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Dehydration bei Demenz vorbeugen

31.08.2026

Menschen mit Demenz sind besonders gefährdet, zu wenig zu trinken. Das internationale Forschungsprojekt ProHydraDem will deshalb eine wissenschaftlich fundierte Pflegeintervention entwickeln und erproben, die ihre Flüssigkeitsversorgung nachhaltig verbessert. Beteiligt sind Forschende der OST – Ostschweizer Fachhochschule, der Medizinischen Universität Graz und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Das auf drei Jahre angelegte Projekt startet am 1. Januar 2027 und verfügt über ein standortübergreifendes Fördervolumen von CHF 1,251 Mio.

Ausreichend zu trinken, ist für Menschen mit Demenz oft eine Herausforderung. Sie vergessen möglicherweise nicht nur, dass sie trinken sollten, sondern auch, wie die Handlung des Trinkens ausgeführt wird. Hinzu kommen der Verlust eingeübter Trinkgewohnheiten, zunehmende Schluckstörungen und ein im Alter nachlassendes Durstgefühl. Betroffene können ihren Flüssigkeitsbedarf dadurch häufig nicht mehr zuverlässig wahrnehmen, einordnen oder mitteilen. Gerade in einer frühen Phase der Demenz reduzieren manche Menschen ihre Flüssigkeitsaufnahme zudem bewusst – etwa aus Sorge vor Inkontinenz.

Hitzeepisoden verschärfen diese Risiken zusätzlich. Die Ursachen einer Dehydration sind jedoch vielfältig und greifen ineinander. Entsprechend braucht es eine differenzierte Intervention, die sowohl individuelle Bedürfnisse als auch das soziale Umfeld und die Bedingungen in Pflege, Betreuung und Therapie berücksichtigt.

ProHydraDem setzt genau hier an. Das Projekt mit dem vollständigen Titel «Promoting hydration in people living with dementia: Development and feasibility testing of a complex intervention» entwickelt, modelliert und erprobt eine präventive Pflegeintervention zur Sicherstellung der Flüssigkeitszufuhr bei Menschen mit Demenz. Grundlage bilden sowohl Erkenntnisse aus der Fachliteratur als auch neue empirische Daten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Das Forschungsteam kombiniert dazu mehrere Methoden. Geplant sind fokussierte ethnografische Untersuchungen in unterschiedlichen Pflege-, Betreuungs- und Therapiesettings, Interviews mit Fachpersonen aus Pflege, Medizin, Ernährung, Ethik und Bildung sowie Gespräche mit direkt Betroffenen. Ergänzend werden formelle und informelle Pflegende befragt. Der länderübergreifende Vergleich soll Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar machen und sicherstellen, dass die entwickelte Intervention in verschiedenen Versorgungskontexten anwendbar ist.

Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. Thomas Beer und Prof. Dr. Julian Hirt vom Institut für Gesundheitswissenschaften des Departments Gesundheit der OST, Prof. Dr. Doris Eglseer vom Institut für Pflege- und Gesundheitswissenschaften der Medizinischen Universität Graz sowie Prof. Dr. Gabriele Meyer, Leiterin des Instituts für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Verbindung unterschiedlicher Disziplinen und Forschungsansätze ermöglicht es, die komplexen Ursachen unzureichender Flüssigkeitsaufnahme umfassend zu untersuchen und in eine praxistaugliche Intervention zu überführen.

Gefördert wird ProHydraDem im Rahmen des Weave-Verfahrens durch den Wissenschaftsfonds FWF, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und den Schweizerischen Nationalfonds (SNF). Das Verfahren unterstützt länderübergreifende Forschungsprojekte, die in einem gemeinsamen Begutachtungsprozess nach wissenschaftlichen Exzellenzkriterien ausgewählt werden.

Das Projekt baut auf einer langjährigen Zusammenarbeit der beteiligten Forschenden auf. Julian Hirt und Thomas Beer wurden an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg promoviert und leiteten beziehungsweise verantworteten bereits das internationale Projekt «Betreuungs- und begegnungsfreie Zeiträume: Methodenplurale Erkundungen zum Erleben von Menschen mit Demenz» (FreiZeit), das vom SNF und von der DFG finanziert wurde. Gabriele Meyer war daran als Expertin beteiligt. Darüber hinaus arbeiten die Forschenden seit Jahren in wissenschaftlichen Netzwerken und Fachgesellschaften zusammen, darunter das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin, die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft und die European Academy of Nursing Science.