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Wenn Ideen gegeneinander antreten

17.08.2026

Wie lassen sich Tausende Ideen aus der Bevölkerung systematisch auswerten? Forschende der OST – Ostschweizer Fachhochschule haben dafür einen mathematischen Algorithmus entwickelt. Er kommt aktuell im Bürgerdialog von BrainE4 und 20 Minuten zur Familienpolitik zum Einsatz und liefert einen wissenschaftlich fundierten Anhaltspunkt dafür, welche Ideen besonders breit abgestützt sind.

Illustration von drei Personen mit Laptops, die über unterschiedliche Fragen und Ideen nachdenken.
Prof. Dr. Lin Himmelmann und Prof. Dr. Christoph Strauss von der OST entwickelten gemeinsam mit BrainE4 einen Algorithmus, der Ideen aus digitalen Beteiligungsverfahren vergleicht und einordnet.

Neues Beteiligungsverfahren

Ob in Gemeinden, Unternehmen oder der Politik: Wer Menschen in Entscheidungen einbeziehen will, muss unterschiedliche Ideen erfassen und einordnen können. Im Gegensatz zu klassischen Umfragen mit vorgegebenen Antworten können die Teilnehmenden beim Verfahren von BrainE4 eigene Ideen einbringen und gleichzeitig die Vorschläge anderer bewerten.

Gemeinsam mit dem Unternehmen BrainE4 aus Cham ZG entwickelten Lin Himmelmann, Professor am KMN Kompetenzzentrum für Mathematik und Naturwissenschaften, und Christoph Strauss, Professor am IMS Institut für Modellbildung und Simulation, deshalb im Rahmen eines Innosuisse-Projekts ein neues Verfahren. Teilnehmende bringen eigene Ideen ein und vergleichen diese anschliessend in sogenannten Ideenduellen. Aus den vielen Einzelentscheiden berechnet ein mathematisches Modell eine Rangfolge der Vorschläge.

«Manche Ideen werden in der Bevölkerung kontrovers diskutiert. Mit unserem Modell können wir nicht nur berechnen, wie eindeutig oder umstritten die Positionen im Ranking sind, sondern wie ambivalent eine Idee wahrgenommen wird.»

Lin Himmelmann, Professor für Data Science, Statistik und Künstliche Intelligenz

Mehr als nur ein Ranking

Die besondere Herausforderung bestand darin, aus Tausenden einzelner Vergleiche eine belastbare Gesamtrangfolge zu rekonstruieren. Dabei berücksichtigt das Modell nicht nur, welche Idee häufiger gewinnt, sondern auch, wie sicher ihre Platzierung statistisch ist. «Manche Ideen werden in der Bevölkerung kontrovers diskutiert. Mit unserem Modell können wir nicht nur berechnen, wie eindeutig oder umstritten die Positionen im Ranking sind, sondern wie ambivalent eine Idee wahrgenommen wird», erklärt Lin Himmelmann.

Dadurch macht das Verfahren nicht nur sichtbar, welche Ideen besonders breit abgestützt sind. Es zeigt auch, wie gross der Konsens zu einzelnen Ideen ist und wo die Meinungen auseinandergehen. So erhalten Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger einen wissenschaftlich fundierten Bericht. Laut den Forschenden ist diese Möglichkeit, den Konsens für einzelne Ideen zu bestimmen, weltweit einzigartig.

20 Minuten setzt Algorithmus ein

Nach einer rund zweijährigen Entwicklungsphase im Rahmen eines Innosuisse-Projekts wird der Algorithmus heute im Bürgerdialog von BrainE4 und 20 Minuten zur Familienpolitik eingesetzt. Tausende Teilnehmende bringen dabei ihre Ideen ein und bewerten jene anderer Personen in direkten Vergleichen.