Am Freitag, 12. Juni 2026, informierten der Förderverein «Projekte für den Thurgau» und Regierungspräsident Urs Martin – drei Jahre nach dem Volksentscheid zur Verwendung des Agios aus der Ausgabe der Partizipationsscheine der Thurgauer Kantonalbank – über den Stand der insgesamt 20 Projekte. Dabei wurde deutlich, dass SoliThur neben grossen Vorhaben im Energie- und Infrastrukturbereich einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander leistet: Das Projekt setzt direkt bei der Bevölkerung im Kanton Thurgau an, macht vielfältige Formen solidarischen Handelns sichtbar, begleitet ihre Weiterentwicklung und stärkt sie durch partizipative Prozesse. Es vernetzt Menschen, Organisationen und Gemeinden im ganzen Kanton und fördert so das freiwillige Engagement. Projektleiterin Conny David, Geschäftsleiterin von benevol Thurgau, und Projektleiter Steve Stiehler, Dozent an der OST – Ostschweizer Fachhochschule, gaben an der Medienkonferenz Einblick in die bisherige Entwicklung, die laufenden Aktivitäten und die nächsten Schritte.
Verbindung von Forschung und Praxis
Im Zentrum von SoliThur steht ein partizipativer, reflexiver Forschungsansatz, der die klassischen Grenzen zwischen Wissenschaft und Praxis bewusst aufweicht. In lokalen Teilprojekten wird in reallaborähnlichen Konstellationen gearbeitet. Forschende des IFSAR und Praktiker:innen von benevol Thurgau agieren dabei im Tandem: Sie begleiten lokale Initiativen nicht nur beobachtend, sondern stehen ihnen auch als fachliche Anlaufstelle zur Verfügung.
In einem ersten Schritt hat SoliThur 21 sogenannte SoliThur-Gemeinden über Bezirkskonferenzen gewonnen, die sich für eine Beteiligung und Untersuchung bereit erklärt haben. Anschliessend wurde in jeder SoliThur-Gemeinde ein Interview mit einer Gemeindevertretung geführt und ein Mitwirkungsworkshop für die Bevölkerung durchgeführt, um bestehendes solidarisches Handeln zu erfassen und neue Ideen zu entwickeln. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden vom Projektteam aufbereitet und den mitwirkenden Gemeinden in Form von SoliReports zur Verfügung gestellt, die sowohl einen beschreibenden als auch einen analysierenden Teil mit möglichen Entwicklungspotenzialen enthalten.
Bereits 31 Projekte unterstützt
Um die in den Mitwirkungsworkshops entstandenen Ideen und die Weiterentwicklung bestehender Angebote zu unterstützen, hat SoliThur eine Projektförderung für lokale Vorhaben lanciert, die solidarisches Handeln auf Gemeindeebene stärken. Die Unterstützung umfasst finanzielle Beiträge von 500 bis 1000 Franken sowie bei Bedarf eine fachliche Begleitung durch die Anlaufstelle von SoliThur. In der ersten Förderrunde konnten 31 Projekte unterstützt werden – vom «offenen Kleiderschrank» in Uttwil bis zu «Das Trösch kocht um die Welt» in Kreuzlingen. Alle aktuell geförderten Projekte sind auf der Website von SoliThur aufgeschaltet: Projektumsetzung | SoliThur
Derzeit erhalten weitere Projekte im Rahmen einer zweiten Förderrunde die Möglichkeit, Unterstützung zu beantragen, sodass zusätzliche Initiativen im Kanton Thurgau entstehen können. Im Herbst ist zudem eine kantonale Konferenz von SoliThur vorgesehen, die als zentraler Vernetzungsanlass dient und an der unter anderem die erzielten Projektfortschritte präsentiert werden. SoliThur ist damit ein Beispiel dafür, wie solidarisches Handeln im Thurgau gezielt, innovativ und praxisnah gefördert werden kann.


