Forschungsprojekt
GRIPed - Entwicklung und Pilotierung eines praxisnahen Edukationskonzepts zu Gewaltprävention und Aggressionsmanagement im Pflegeheim
Gewalt in Pflegeheimen ist verbreiteter als oft angenommen - und betrifft Bewohnende wie Pflegende gleichermassen. Wie aus dem Vorgängerprojekt GRIP hervorgeht, entfalten bestehende Schulungsangebote nicht die gewünschte Wirkung. Das Projekt GRIPed entwickelt und erprobt deshalb ein neues, praxisnahes Edukationskonzept zur Gewaltprävention und zum Aggressionsmanagement - partizipativ, niedrigschwellig und nachhaltig ausgerichtet.
Pflegeheime sind Orte, in denen Menschen eng zusammenleben und aufeinander angewiesen sind. Diese Nähe birgt Potenzial für Konflikte - und gelegentlich für Gewalt. Studien zeigen: Über 80 % der Pflegepersonen erfahren im Lauf eines Jahres Gewalt durch Bewohnende. Gleichzeitig sind Menschen mit Demenz besonders häufig von Gewaltsituationen betroffen. Die Ursachen sind vielfältig: eingeschränkte Kommunikationsfähigkeiten, Personalmangel, fehlende Rückzugsorte und eine Pflegekultur, die das Thema mitunter tabuisiert.
GRIPed baut auf den Erkenntnissen des Vorgängerprojekts GRIP auf, das Situationen mit erhöhtem Gewaltrisiko in Pflegeheimen systematisch untersucht hat. Die Ergebnisse zeigen: Bestehende Schulungsangebote erreichen nicht alle Mitarbeitenden, sind zu wenig auf die Lernbedürfnisse der Praxis zugeschnitten und bewirken kaum nachhaltige Veränderungen in der Teamkultur. Hier setzt GRIPed an.
Gemeinsam mit Pflegeheimen in der Ostschweiz und dem Netzwerk für Aggressionsmanagement im Gesundheits- und Sozialwesen (NAGS) entwickelt das Kompetenzzentrum Demenz der OST ein Edukationskonzept, das partizipativ, alltagsnah und auf nachhaltige Wirkung ausgerichtet ist. Das Konzept richtet sich an Pflegende aller Ausbildungsniveaus - mit besonderem Fokus auf Mitarbeitende in Assistenzfunktionen sowie auf Führungspersonen, die durch ihre Haltung und Entscheidungen massgeblich zur Prävention beitragen.
Inhaltlich stehen Themen wie Empathie und personzentrierte Haltung, frühzeitiges Erkennen von Risikosituationen, verbale Deeskalation und professioneller Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen im Mittelpunkt. Das Format setzt auf gut integrierbare Lerneinheiten, eine Kombination aus Präsenz und Praxisanwendung sowie kontinuierliche Reflexion im Team.
Die Wirkung des Konzepts wird im Rahmen einer Pilotierung in drei Pflegeheimen wissenschaftlich evaluiert - zu drei Messzeitpunkten, quantitativ und qualitativ. Nach Projektabschluss stehen das Edukationskonzept und alle Materialien dem NAGS-Netzwerk kostenlos zur Verfügung.
GRIPed ist Teil einer längerfristigen Forschungsserie des Kompetenzzentrums Demenz - mit dem Ziel, Schritt für Schritt den Weg zu einem (möglichst) gewaltfreien Pflegeheim zu ebnen.
Laufzeit: 01.01.2025 - 31.12.2027
Projektfinanzierung:
Ria & Arthur Dietschweiler Stiftung
Kooperation:
- NAGS - Netzwerk für Aggressionsmanagement im Gesundheits- und Sozialwesen Schweiz
- Alters- und Pflegezentrum Krone, Rehetobel
- Liechtensteinische Alters- und Krankenhilfe (LAK)
- Alters- und Spitexzentrum IMWIL, Dübendorf



