Sprache

Wie Praxisprojekte nachhaltig wirken

20.08.2026

74 Auftraggeberinnen und Auftraggeber haben 2026 ihre Fragestellung in die Hände der Praxisprojekt-Teams gegeben. Bis November läuft die Eingabefrist für die Projekte 2027. Was eine Studentin aus ihren zwei Praxisprojekten mitnimmt, erfahren Sie im Interview.

Jedes Jahr vertrauen mehrere Dutzend Firmen ihre Fragestellungen dem WTT und den Praxisprojekt-Teams an. 2026 waren es 74 Auftraggeberinnen und Auftraggeber – von der lokal tätigen, gemeinnützigen Organisation über die Versicherungsgesellschaft bis hin zum international tätigen Technologiekonzern. Sie alle eint der Wunsch, eine Aussensicht sowie Lösungsvorschläge für eine Herausforderung zu erhalten, die sie beschäftigt. Die Studierendenteams bearbeiten die Aufträge unter fachkundiger Begleitung einer Dozentin oder eines Dozenten der OST, die sie als Coaches begleiten. 

Jetzt Praxisprojekt für 2027 einreichen!

Bis November 2026 nimmt das Team des WTT Projektideen für die Praxisprojekte 2027 entgegen. Mittels des Kontaktformulars auf der Website können Sie Ihre Projektidee kurz skizzieren und die Ziele des möglichen Auftrages formulieren. Das Team des WTT wird Sie umgehend kontaktieren, um das weitere Vorgehen zu besprechen. 

Praxisprojekte – aus der Sicht einer Studentin

Seraina Auer hat ihr Studium in Betriebsökonomie an der OST vor wenigen Wochen abgeschlossen. Die 27-Jährige hat während ihres Studiums als Firmenkundenberaterin bei einer Bank gearbeitet. Weshalb sie trotz Berufserfahrung in den Praxisprojekten viel gelernt hat, erzählt sie im Interview. 
 

Seraina, letztes Jahr hast du mit deinem Team den Publikums-Award am WTT Young Leader Award erreicht für die Gifas Electric. Worum ging es bei eurem Projekt?

Seraina Auer: Wir haben mittels einer Mitarbeitendenbefragung detailliert erhoben, wie hoch die Zufriedenheit der Mitarbeitenden in diversen Themenfeldern wie beispielsweise Führung oder Entlöhnung ist. Basierend auf den Ergebnissen formulierten wir Handlungsempfehlungen. Dass wir den Publikums-Award gewonnen haben, hat uns sehr gefreut. Auch, weil es uns gezeigt hat, dass unsere Arbeit auf viel Interesse gestossen ist. 

Dieses Jahr wart ihr in derselben Teamkonstellation, aber für ein anderes Unternehmen im Einsatz. Was waren für dich persönlich die Unterschiede zwischen den zwei Projekten?

Der grösste Unterschied war die Tiefe: Während im ersten Projekt die Erhebung und die Auswertung der Daten im Fokus standen, konnten wir beim zweiten Projekt für die RTAG Immobilien und Treuhand stärker auf die Handlungsempfehlungen fokussieren. Bei der RTAG wurden kürzlich zwei Standorte mit sehr unterschiedlicher Unternehmenskultur zusammengebracht. Wir haben die bestehende Kultur analysiert und darauf aufbauend ein neues Leitbild erstellt sowie Handlungsempfehlungen, wie die Unternehmenskultur weiter gestärkt werden kann.

Letztes Jahr hattest du die Projektleitung inne, dieses Mail übernahm dies diejenige Kollegin, die das Projekt eingebracht hatte. Was hast du aus diesen Rollen für dich gelernt?

Aufgaben koordinieren liegt mir und ich behalte gerne den Überblick, weshalb mir die Rolle als Projektleiterin zusagte. Für mich war es gleichzeitig aber auch eine wichtige Erfahrung, Verantwortung abzugeben und darauf zu vertrauen, dass das Team selbständig arbeitet. Wir haben uns als Team so gut verstanden, dass wir unbedingt nochmals zusammenarbeiten wollten.  Als Team-Member hatte ich weniger den Überblick über das Gesamtprojekt, fühlte mich aber für das Endergebnis genauso stark verantwortlich und war hochmotiviert. Das trifft auf uns alle zu, egal ob in der Rolle als Projektleitung oder als Team-Member. 

Was nimmst du generell aus den zwei Praxisprojekten mit?

Es war sehr interessant, aus einer anderen Perspektive Einblick in ein Unternehmen zu erhalten. Einerseits, weil man als Mitarbeiterin normalerweise mitten im Unternehmen ist und im Projekt die Vogelperspektive einnimmt. Andererseits, weil man eine komplett andere Branche kennenlernt. Das hat meinen Blick auf Unternehmen und auch auf Mitarbeitendenthemen stark erweitert. Zudem konnte ich Inhalte aus der Theorie anwenden und auch herausfinden, wo die Grenzen der theoretischen Konzepte sind. 

Was muss aus deiner Sicht ein Auftraggeber mitbringen, damit ein Projekt zum Erfolg wird?

Es braucht ein Grundvertrauen des Auftraggebers in uns Studierende – man darf uns etwas zutrauen. Der Kunde oder die Kundin muss den Zugriff auf Informationen und einen echten Einblick ermöglichen. Wichtig ist auch, Zeit für Meetings zu investieren, damit die Erwartungen an das Praxisprojekt genau definiert werden können. Offenheit sehe ich ebenfalls als Voraussetzung. Wir bringen als Studierende eine andere Perspektive mit und sind vielleicht nicht immer gleicher Meinung wie der Auftraggeber – genau darin liegt aber auch eine Chance.  

Und welche Punkte verhelfen den Studierenden zum erfolgreichen Praxisprojekt?

Man sollte die Chance, etwas zu lernen, über den Aufwand stellen. Gerade wenn man berufsbegleitend studiert, ist das Praxisprojekt natürlich eine zusätzliche Belastung, man hat sozusagen zwei Arbeitgeber. Doch es ist den Aufwand absolut wert, weil man sehr viel lernt und einzigartige Einblicke in ein Unternehmen erhält. Wenn man diese Chance nutzt, kann man persönlich und fachlich sehr viel mitnehmen. Man sollte zudem das Teamwork nicht unterschätzen: Der Beitrag jeder Person ist für das Ergebnis enorm wertvoll. Es gibt keinen Platz für Trittbrettfahrer. 

Was nimmst du aus den Praxisprojekten für deine berufliche Zukunft mit?

Wir haben zweimal Mitarbeitendenthemen bearbeitet, diese sind unabhängig von der Branche überall aktuell. Wir haben Einblick erhalten, was Mitarbeitende zufrieden macht und was einen guten Arbeitgeber aus Sicht der Mitarbeitenden ausmacht. Spannend fand ich auch die Erkenntnis, dass sich die Erwartungen und Werte verschiedener Generationen weniger stark unterscheiden, als man vielleicht vermuten würde. Die Projekte haben meinen Horizont erweitert, es war eine Riesenchance!


Interview: Deborah Conversano