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COBASI bringt Forschung und Praxis an einen Tisch

30.06.2026

Wie können ländliche Ortszentren langfristig lebendig bleiben und gleichzeitig eine gute Grundversorgung sichern? Mit dieser Frage beschäftigten sich Fachleute aus Gemeinden, Planung, Politik, Infrastrukturunternehmen und Forschung an der COBASI-Veranstaltung «Baukultur & Grundversorgung» in Bern. Neben Beispielen aus der Praxis standen insbesondere der Start neuer Co-Kreationsprojekte und der Aufbau eines schweizweiten Praxisnetzwerks im Mittelpunkt.

Lebendige Ortszentren entstehen nicht durch einzelne Angebote, sondern durch das Zusammenspiel von Baukultur, Grundversorgung und lokalem Engagement. Genau darüber diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeinden, Infrastrukturunternehmen, Planung, Politik und Forschung am Mittwoch, 24. Juni 2026 an der Veranstaltung «Baukultur & Grundversorgung – Best Practices weiterdenken, Projekte starten, Netzwerke aufbauen» im Berner Generationenhaus und online, die das IRAP im Rahmen des Forschungsprojekts COBASI organisierte.

Referierende zeigten verschiedene Perspektiven auf
Zum Auftakt der Veranstaltung präsentierte Mathias Müller, Stadtpräsident von Lichtensteig (SG), wie Leerstände als Ressource für neue Nutzungen verstanden werden können. Baukultur wird genutzt, um identitätsstarke Begegnungsorte, Arbeitsplätze, Kulturangebote und neue Formen der Grundversorgung im Ortskern zu schaffen. Die öffentliche Hand schafft dabei Rahmenbedingungen für Innovation und Eigeninitiative.

Reto Bieli von der SBB zeigte anschliessend die Perspektive eines Infrastrukturbetreibers auf. Erfolgreiche Ortsentwicklung könne nicht allein an der Rendite einzelner Projekte gemessen werden, sagte er. Neben der Projektrendite brauche es auch eine «Dorfrendite»: einen langfristigen Mehrwert für die Gemeinde durch lebendige Zentren, gute Erreichbarkeit und attraktive öffentliche Räume. Verkehrsdrehscheiben könnten so zu sozialen und räumlichen Knotenpunkten werden.

Die ersten Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts COBASI des NRP 81 "Baukultur" verdeutlichen dies. In ihrer Präsentation zeigten Séréna Vanbutsele (HEIA-FR), Julie Riondel (HEIA-FR), Stephanie Schwab Cammarano (WSL) und Marco Pütz (WSL), wie eng Baukultur und Grundversorgung verbunden sind. Erfolgreiche Projekte seien weit mehr als gute bauliche Lösungen, sagten sie. Entscheidend sei das Zusammenspiel engagierter Menschen, vielfältiger Partnerschaften sowie flexibel nutzbarer Räume, die Begegnung ermöglichen.

Konkrete Projektförderung durch CO-Kreations-Prozess
Ein wichtiger Meilenstein der Veranstaltung war der Schritt von der Erkenntnis zum Handeln: Mit der Vorstellung von zwei ausgewählten Projekten startete ein begleiteter Co-Kreations-Prozess. Folgende Projekte wurden ausgewählt: 

  • Schwende-Rüte (AI): Entwicklung des Bahnhofs und angrenzender Areale zu einem Ort der Begegnung und zu einem neuen Dorfzentrum
  • Büron (LU): Weiterentwicklung der historischen «Braui» zu einem Ort für gemeinschaftliche Nutzungen und zu einem neuen Dorfkern

Gründung des COBASI-Praxisnetzwerks
Zum Abschluss lanciert Egger Thomas, der Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) das COBASI Praxisnetzwerk Baukultur & Grundversorgung. Gemeinden, Planung, Infrastrukturbetreiber und Forschung sollen darin auch über das Projektende hinaus zusammenarbeiten. Ein zentrales Element des Netzwerks sind Besuche vor Ort, um voneinander zu lernen und Erfahrungen direkt in die Praxis zu übertragen.

Die Diskussion machte deutlich: Die Zukunft der Grundversorgung wird nicht allein durch einzelne Angebote entschieden. Sie entsteht dort, wo räumliche Qualität und Baukultur, gesellschaftliche Bedürfnisse sowie lokale Initiativen zusammenfinden.