Forschungsprojekt
PFAS-Belastungen in Landwirtschaftsböden
Durch frühere Klärschlammausbringung sind heute einige landwirtschaftlich genutzte Böden lokal grossflächig mit PFAS belastet. Solche Landwirtschaftsböden stellen Landwirtschaft, Behörden und Konsumenten vor bislang kaum gekannte Herausforderungen. Die persistenten Chemikalien können über Boden und Futterpflanzen in Nutztiere und dadurch in unsere Nahrungsmittel wie Fleisch, Milch und Eiern gelangen – mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen für die betroffenen Betriebe und zunehmender Verunsicherung bei Produzenten, Behörden und Konsumenten. Das UMTEC wurde beauftragt nach praxistauglichen Lösungen zu suchen.
Noch vor gut zwei Jahrzehnten galt die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm in der Schweiz als sinnvolle Möglichkeit, Nährstoffe in den Kreislauf zurückzuführen und gleichzeitig die bei der Abwasserreinigung anfallenden Rückstände zu verwerten. Dass damit auch persistente Schadstoffe wie PFAS grossflächig auf Landwirtschaftsböden verteilt werden konnten, war in seiner heutigen Dimension damals nicht bekannt.
Die teilweise grossflächige Kontamination fruchtbarer Landwirtschaftsflächen lässt klassische Sanierungsmethoden wie Bodenaustausch oder Bodenwäsche aus technischen, ökologischen und wirtschaftlichen Gründen kaum zu. Abwarten ist ebenfalls keine befriedigende Lösung: die PFAS bauen sich nicht ab und betroffene Landwirtschaftsbetriebe können ihre Produkte unter Umständen nicht mehr oder nur eingeschränkt in Verkehr bringen – mit unmittelbaren Folgen für ihre wirtschaftliche Existenz.
Das UMTEC sucht deshalb im Labor, in Indoor-Kulturen und in Feldversuchen nach Lösungsansätzen und steht dabei im Austausch mit führenden Forschungsgruppen im Ausland. Lösungen lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres übertragen: Was andernorts technisch funktioniert und zulässig ist, muss den schweizerischen rechtlichen, landwirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen nicht zwingend entsprechen. Die Herausforderung ist entsprechend interdisziplinär und umfasst chemische, biologische, landwirtschaftliche, veterinärmedizinische, humantoxikologische, wirtschaftliche und politische Fragestellungen.
In einem ersten Schritt wird untersucht, wie sich die Aufnahme von PFAS aus dem Boden in Futter- und Kulturpflanzen und damit der weitere Transfer in Nutztiere und Lebensmittel reduzieren lässt. Die Schadstoffe verbleiben dabei zunächst im Boden, ihre Bioverfügbarkeit und ihr Eintritt in die Nahrungskette sollen jedoch so weit vermindert werden, dass die produzierten Lebensmittel die geltenden Grenzwerte wieder einhalten können. Damit ist das PFAS-Problem im Boden zwar noch nicht gelöst, für die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe könnte ein solcher Ansatz jedoch kurz- bis mittelfristig eine dringend benötigte Perspektive schaffen und gleichzeitig Zeit für die Entwicklung langfristiger Sanierungslösungen gewinnen.
Laufzeit: 01.03.2026 - 28.02.2029
Projektfinanzierung:
Öffentlich
Kooperation:
Landwirtschaftsamt, Kanton St. Gallen


