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Tag der älteren Menschen: Vielfalt des Alter(n)s im Fokus

07.10.2026

Anlässlich des Internationalen Tages der älteren Menschen am 1. Oktober rückte das IAF Institut für Altersforschung die Vielfalt des Alter(n)s in den Fokus. Zwei Veranstaltungen in St.Gallen und Altdorf zeigten, wie unterschiedlich Lebensrealitäten im Alter sind, welche Rolle gesellschaftliche Altersbilder spielen und was ein gesundes, selbstbestimmtes Älterwerden auszeichnet

Altersbilder hinterfragen und Vielfalt sichtbar machen

Wie denken wir über das Alter? Welche Vorstellungen prägen unser Bild vom Älterwerden und welche Auswirkungen haben diese Bilder auf unser Zusammenleben? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die öffentliche Veranstaltung «Altersbilder – Die VielfALT des Alter(n)s» an der OST in St.Gallen.

Die vom IAF Institut für Altersforschung gemeinsam mit dem Amt für Gesundheitsvorsorge des Kantons St.Gallen organisierte Veranstaltung stiess auf grosses Interesse. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, sich mit unterschiedlichen Perspektiven auf das Alter auseinanderzusetzen und eigene Vorstellungen zu reflektieren.

Im Mittelpunkt stand die Vielfalt heutiger Lebensrealitäten im Alter. Denn Alter wird häufig mit bestimmten Erwartungen, Zuschreibungen oder Stereotypen verbunden. Die tatsächlichen Erfahrungen und Lebensentwürfe älterer Menschen sind jedoch weit vielfältiger.

Das Herzstück der Veranstaltung bildete die Premiere von drei kurzen Videoporträts (Links in der Infobox rechts). Darin erzählen Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Hintergründen von ihren Erfahrungen, Herausforderungen, Ressourcen und Perspektiven im Alter. Die Porträts machten deutlich: Es gibt nicht das eine Alter, sondern eine grosse Vielfalt individueller Biografien und Lebensentwürfe.

Die Videos boten Anlass, eigene Altersbilder zu hinterfragen und den Blick für unterschiedliche Facetten des Alter(n)s zu schärfen. Fragekarten und eine Karikaturenausstellung setzten zusätzliche Gesprächsimpulse und führten auch im Anschluss an die Präsentationen zu einem lebhaften Austausch.

Ein besonderer Moment war die Würdigung der Protagonistinnen und Protagonisten der Videoporträts. Mit ihrer Bereitschaft, persönliche Einblicke in ihr Leben zu geben, leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit Altersbildern. Karolina Staniszewski, Leiterin Fachstelle Gesundheit im Alter des Amts für Gesundheitsvorsorge des Kantons St.Gallen, überreichte den Mitwirkenden als Zeichen der Anerkennung ein kleines Dankeschön.

Vielfältige Perspektiven auf das Älterwerden

Auch in Altdorf (UR) stand das Älterwerden anlässlich des Internationalen Tages der älteren Menschen im Mittelpunkt. Bei der Podiumsdiskussion «Impulse für ein altersfreundliches Morgen» diskutierten der Komiker Viktor Giacobbo, der Historiker und ehemalige Urner Regierungsrat Stefan Fryberg sowie Damaris Aschwanden, Leiterin des IAF Instituts für Altersforschung, über unterschiedliche Perspektiven auf das Älterwerden. Moderiert wurde das Gespräch von Fernseh- und Radiomoderator Röbi Koller.

Die Diskussion zeigte auf unterhaltsame und persönliche Weise, dass Älterwerden weit mehr umfasst als körperliche Veränderungen. Viktor Giacobbo berichtete etwa davon, wie wichtig ihm der Austausch mit jüngeren Generationen ist. Stefan Fryberg erzählte von seiner Leidenschaft für historische Forschung und davon, wie befreiend es sein kann, im Ruhestand Interessen ohne Leistungsdruck verfolgen zu können.

Damaris Aschwanden ordnete die persönlichen Erfahrungen aus Sicht der Altersforschung ein. Gesundes Altern bedeutet nicht zwingend, frei von Beschwerden zu sein. Entscheidend ist vielmehr, möglichst lange jene Aktivitäten ausüben zu können, die Freude bereiten, Sinn stiften und für die eigene Lebensqualität wichtig sind. Geistige, soziale und körperliche Aktivität spielen dabei eine zentrale Rolle.

Zuversichtlich stimmt auch ein in der Altersforschung gut dokumentiertes Phänomen: Obwohl körperliche Ressourcen mit zunehmendem Alter abnehmen können, bleiben Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit bei vielen Menschen erstaunlich stabil. Umso wichtiger ist es, ältere Menschen nicht primär über mögliche Defizite wahrzunehmen, sondern ihre Ressourcen, Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten in den Blick zu nehmen.

Organisiert wurde die Veranstaltung von Pro Senectute Uri und dem Schweizerischen Roten Kreuz Uri. Mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe Seedorf in der Festwirtschaft und musikalischer Begleitung durch die Kapelle Mosi-Ligruuss wurde der generationenübergreifende Austausch auch neben dem Podium gelebt.

Ein differenzierter Blick auf das Alter(n)

Beide Veranstaltungen machten auf unterschiedliche Weise deutlich, wie wichtig eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Alter(n) ist. Gesellschaftliche Altersbilder beeinflussen, was wir älteren Menschen zutrauen, welche Möglichkeiten wir ihnen eröffnen und auch, wie wir unser eigenes Älterwerden wahrnehmen.

Die Vielfalt von Biografien, Ressourcen und Lebensentwürfen sichtbar zu machen, trägt dazu bei, stereotype Vorstellungen zu hinterfragen und ein realistisches, ressourcenorientiertes Bild des Alter(n)s zu fördern. Gleichzeitig zeigen Forschung und persönliche Erfahrungen: Auch im höheren Lebensalter bleiben Entwicklung, Teilhabe, Lernen, Beziehungen und Sinn zentrale Bestandteile eines guten Lebens.

Der Internationale Tag der älteren Menschen erinnert nicht nur an die Bedürfnisse älterer Menschen, sondern macht auch sichtbar, welche Potenziale, Erfahrungen und Perspektiven ein langes Leben mit sich bringt.

Das IAF Institut für Altersforschung bedankt sich bei allen Mitwirkenden, Besucherinnen und Besuchern sowie den beteiligten Partnerorganisationen für den Austausch und die wertvolle Zusammenarbeit.