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Forschungsprojekt

Altern nach belastenden Kindheitserfahrungen: Langzeitfolgen und Weitergabe von Verletzlichkeit und Widerstandskraft an die nächste Generation

Gewalt, Vernachlässigung und Fremdplatzierungen in der Kindheit können die körperliche und psychische Gesundheit bis ins hohe Alter prägen. Gleichzeitig entwickeln manche Menschen trotz solcher Erfahrungen eine bemerkenswerte psychische Widerstandskraft. Dieses Projekt untersucht, weshalb Menschen nach frühen Belastungen unterschiedlich altern und wie Vulnerabilität sowie Resilienz an die nächste Generation weitergegeben werden.

Hintergrund:
Menschen, die von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen betroffen waren, haben mit grösserer Wahrscheinlichkeit Gewalt, Misshandlung oder Vernachlässigung in der Kindheit erlitten. Solche frühen Belastungserfahrungen zählen zu den robustesten Risikofaktoren für psychische und körperliche Erkrankungen und können Auswirkungen über die gesamte Lebensspanne bis ins höhere Erwachsenenalter haben. Traumatische Erfahrungen können zudem generationenübergreifend weitergegeben werden: Die Entwicklung von Kindern wird wesentlich durch ihr Umfeld geprägt – dazu gehören auch die Traumaerfahrungen und Bewältigungsstrategien ihrer Bezugspersonen. Bislang ist nur wenig darüber bekannt, welche langfristigen Folgen frühe Belastungserfahrungen  im höheren Lebensalter mit sich bringen und inwiefern sie sich auf nachfolgende Generationen übertragen.

Um diese Forschungslücke zu addressieren, untersucht das vierjährige Projekt „Ageing in the Aftermath of Adversity“, wie sich psychische und körperliche Gesundheit, Wohlbefinden, Beziehungen, Schmerzen und Stress bei älteren Menschen mit frühen Belastungserfahrungen über die Zeit verändern. Es wird untersucht, wie Betroffene Gewalt und Misshandlung in unterschiedlichen Kontexten wie Pflegefamilien, Heimeinrichtungen, religiöse Institutionen und Herkunftsfamilien erlebt und verarbeitet haben. Ziel des Projekts ist zu verstehen, wie frühe Belastungen und Traumata Gesundheits- und Alterungsprozesse beeinflussen sowie wie Vulnerabilität und Resilienz zwischen Generationen weitergegeben werden. Dazu arbeitet das Projekt mit Betroffenen von Kindheitstraumata und belastenden Erfahrungen sowie deren Nachkommen der zweiten Generation in der Deutschschweiz.

Methode:
Das Projekt verfolgt ein mehrphasiges Mixed-Methods-Design und ist in drei Arbeitspakete gegliedert:

  • Arbeitspaket 1 untersucht langfristige Gesundheits- und Alterungsverläufe mittels einer longitudinalen quantitativen Kohortenstudie.

  • Arbeitspaket 2 erforscht die subjektiven Erfahrungen und langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen früher Belastungen und Traumata anhand von drei qualitativen Studien. Diese fokussieren auf unterschiedliche Kontexte: fürsorgerische Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen in der Schweiz, religiöse Institutionen sowie Herkunftsfamilien.

  • Arbeitspaket 3 untersucht die intergenerationale Weitergabe von Trauma und Resilienz aus biopsychosozialer Perspektive. Dazu werden quantitative Erhebungen, Biomarker-Analysen sowie qualitative Interviews mit Nachkommen der zweiten Generation kombiniert.

Laufzeit: 01.07.2026 - 30.06.2030

Projektfinanzierung:

Kooperation:

PD Dr. Myriam V. Thoma, Universität Basel, Fakultät für Psychologie