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Biodiversität bei Wohngebäuden

24.06.2026

Biodiversität und Banking haben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch: Wenn Banken nachhaltige Immobilien finanzieren, geht es längst nicht mehr nur um Energieeffizienz und CO₂-Reduktion. Auch naturnahe Aussenräume, ökologische Qualität und biodiversitätsfördernde Massnahmen rund um Gebäude können künftig an Bedeutung gewinnen.

Warum Biodiversität relevant ist

Biodiversität wird im Gebäudekontext manchmal vorschnell mit «seltenen Tierli und Pflänzli» verbunden. Tatsächlich geht es jedoch um grössere Themen, die direkt mit unserem Wohnumfeld zusammenhängen: Klima, Gesundheit und Lebensqualität.

Gerade im Siedlungsraum können Grünflächen, standortgerechte Bepflanzungen, begrünte Dächer oder naturnahe Aussenräume einen wichtigen Beitrag leisten. Sie schaffen Lebensräume, können Hitze mindern, Regenwasser zurückhalten und die Aufenthaltsqualität erhöhen. Damit wird Biodiversität nicht nur zu einem ökologischen Thema, sondern auch zu einer Frage der Wohnqualität und der langfristigen Attraktivität von Immobilien

Energieeffizienz als etablierter Anknüpfungspunkt

Im Gebäudesektor sind Energieeffizienz und Treibhausgasemissionen bereits gut über Standards, Förderprogramme und Finanzierungsinstrumente verankert. Auch Banken setzen in der Hypothekarvergabe Nachhaltigkeitsanreize, etwa über grüne Hypotheken oder Renovationskredite. Häufig stützen sich solche Angebote auf etablierte Nachweise wie Minergie oder GEAK.

Für Biodiversität fehlt dagegen bislang eine vergleichbar einfache und breit anwendbare Logik. Während energetische Qualität heute relativ klar gemessen und nachgewiesen werden kann, ist dies bei biodiversitätsbezogenen Qualitäten auf Ebene einzelner Wohnobjekte noch deutlich weniger etabliert.

Perspektive für nachhaltige Immobilienfinanzierungen

Hier setzt ein aktuelles Projekt des Kompetenzzentrums Banking und des Instituts für Landschaft und Freiraum der OST an. Eine Vorstudie untersucht, wie Biodiversität bei Ein- und Mehrfamilienhäusern gefördert, bewertet und in bestehende Standards eingebunden werden könnte. Im Zentrum steht die sogenannte Objektstufe: also einzelne Wohngebäude und ihre Grundstücke, etwa Gärten, Aussenräume, Dächer, Fassaden oder versiegelte Flächen. Gerade dort treffen ökologische, immobilienwirtschaftliche und finanzwirtschaftliche Fragen aufeinander.

Das Projekt schafft damit eine Grundlage, um Biodiversität im Gebäudekontext besser einzuordnen und mögliche Anknüpfungspunkte für die Praxis zu prüfen. In einem weiteren Schritt soll analysiert werden, wie Banken solche erweiterten Nachhaltigkeitskriterien künftig in der Immobilienfinanzierung berücksichtigen könnten – etwa im Zusammenhang mit nachhaltigen Hypotheken, Renovationsfinanzierungen oder möglichen Anreizsystemen für Eigentümerinnen und Eigentümer.