Im Projekt Rural Move wurden Fokusgruppen durchgeführt, um besser zu verstehen, wie ältere Menschen ihre Mobilität im Alltag gestalten und welche Bedürfnisse und Herausforderungen bestehen. Ziel war es, ein differenziertes Bild der ausserhäuslichen Mobilität im ländlichen Raum zu gewinnen und daraus Ansatzpunkte für zukünftige Massnahmen abzuleiten.
Die Diskussionen machten deutlich, dass sich die Ausgangslagen je nach Kontext deutlich unterscheiden. In einigen Fällen ist die Mobilität stark vom Auto geprägt, da alltägliche Wege wie Einkaufen, Freizeitaktivitäten oder soziale Anlässe ohne eigenes Fahrzeug nur schwer zu bewältigen sind. Gründe dafür sind unter anderem fehlende Dienstleistungen, geografische Gegebenheiten sowie eingeschränkte Verbindungen im öffentlichen Verkehr.
In anderen Kontexten hingegen ermöglichen vergleichsweise gute ÖV-Anbindungen und kürzere Wege eine höhere Flexibilität im Alltag. Mobilität ist dort auch ohne eigenes Auto gut möglich, insbesondere für regelmässige Wege. Dennoch wurde auch hier deutlich, dass sich Herausforderungen ergeben, etwa durch den Rückgang lokaler Dienstleistungen oder Veränderungen in der Infrastruktur.
Unabhängig von diesen Unterschieden zeigten sich zentrale Gemeinsamkeiten. Mobilität wird als grundlegende Voraussetzung für Selbstständigkeit, Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe wahrgenommen. Sie ermöglicht nicht nur die Organisation des Alltags, sondern auch soziale Kontakte und Aktivitäten. Einkaufen, Vereinsleben oder Treffen mit anderen Menschen sind eng mit Mobilität verknüpft. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Veränderungen im Lebensverlauf. Mit zunehmendem Alter verändern sich Mobilitätsbedürfnisse und -möglichkeiten. Einschränkungen des Gesundheitszustandes oder der Verzicht auf das Autofahren führen dazu, dass alternative Mobilitätsformen an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Zugänglichkeit von Angeboten, an Sicherheit sowie an die Gestaltung des öffentlichen Raums.
In diesem Zusammenhang wurden unterschiedliche Themen diskutiert. Dazu gehören die Qualität und Verfügbarkeit von öffentlichen Verkehrsverbindungen, sichere und gut ausgebaute Fuss- und Velowege sowie die Gestaltung von Strassen und Aufenthaltsräumen. Auch Aspekte wie Begrünung, Beschattung und Sitzgelegenheiten wurden als wichtig für die Nutzbarkeit des öffentlichen Raums genannt.
Darüber hinaus wurde der Rückgang lokaler Angebote als zentrale Herausforderung hervorgehoben. Geschäfte, Gastronomiebetriebe oder Dienstleistungen erfüllen nicht nur funktionale Zwecke, sondern sind auch wichtige soziale Orte. Ihr Wegfall wirkt sich direkt auf Mobilitätsbedarfe aus und erschwert gleichzeitig die Möglichkeiten für Begegnung und Austausch.
Ein zentrales Element der Fokusgruppen war ein sogenannter Wunschbaum. Dabei konnten die Teilnehmenden ihre Ideen und Bedürfnisse formulieren und priorisieren. Die Vorschläge verdeutlichen die Bandbreite möglicher Ansätze: Genannt wurden unter anderem neue Mobilitätsangebote wie organisierte Fahrdienste oder Fahrgemeinschaften, Anpassungen im öffentlichen Verkehr, sichere und attraktive Wege für Fussgängerinnen und Fussgänger sowie Velofahrende, aber auch soziale Treffpunkte und lokale Angebote.
Ebenfalls hervorgehoben wurde die Bedeutung von Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung. Nachbarschaftshilfe, koordinierte Angebote oder Anlaufstellen für Fragen im Alter können dazu beitragen, Mobilität besser zu organisieren und Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zu unterstützen. Auch Fragen rund um altersgerechte Wohnformen wurden angesprochen, insbesondere im Zusammenspiel mit Erreichbarkeit und Infrastruktur.
Die Ergebnisse aus den Fokusgruppen werden gemeinsam mit Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinden ausgewertet. Sie bilden die Grundlage für die nächste Projektphase. In Co-Creation Workshops werden die identifizierten Themen und Ideen gemeinsam mit Vertreter:innen der Gemeinde weiterentwickelt und konkretisiert.
Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die den jeweiligen lokalen Gegebenheiten gerecht werden und zugleich übertragbare Ansätze für andere ländliche Räume ermöglichen. Der partizipative Ansatz bleibt dabei zentral: Die Perspektiven der Bevölkerung werden weiterhin aktiv einbezogen, um praxistaugliche und akzeptierte Lösungen zu erarbeiten.
Die Fokusgruppen zeigen eindrücklich, dass Mobilität im Alter im ländlichen Raum von unterschiedlichen Faktoren geprägt ist. Gerade diese Vielfalt macht es notwendig, differenzierte und zugleich umsetzbare Lösungen zu entwickeln, die sowohl infrastrukturelle als auch soziale Aspekte berücksichtigen.
Das Projektteam bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmenden für ihre engagierte Mitarbeit und die wertvollen Einblicke.
