Roman Schister, was fasziniert dich persönlich am Zusammenspiel von Management und Recht?
Im Unternehmensalltag muss man regelmässig juristisch einwandfreie Lösungen finden, die aber auch praktisch umsetzbar sind. Die Rechtsabteilung wird dabei häufig als Hindernis wahrgenommen. So sollte es aber nicht sein. An der Schnittstelle von Management und Recht braucht es Fachpersonen, die nach Lösungen suchen, die aus juristischer Perspektive richtig und aus Managementsicht umsetzbar sind. Das betrifft sowohl Unternehmen als auch die öffentliche Verwaltung.
Die OST bietet ab Herbst 2027 den Master-Studiengang in Management und Recht an. Weshalb dieser neue Studiengang?
Einerseits führt die OST seit 2021 sehr erfolgreich den Bachelor in Management und Recht durch. Es war das Bestreben der Hochschulleitung und auch des Teams des Bachelor-Studiengangs, den Absolvierenden eine Anschlusslösung in diesem Bereich zu bieten. In die Erarbeitung des Studiengangs sind entsprechend Rückmeldungen von aktuellen und ehemaligen Studierenden, aber auch solche aus der Praxis eingeflossen. Andererseits wollten wir ein Angebot für Personen schaffen, die sich auf Masterstufe neu mit juristischen Themen auseinandersetzen möchten.
Reicht der bisherige Bachelor-Studiengang auf dem Arbeitsmarkt nicht aus?
Der Bachelor in Management und Recht ist ein sehr guter Abschluss, mit dem man in viele Berufsfelder einsteigen und erfolgreich tätig sein kann. Wir erfahren aber aus der Praxis immer wieder, dass für gewisse Funktionen, beispielsweise für höhere Fachfunktionen oder Leitungsfunktionen, ein Master-Abschluss gefordert wird.
Worum geht es im neuen Studiengang konkret?
Die juristischen Themen, die wir zusammen mit unseren Studierenden erarbeiten werden, haben auf dem Arbeitsmarkt und gerade auch in der schweizerischen Wirtschaftswelt eine sehr hohe Relevanz. Wir beschäftigen uns mit Fragen wie: Wie finanziert sich ein Unternehmen an den Finanzmärkten? Was passiert, wenn es bei einem Unternehmen nicht gut läuft und eine Sanierung ansteht? Wie funktioniert eine solide Steuerplanung, möglicherweise gar im internationalen Kontext? Der Aufbau des Studiums zeichnet sich durch umfangreichere Formate aus als im Bachelor-Studiengang. In jedem Semester findet eine Blockwoche, ein sogenanntes Kolloquium, statt. In diesen Modulen legt ein Praxispartner den Studierenden einen konkreten Fall vor. Die Studierenden erarbeiten dafür Lösungen, die sowohl die juristische, als auch die betriebswirtschaftliche Perspektive berücksichtigen. Dies schult eine ganzheitliche, kritische Denkweise, bei der alle Kenntnisse, die man im Laufe des Studiums erworben hat, zusammenfliessen.
Was zeichnet den Studiengang aus?
Einerseits die Verknüpfung von Management und Recht, durch die sich dieser Studiengang auch von einem universitären Jus-Studium unterscheidet, andererseits eine sehr starke Praxis- und Anwendungsorientierung mit intensiver Fallarbeit. Das Studium ist berufskompatibel gestaltet und ermöglicht eine parallele Arbeitstätigkeit von 50 bis 70 Prozent. Das ergänzt die Praxisnähe, auf die wir im Studium Wert legen.
Ist eine aktuelle berufliche Tätigkeit an der Schnittstelle von Management und Recht Voraussetzung, um das Studium absolvieren zu können?
Nein. Der Studiengang richtet sich auch an Personen, die einen Hintergrund in Betriebswirtschaft, Volkswirtschaftslehre oder Wirtschaftsinformatik haben und sich zusätzlich eine juristische Perspektive erarbeiten wollen.
Bietet die OST für diese Personengruppe etwas an, um die juristischen Grundlagen zu erlangen?
Ja, es gibt eine Übertrittsmöglichkeit für Personen, die in ihrem bisherigen Studium noch nicht genügend juristische Credits erworben haben, um direkt in den Master einzusteigen. Sie können an der OST eine Master-Vorbereitungsstufe im Umfang von maximal 45 ECTS-Credits absolvieren. Dieses Angebot richtet sich beispielsweise an Interessentinnen und Interessenten mit einem Bachelor in Betriebsökonomie oder Wirtschaftsinformatik.
In welchen Bereichen oder Branchen könnten die künftigen Master-Absolvierenden tätig sein?
Unsere Absolventinnen und Absolventen können in ganz unterschiedlichen Branchen tätig sein – überall dort, wo wirtschaftliche und juristische Fragestellungen zusammenkommen. Das können beispielsweise Leitungsfunktionen im Compliance-Bereich von Banken oder in Rechtsabteilungen sein, Führungsrollen bei Betreibungs- und Konkursämtern oder Tätigkeiten in der Steuerberatung und bei Versicherungen. Auch für höhere Funktionen bei Gemeinden, Kantonen oder beim Bund bietet das Studium eine gute Grundlage.
Nächstes Jahr startet der zwei Jahre dauernde Studiengang erstmals. In die Zukunft geblickt: Was wünscht du dir, was wir in fünf Jahren über den Master-Studiengang sagen?
Ich hoffe, dass unsere Absolventinnen und Absolventen rückblickend sagen: «Die ganzheitliche Arbeitsweise dieses Studiengangs hat mich wirklich weitergebracht – privat wie beruflich.» Und dass sie ihn genau deshalb aus voller Überzeugung an die nächste Generation von Studierenden weiterempfehlen.
Interview: Deborah Conversano

