Im ersten Halbjahr hat das Institut für Altersforschung (IAF) der OST neue Publikationen vorgelegt und damit seine vielfältige Forschungstätigkeit unterstrichen. Die Beiträge spiegeln die fachliche Breite und internationale Vernetzung des Instituts wider: Von technologischen Innovationen in der Langzeitpflege über gesellschaftliche und politische Fragestellungen bis hin zu sozialräumlichen Konzepten und kognitivem Altern. Sie zeigen, wie interdisziplinär die Altersforschung am IAF angelegt ist und wie stark sie lokal verankert und zugleich international vernetzt ist.
Der Konferenzbeitrag «From Curiosity to Comfort: Older Adults in Retirement Homes Navigating Independent Use of Voice-Based AI Chatbot, Barriers, and Social Connection Preliminary Usability Study» untersucht den Einsatz sprachbasierter KI-Chatbots in Alters- und Pflegeheimen. In der Publikation zeigen Cornelia Ursprung, Simone Eicher und Monika Freund Schoch, wie ältere Menschen den VAI-Assistenten «Alfred» selbstständig nutzen, welche Barrieren bestehen und wie sich die Technologie auf soziale Kontakte auswirken kann. Die Ergebnisse machen deutlich, dass solche Technologien grosses Potenzial haben, jedoch gezielte Anpassungen hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit und Zugänglichkeit erforderlich sind.
Einen stärker gesellschafts- und pflegepolitischen Fokus hat die Publikation «Zwischen relationaler Qualität und politischer Anschlussfähigkeit: Rathausgespräche als Bausteine Sorgender Gemeinschaften». Stefanie Wiloth und ihre Co-Autorinnen und Autoren untersuchen, wie sogenannte Rathausgespräche als Brücke zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und staatlicher Verantwortung wirken können. Die Studie zeigt, dass sorgende Gemeinschaften nicht nur aus der Bevölkerung heraus entstehen, sondern durch das aktive Zusammenspiel mit institutionellen und politischen Akteurinnen und Akteuren gestärkt werden.
In einer internationalen Publikation im Rahmen eines Special Issue zeigen Sarah Speck, Samira-Salomé Hüsler und Rhea Braunwalder, wie gemeinschaftsgetragene Ansätze das Ageing in Place erweitern können. In ihrem Artikel «Extending ageing in place through adaptable community-led practices: Insights from four Ibasho contexts» analysieren sie vier Ibasho-Initiativen in Japan, Nepal, den Philippinen und Singapur. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass partizipative und lokal verankerte Initiativen das Wohlbefinden, die soziale Verbundenheit und die Selbstwirksamkeit älterer Menschen nachhaltig stärken – zugleich jedoch auf stabile Ressourcen und eine langfristige Koordination angewiesen sind.
Schliesslich trägt eine europäische Studie zur weiteren Vertiefung des Verständnisses von kognitivem Altern bei. Im Artikel «Socio-emotional well-being is associated with cognitive function and informant-rated cognitive decline» analysieren Damaris Aschwanden und Kolleginnen und Kollegen Zusammenhänge zwischen sozio-emotionalem Wohlbefinden und kognitiver Leistungsfähigkeit bei älteren Erwachsenen. Die Ergebnisse zeigen, dass Faktoren wie Lebenszufriedenheit, soziale Verbundenheit und Sinn im Leben eng mit besseren kognitiven Ergebnissen verbunden sind, während Einsamkeit ein zentraler Risikofaktor darstellt.
Zusammengenommen illustrieren diese vier Publikationen eindrücklich die Stärke des IAF in der Verbindung unterschiedlicher Disziplinen: Von Technik und Pflege über Sozialwissenschaften bis hin zur internationalen Forschung. Gleichzeitig zeigen sie die enge Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen im In- und Ausland und unterstreichen den Anspruch des IAF, praxisrelevante Erkenntnisse für die Gestaltung einer alternden Gesellschaft zu liefern.
Die aktuellen Veröffentlichungen leisten damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion, sondern bieten auch konkrete Anknüpfungspunkte für Praxis, Politik und Gesellschaft. Sie verdeutlichen, dass nachhaltige Lösungen für die Herausforderungen des Alterns durch interdisziplinäre Zusammenarbeit, innovative Ansätze und eine starke internationale Vernetzung entwickelt werden können.
