung auf Mai 2021

Der Zertifikatslehrgang widmet sich folgenden Themenschwerpunkten:

Einführung in den Lehrgang

  • Kindesschutz/Kinderrechte: Definitionen aus kinderrechtlicher, sozialarbeiterischer, psychologischer, medizinischer Perspektive
  • Erläuterung Leistungsnachweise

Soziologische Perspektiven auf die Entstehung familialer Problemlagen

  • Soziologisches Fallverstehen mit der gesamten Lebenslage der betreffenden Familie
  • Aneignen und Vertiefen von soziologischen Wissensbeständen
  • Verstehen von familiären Krisen- und Problemlagen
  • Hintergründe von Gefährdungen verstehen um angemessen intervenieren zu können
  • Aneignen von Wissen im Rahmen einer Fallwerkstatt und konkreter Fallbeispiele

Theoretische und empirische Erkenntnisse zur Kindheit*

  • Kennenlernen der Entwicklungsaufgaben der Kindheit
  • Auseinandersetzung mit den Bedingungen des Aufwachsens von Kindern
  • Historischer Zugang zum Wandel der Kindheitsbilder
  • Systematisierung der theoretischen Zugänge
  • Reflexion des eigenen Blickes auf Kindheit
  • Empirische Befunde zu früher Kindheit

Medialer Alltag von Kindern und Jugendlichen

  • Mediennutzung und Mediensozialisation
  • Medienentwicklungen und ihre Folgen im Alltag: Chancen und Herausforderungen
  • Medienkompetenz: Begriffsdefinitionen und Modelle
  • Einführung in die Medienpädagogik: Positionen in den medienpädagogischen Debatten um Neue Medien und Handlungsansätze
  • Medienpädagogische Fallbeispiele

Migration und interkulturelle Integration

  • Interkulturelle Irritationen als Arbeitsinstrument im Kulturkontakt
  • Mit den Kernkulturkonzept konfliktive Differenzen und transkulturelle Gemeinsamkeiten erkennen
  • Interkulturelle Konfliktsituationen personenadäquat und integrationsrelevant aufbereiten

Kindeswohlgefährdung erkennen, einschätzen und handeln*

  • Systematisches Anwenden der beiden Instrumente Leitfaden für das Vorgehen bei Gefährdung des Kindeswohls und Instrument Gefährdungseinschätzung anhand von Fallbeispielen
  • Handlungsgrundsätze im Kindesschutz
  • Vorgehensweisen bei Verdacht auf körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt und/oder Vernachlässigung
  • Interventionsmöglichkeiten
  • Reflexion von Haltungen und Grundsätzen für die Arbeit mit betroffenen Kindern, Jugendlichen und gewaltausübenden Personen
  • Zusammenarbeit und Kooperation mit Eltern, Bezugspersonen und Fachleuten

Täterstrategien

  • Tatdynamik und Täterstrategien erkennen
  • Täterarbeit als Opferschutz – wie funktioniert das?
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit – Aufträge und Rollen in der Arbeit mit Tätern und Opfern
  • Grundlagen der fachpsychologisch-forensischen Tatbeurteilung
  • Interventionsmöglichkeiten und Methoden des Risikomanagements

Zivilrechtliche Kindesschutzmassnahmen: Rechtliche Grundlagen und Einbettung in die Praxis

  • Grundlegende Prinzipien und Massnahmen im zivilrechtlichen Kindesschutz (inkl. Verfahren)
  • Zuständigkeiten sowie Partizipation von Kindern und Jugendlichen im zivilrechtlichen Kindesschutz
  • Grundsätze und Vorgehensweisen im zivilrechtlichen Kindesschutz
  • Organisation und Rollen im zivilrechtlichen Kindesschutz
  • Arbeit mit Fallbeispielen

Schnittstelle strafrechtlicher Kindesschutz

  • Rechtliche Grundlagen des Strafrechtes: Zuständigkeiten und Verfahren
  • Grundsätze und Vorgehensweisen und Schnittstellen zwischen Straf- und Zivilrecht
  • Einbettung und Anwendung in der Praxis mit Fokus auf die Zusammenarbeit
  • Zuordnung Zivilrecht und Strafrecht in Fallsituationen

Opferhilfegesetz

  • Grundlagen des Opferhilfegesetzes bezogen auf Kinder und Jugendliche
  • Anwendung und Handlungsoptionen des Gesetzes
  • Arbeitsweise einer Opferhilfestelle für Kinder und Jugendliche
  • Übung und Anwendung anhand von Fallbeispielen

Gesprächsführung mit Kindern*

  • Kennenlernen von unterschiedlichen kreativen Gesprächsformen und -techniken
  • Gestaltung und Protokollierungen von Anhörungen mit Kindern
  • Übung und Anwendung anhand konkreter Fallbeispiele

Aktenführung und Berichterstattung*

  • Funktionale Einbettung der Akten und Berichterstattung, Adressaten
  • Inhaltliche Standards sozialarbeiterischer Berichte/Gutachten und Akten
  • Sprachliche und formale Gestaltung
  • Kritische Reflexion von Möglichkeiten und Risiken der Berichterstattung

Trauma und Resilienz*

  • Hintergrundinformationen zu Folgen von Traumata unter besonderer Berücksichtigung von komplexer und sequentieller Traumatisierung
  • Bedeutung von Risiko-, Schutzfaktoren und Resilienz in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
  • Sichere Orte schaffen für Kinder und Jugendliche: Traumasensible und resilienzorientierte Konzepte, Prinzipien und Ansätze
  • Traumapädagogisches (Fall)Verstehen und Handeln: Haltung und erprobte Instrumente/Methoden im Umgang mit herausforderndem Verhalten und Stresssymptomen

Fallstudien

  • Kennenlernen und Anwendung von Modellen der Fallbesprechung in einem interdisziplinären Team
  • Integration und Reflexion der Inhalte des Lehrgangs anhand von Fallbeispielen

Dieser Lehrgang schliesst mit mindestens einem Leistungsnachweis ab.

*Diese Kurse können Sie auch als Einzelseminar besuchen

Zielgruppe

Der Lehrgang richtet sich an Fachpersonen, die im beruflichen Kontext mit Kindern und Jugendlichen oder mit Eltern und Familien arbeiten respektive mit Kindesschutzfragen konfrontiert sind. Das können unter anderem Personen aus den folgenden Arbeitsbereichen sein:

  • Soziale Arbeit
  • Kinder- und Jugendmedizin
  • (Sozial-, Heil-)Pädagogik
  • Beratung und/oder Therapie
  • Behördenmitglieder des Zivil- und Strafrechts
  • Berufsbeistandschaften
  • Juristinnen und Juristen
  • Mitarbeitende in Sozialdiensten
  • Mitarbeitende aus Institutionen, die im Kindes- und Erwachsenenschutz oder der Kinder- und Jugendhilfe tätig sind

Zulassung

Zugelassen sind Personen

  • mit einem anerkannten Tertiärabschluss (Universität, Fachhochschule, Höhere Fachschule oder Höhere Fachprüfung);
  • mit qualifizierter Berufserfahrung;
  • mit einer Tätigkeit in einem Arbeitsfeld, in dem sie das Gelernte umsetzen können (Prinzip Transferorientierung)

Bewerberinnen und Bewerber, die über andere, vergleichbare Abschlüsse und entsprechende Berufserfahrung verfügen, können auf Basis einer individuellen Prüfung des Dossiers aufgenommen werden. Über die Zulassung entscheidet die Leitung der Weiterbildung OST.

Die Absolventinnen und Absolventen

  • setzen sich mit den Grundlagen des Kindesschutzes aus unterschiedlicher professioneller Sichtweise auseinander;
  • verfügen über ein theoretisches Basiswissen zum Kindesschutz, das ihnen ein theoriegeleitetes Handeln in ihrem Berufsfeld ermöglicht;
  • setzen sich mit den Sozialisations- und Entwicklungsbedingungen von Kindern auseinander;
  • sind in der Lage, Gefährdungen in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu erkennen und im Rahmen ihres Auftrages eine adäquate Unterstützung einzuleiten;
  • kennen spezifische Interventionsmöglichkeiten und Vorgehensweisen im Kindesschutz, unter Berücksichtigung rechtlicher Vorgaben, spezifischer Entwicklungsbedingungen und gesellschaftlicher Wandlungsprozesse;
  • können berufsspezifische Möglichkeiten und Grenzen einschätzen und nutzen die Erkenntnisse im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit;
  • kennen Modelle der Fallbesprechung in einem interdisziplinären Team und sind in der Lage, diese anzuwenden.

Sind Sie unsicher, ob diese Weiterbildung zu Ihnen passt? Wir beraten Sie gerne: kostenlos und unverbindlich.

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