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Nur wer die Welt versteht, kann die Zukunft gestalten

08.10.2026

Die Natur lässt sich nicht täuschen, die Menschen anscheinend schon. Obwohl die Auswirkungen des Klimawandels immer offensichtlicher werden und die entsprechenden Kosten immer höher, scheinen wir uns als Gesellschaft entschieden zu haben, unsere Köpfe immer tiefer in den Sand zu stecken. Die Erde empfängt heute viel mehr Energie von der Sonne als sie loswerden kann – etwa 12 Atombomben pro Sekunde – während wir endlos über unbedeutende Massnahmen diskutieren. Wir brauchen dringend Menschen, die nicht nur das Ausmass der Klimakrise verstehen, sondern auch wissen, was man dagegen tun kann. Diese werden im Studiengang Erneuerbare Energien und Umwelttechnik an der OST ausgebildet.

«These were the hottest summer months ever – but probably the coolest of the years to come. Science is clear. Europe is warming at double the global rate. Europe can, must and will stay the course on its climate targets.« – Ursula von der Leyen [1]

Es ist inzwischen allen klar, dass der Hitzesommer 2026 zu den kühleren des 21. Jahrhunderts gehören wird. Trotz eindringlicher Warnungen der Wissenschaft und des gesunden Menschenverstands haben wir uns als Gesellschaft entschieden, unseren Planeten zu verheizen [2].

Die Treibhausgaskonzentrationen und die Temperaturen steigen immer steiler an, mit gravierenden Folgen für praktisch alle Teile der Gesellschaft. Der Gebäudesektor, die Forst- und Landwirtschaft, der Tourismus, das Energiesystem, die Wasserversorgung, der Transportsektor und das Gesundheitswesen werden sich alle auf ein deutlich ungemütlicheres Klima einstellen müssen. Dies wird hohe Kosten verursachen, die ohne den Klimawandel gar nicht anfallen würden [3] [4].

Die erforderlichen Massnahmen, um den Klimawandel zu bremsen, sind längst bekannt. Die fossilen Brennstoffe müssen so schnell wie möglich durch erneuerbare ersetzt, der Ressourcenverbrauch durch Effizienzsteigerungen und Kreislaufwirtschaft reduziert und die Natur besser geschützt werden. Da es unmöglich ist, sich auf ein Klima in permanentem Wandel anzupassen, hat Klimaschutz weiterhin oberste Priorität. Der einzige Haken ist, dass diese Massnahmen viel Geld kosten, ohne einen kurzfristigen Gewinn zu erwirtschaften. Die erforderlichen Investitionen lassen sich deshalb kaum mit privatem Kapital finanzieren und Investitionen aus öffentlicher Hand müssen über Steuern finanziert werden, die in der Bevölkerung nicht gut ankommen [5].

In den letzten Jahren hat sich die Welt so entwickelt, wie von den angeblichen «Alarmisten» erwartet wurde – einfach viel schneller. Hier soll auf drei wichtige Veränderungen eingegangen werden, die mit Klimawandel, Geopolitik und Technologie zu tun haben. 


Feedbackmechanismen reichen nicht mehr aus

Die Erde erwärmt sich immer schneller. Der Grund dafür ist nicht, dass die anthropogenen Treibhausgasemissionen schneller steigen, sondern dass die Feedbackmechanismen, die das Erdklima während der letzten 10’000 Jahre stabilisiert haben, nicht mehr ausreichen. Am einfachsten und erschreckendsten ist diese Entwicklung an der Strahlungsbilanz der Erde zu sehen, die in Abbildung 1 dargestellt ist. 

Abbildung 1 Strahlungsbilanz der Erde [6].

Die Erde absorbiert deutlich mehr Leistung von der Sonne als sie ins Weltall abgeben kann, was selbstverständlich zu einer Erwärmung führt. Das Ungleichgewicht von 1.4 W/m2 ist dreimal höher als vor 20 Jahren und reicht inzwischen aus, um 330 Tonnen Eis pro Sekunde zu schmelzen. Insgesamt empfangen wir heute etwa 710 TW zu viel Leistung von der Sonne. An Energie fehlt uns also nicht, aber für ein stabiles Klima müsste dieser Wert null sein [6].

Die Schäden des Klimawandels werden immer akuter und deutlicher. Die EU schätzt die Kosten für den Hitzesommer 2026 auf etwa 180 Mrd. Euro oder etwa 1 % der Wirtschaftsleistung. Der Klimawandel ist nicht ein Problem künftiger Generationen, sondern eine akute Bedrohung unseres heutigen Wohlstandes [7]. Auch in der Schweiz ist es inzwischen klar, dass wir uns auf das Schlimmste der Klimaszenarien vorbereiten müssen [8].

Gleichzeitig wird die geopolitische Lage immer schwieriger, was grosse Auswirkungen auf globale Lieferketten hat. Am offensichtlichsten ist dies an den Öl- und Gaspreisen zu erkennen, die inzwischen genauso unvorhersagbar sind wie die Social-Media-Posts des amerikanischen Präsidenten. Die Problematik, auf die Harald Welzer in seinem Buch «Klimakriege» hingewiesen hat, ist inzwischen eingetreten: Wenn die Ressourcen knapp werden, wird sich die Welt nicht plötzlich entscheiden, diese friedlich und gerecht zu teilen [9]. Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass es einen funktionierenden Weltmarkt geben wird, wo benötigte Rohstoffe gekauft werden können. 

Die gute Nachricht ist, dass die Energieforschung grosse Fortschritte gemacht hat. Die Fachzeitschrift Science hat «das unaufhaltsame Wachstum der erneuerbaren Energien» zum wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres 2025 erkoren [10]. Obwohl die Welt immer noch zu 86 % von fossilen Brennstoffen abhängig ist, wachsen die erneuerbaren Energien schneller als praktisch jede andere Technologie. 

Abbildung 1 zeigt eine logarithmische Darstellung der globalen Energieversorgung [11]. Seit dem Jahr 2020 hat die Windenergie um 70 % und die Sonnenenergie um 226 % zugenommen. Bei der Atomkraft betrug das Wachstum knapp 6 %. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass die Kurve für Solarenergie überhaupt nicht abzuflachen scheint. Der Grund dafür ist, dass die Preise für Photovoltaik und Batteriespeicher immer noch sinken; die günstigste Energie kommt heute von der Sonne.

Unsere Gesellschaft basiert auf zwei Säulen: Energie und Umwelt. Diese zu stärken heisst nicht nur, unsere Verantwortung künftigen Generationen gegenüber wahrzunehmen, sondern macht auch wirtschaftlich sehr viel Sinn. Denn ohne diese Säulen werden wir schnell feststellen, dass man Geld nicht essen kann. Die Behauptung, dass nur eine nachhaltige Gesellschaft eine Zukunft hat, ist eine offensichtlich korrekte Aussage. 

Abbildung 3 Die Säulen der Erde (mit ChatGPT erstellt).

Wir wissen aber alle, dass Technik allein unsere Probleme nicht lösen kann. Die Welt braucht Ingenieurinnen und Ingenieure, welche die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Gesellschaft, Finanzen und Ökologie verstehen. Sie müssen systemisch denken und in der Lage sein, sich mit anderen Fachdisziplinen, der Politik und der Öffentlichkeit auszutauschen. Dafür bilden wir sie aus. 


Optimierung des Curriculums

Das Curriculum des Studiengangs Erneuerbare Energien und Umwelttechnik wurde auf das Herbstsemester 2026 etwas umgestellt. Dabei wurden zwei primäre Ziele verfolgt:

  1. Die Kompetenzen der Absolventinnen und Absolvente sollten durch die Einführung zweier Studienrichtungen auf dem Arbeitsmarkt besser sichtbar werden.
  2. Der Praxisbezug des Studiums sollte durch die Einführung von Praxisprojekten im zweiten Studienjahr verbessert werden. 

Die Studierenden können jetzt wählen, ob sie ihr Wissen in Energie- oder Umwelttechnik vertiefen wollen und erhalten dafür den entsprechenden Zusatz im Zeugnis. Damit soll sichergestellt werden, dass sie als wahre Expertinnen und Experten ihres Fachs auf dem Arbeitsmarkt anerkannt werden. Weitere Details zu den Vertiefungen sind hier zu finden: 

www.ost.ch/eeu

In den Praxismodulen sollen die Studierenden Teamwork und Projektmanagement lernen, indem sie gemeinsam eine praktische Aufgabe lösen. Für die Aufgabenstellungen sind wir auf die Unterstützung der Wirtschaft angewiesen. Wer eine konkrete Aufgabe oder Idee hat, die von einem Team von hochmotivierten Studierenden bearbeitet werden könnte, darf sich gerne beim Studiengangsleiter melden. 


International Summer School on Sustainability (i3S)

Der Studiengang EEU beteiligt sich auch aktiv an der Organisation und Durchführung der Noble Banadda International Summer School on Sustainability (i3S), die im September 2027 zum sechsten Mal durchgeführt wird. Die Summer School bringt Studierende, Forschende und Nachhaltigkeitsfachleute aus der ganzen Welt zusammen, um praktische Lösungen für globale Umwelt- und Energieherausforderungen zu entwickeln. Das Programm wird gemeinsam von der Hochschule Karlsruhe (Deutschland), der OST Ostschweizer Fachhochschule (Schweiz) und der Oklahoma State University (USA) organisiert und soll interdisziplinäres Lernen, internationale Zusammenarbeit und Innovation ermöglichen.

Vom 13.–17. September 2027 wird die OST Teilnehmende aus verschiedenen Ländern und akademischen Disziplinen willkommen heissen. Den Studierenden erwarten Vorlesungen, Workshops, Laborbesuche und Exkursionen, durch die sie wichtige planetare Herausforderungen zu verstehen lernen. Sie werden auch die Technologien der Zukunft kennenlernen, die uns helfen werden, die Herausforderungen zu meistern. Zu den Themen gehören erneuerbare Energiesysteme, Energiespeicherung, nachhaltige Kühl- und Wärmepumpentechnologien, Umwelttechnik, Lösungen für sauberes Wasser, nachhaltige Finanzsysteme und neue Geschäftsmodelle.

Die Wirkung von i3S reicht weit über das Studium hinaus. Frühere Ausgaben zogen sehr diverse internationale Gruppen an, deren Zusammenarbeit und Freundschaften oft über das Ende der Veranstaltung hinaus fortbestanden. Teilnehmende gewinnen technisches Wissen, interkulturelle Kompetenz, berufliche Netzwerke und Einblicke in reale Nachhaltigkeitsherausforderungen durch direkten Austausch mit Industriepartnern und führenden Expertinnen und Experten. 


Sponsoren gesucht

Das Programm hat bereits messbare Ergebnisse erzielt. Ein bemerkenswertes Beispiel ist Fadel Muhammad Zikrillah, dessen späteres durch i3S inspiriertes Nachhaltigkeitsprojekt die Global Sustainability Challenge 2026 der Stanford University gewann. Dieser Erfolg unterstreicht die Fähigkeit der Summer School, praktische Innovationen mit globaler gesellschaftlicher Wirkung zu fördern.

Die Noble Banadda International Summer School on Sustainability soll Studierenden aus aller Welt offenstehen – basierend auf ihren Qualifikationen und ihrer Motivation und nicht auf ihren finanziellen Möglichkeiten. Teilnahmegebühren sowie Kosten für Verpflegung und Unterkunft werden auf ein Minimum reduziert. Um dies zu ermöglichen, sind wir auf Sponsoren und Spender angewiesen, die einen bedeutenden Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt leisten möchten. Wenn Sie einen Beitrag zur Summer School leisten wollen, entweder mit einem Vortrag, einem Firmenbesuch oder als Sponsor, können Sie gerne Henrik Nordborg kontaktieren. 

Die Webseite der Summer School wird fortlaufend aktualisiert.

Bibliography

[1] U. von der Leyen, «2026 State of the Union Address,» [Online]. Available: ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/ov/SPEECH_26_1868.
[2] R. Brogli, «War der Sommer ein Blick in unsere Klimazukunft?,» 2026. [Online]. Available: www.srf.ch/meteo/meteo-stories/hitzesommer-2026-war-der-sommer-ein-blick-in-unsere-klimazukunft.
[3] L. Knuchel, «ETH-Forscherin zu Kosten des Klimawandels: «Mehr als eine Coronapandemie pro Jahr»,» Watson.ch, 2026. [Online]. Available: www.watson.ch/wissen/wirtschaft/154821998-eth-forscherin-zu-klimawandel-es-kostet-viel-mehr-nichts-zu-tun.
[4] V. Roth, «Kosten der Auswirkungen des Klimawandels in der Schweiz,» National Center for Climate Services NCCS, [Online]. Available: www.nccs.admin.ch/nccs/de/home/klimawandel-und-auswirkungen/nccs-impacts/kosten-des-klimawandels.html.
[5] B. Christophers, The Price is Wrong: Why Capitalism Won't Save the Planet, Verso, 2024. 
[6] G. Taylor, P. Wadhams, T. Goreau, S. Reed, H. Kuswanto, D. Visioni and D. Garrity, «Managing climate overshoot: A risk-based strategy for climate stabilisation,» in Managing climate overshoot: A risk-based strategy for climate stabilisation, 2026. 
[7] Q. Mealha, «Europe's scorching summer could cost EU economies €180 billion,» 12 8 2026. [Online]. Available: www.euronews.com/2026/08/12/europes-scorching-summer-could-cost-eu-economies-180-billion.
[8] K. Foss Brandt, «Schlimmstes Klimaszenario für die Schweiz wird wahrscheinlicher,» 2026. [Online]. Available: www.srf.ch/news/dialog/laut-eth-studie-schlimmstes-klimaszenario-fuer-die-schweiz-wird-wahrscheinlicher.
[9] H. Welzer, «Klimakriege: Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird,» Frankfurt am Main, Fischer, 2008. 
[10] T. Appenzeller, «Good morning, sunshine: The seemingly unstoppable growth of renewable energy is Science’s 2025 Breakthrough of the Year,» 2025. [Online]. Available: www.science.org/content/article/breakthrough-2025.
[11] Energy Institute, «Statistical Review of World Energy,» 2026. [Online]. Available: www.energyinst.org/statistical-review.