Forschungsprojekt
NEST – Nurturing Emotional Safety in Trauma-Affected Parenting: Eine trauma-sensible Gruppenintervention für Eltern mit komplexer posttraumatischer Belastungsstörung
Eltern mit komplexen Traumafolgen stehen vor besonderen Herausforderungen in ihrer Elternrolle, die sich auf ihr emotionales Wohlbefinden und die Beziehung zu ihren Kindern auswirken können. Im Projekt NEST (Nurturing Emotional Safety in Trauma-Affected Parenting) entwickeln und prüfen wir eine manualisierte, trauma-sensible Gruppenintervention, die Eltern dabei unterstützen soll, ihre emotionalen und zwischenmenschlichen Kompetenzen zu stärken und das Wohlbefinden der gesamten Familie zu fördern.
Hintergrund
Schwere und langanhaltende traumatische Erfahrungen können nicht nur Angstreaktionen hervorrufen, sondern auch tiefgreifende Auswirkungen auf den Umgang mit Gefühlen, das Selbstbild und zwischenmenschliche Beziehungen haben. Bei der Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (KPTBS) stehen diese Belastungen im Vordergrund und können für Eltern viele Herausforderungen im Familienalltag und in der Gestaltung der Beziehung zum Kind mit sich bringen.
Diese Schwierigkeiten können langfristig das psychische Wohlbefinden der gesamten Familie belasten und zur intergenerationalen Weitergabe von Trauma beitragen. Bislang existiert in der Schweiz noch keine strukturierte Elternintervention, die Eltern mit KPTBS in traumabezogenen, elterlichen Herausforderungen unterstützt und sie in ihrer Elternrolle stärkt.
Die Intervention
NEST ist ein manualisiertes Gruppenprogramm aus neun wöchentlichen Sitzungen à 90 Minuten, durchgeführt in geschlossenen Gruppen von sechs bis acht Teilnehmenden. Inhaltlich gliedert sie sich in fünf zentrale Themenbereiche: Negatives Selbstkonzept und elterliche Selbstwirksamkeit, Emotionsregulation in der Eltern-Kind-Interaktion, Grenzen setzen, die Gestaltung von Nähe und Distanz in der Beziehung zum Kind sowie eine altersgerechte Kommunikation mit Kindern über die elterliche Diagnose.
Methode
Zur Entwicklung und Umsetzung der Intervention werden verschiedene methodische Ansätze kombiniert. Der Entwicklungsprozess erfolgte partizipativ: In Fokusgruppen und Interviews wurden Betroffene sowie Fachpersonen aktiv eingebunden, um die Intervention praxisnah und bedürfnisorientiert zu gestalten. Die identifizierten Herausforderungen wurden über den Intervention-Mapping-Ansatz in konkrete Interventionsziele übersetzt. Betroffene und Fachpersonen wurden dann erneut konsultiert, um Relevanz, Verständlichkeit und Umsetzbarkeit der entwickelten Inhalte zu beurteilen und die Intervention auf dieser Grundlage weiter zu verfeinern.
Die Pilotvalidierung der Gruppentherapie erfolgt im Rahmen einer offenen Mixed-Methods-Studie an zwei spezialisierten Traumakliniken. Qualitative Interviews liefern Einblicke in die Erfahrungen der Teilnehmenden, quantitative Verfahren erfassen potenzielle Veränderungen im elterlichen Verhalten und Erleben. Im Zentrum der Studie stehen die Machbarkeit und die Akzeptanz der Intervention.
Projektfinanzierung:
SNF – Schweizerischer Nationalfonds
Kooperation:
OST – Ostschweizer Fachhochschule
Psychiatrische Dienste Aargau – Zentrum für spezialisierte Psychotherapie und Psychosomatik (ZPP)
Integrierte Psychiatrie Winterthur – Ambulatorium für Traumafolgestörungen
UZH – Universität Zürich


