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Forschungsprojekt

H2-Lab: Wasserstoff-Ökosystem Bodensee-Alpenrhein

Das Interreg-Leuchtturm-Projekt baut auf bestehenden H2-Aktivitäten im Gebiet Bodensee-Alpenrhein auf und bringt relevante Organisationen grenzüberschreitend zusammen, um mit drei Stossrichtungen ein H2-Ökosystem zu etablieren: 1. Auslegung eines regionalen grenzüberschreitenden H2-Netzes, 2. Identifikation von regulatorischen und technischen Hürden, 3. H2-Anwendungen in Mobilität und Industrie.

Im zukünftigen, erneuerbaren Energiesystem wird die Bedeutung von Elektrizität als Energieträger zunehmen und ihr Anteil an der Endenergie von einem heutigen Viertel auf etwa die Hälfte ansteigen. Zur besseren Speicherung von Energie wird nachhaltiger Wasserstoff (H2) als chemischer Energieträger eine wichtige Rolle einnehmen, zusammen mit weiteren aus H2 produzierten Energieträgern (H2-Derivate) wie z.B. Methan und Methanol, sowie im Zusammenspiel mit biogenen Energieträgern wie Biomethan und Holz. Sie entlasten das Elektrizitätsnetz und diversifizieren die Energieversorgung, was vor allem im Winter im Kontext der Versorgungssicherheit zunehmend wichtiger wird. Zum weiträumigen Transport von H2 wird in der Europäischen Union der «European Hydrogen Backbone (EHB)» geplant. Im «Wasserstoff-Kernnetz» Deutschlands ist vorgesehen, dass Lindau bis zum Jahr 2032 mit einer H2-Pipeline vom Norden versorgt wird – eine südliche Weiterführung des H2-Netzes ins Rheintal ist jedoch noch nicht geplant. Der Anschluss bei Lindau bietet der Region Bodensee-Alpenrhein eine einzigartige Gelegenheit, die von Pionierunternehmen angestossenen lokalen H2-Projekte zu vernetzen, weitere zu lancieren, bei der Energiewende in einer Vorreiterrolle voranzugehen und nach 2032 die lokalen H2-Projekte mit dem H2-Netz bei Lindau zu verbinden.

Wasserstoff-Ökosystem im Raum Bodensee-Alpenrhein

Im Raum Bodensee-Alpenrhein sind zwei H2-Produktionen in Betrieb (Stadt St.Gallen, Gemeinde Domat/Ems) und weitere geplant (z.B. Buchs SG). Mit der Produktion von H2 möchten Produzenten elektrischer Energie Überschussstrom sinnvoll nutzen, welcher an den Energiebörsen immer öfter mit negativen Preisen gehandelt wird. Aktuell gibt es im Projektgebiet erste Anwendungen von H2, insbesondere im Schwerlastverkehr, welcher H2 an aktueller und geplanter H2- Ladeinfrastruktur bzw. -Tankstellen beziehen kann. Es hat sich jedoch noch kein funktionierendes H2-Ökosystem etabliert, weil 1) der EHB bis Lindau noch nicht existiert und das grenzüberschreitende H2-Netz und der Anschluss an den EHB noch nicht geplant sind, 2) weil der grenzüberschreitende H2-Handel mit Unsicherheiten behaftet ist sowie Herausforderungen in der Anfangsphase überwunden werden muss und 3) erst wenige H2-Anwendungen etabliert sind. Das hier vorgeschlagene Projekt fokussiert auf diese drei Stossrichtung, die wohl nur mit einer transnationalen Vorgehensweise gelöst werden können.

Projekt «H2-Lab: Wasserstoff-Ökosystem Bodensee-Alpenrhein»

Hier setzt das geplante Projekt mit dem Namen «H2-Lab: Wasserstoff-Ökosystem Bodensee-Alpenrhein» an. Unter dem Lead des IET Instituts für Energietechnik an der OST – Ostschweizer Fachhochschule werden mit elf Projektpartnern die folgenden drei Stossrichtungen vorangebracht:

  1. Grenzüberschreitendes H2-Netz: Für das Gebiet Bodensee-Alpenrhein finden erste Abklärungen zwischen Süddeutschland, Vorarlberg, Fürstentum Liechtenstein und der Ostschweiz statt. Dabei orientiert man sich am bestehenden Gasnetz, das umgenutzt und/oder durch neue H2-Pipelines ergänzt werden kann. Im neuen Projekt werden diese Abklärungen vertieft, grenzüberschreitend koordiniert und mit konkreten Planungsschritten vorangebracht.
  2. Grenzüberschreitender H2-Handel: Beim Handel von H2 über die Grenze in Pipelines und in Trailern müssen einerseits H2 und andererseits auch die Herkunftsnachweise und damit die Erneuerbarkeit handelbar sein. Nachhaltiges H2 muss im Verbraucherland als erneuerbarer Brenn- und Treibstoff anerkannt werden. Dies ist insbesondere im transnationalen Raum Bodensee-Alpenrhein wichtig, um H2 unterschiedlicher Herkunft und Qualitäten handeln und nutzen zu können. Ein H2-Ökosystem erfordert zudem transparente Informationen über Angebot und Nachfrage, welche über die Plattform MatcH2 ausgetauscht werden können.
  3. Grenzüberschreitende H2-Anwendungen: Zusätzlich zur Anwendung von H2 für Lastwagen gibt es weitere Anwendungen, die erst wenig entwickelt sind: industrielle Hochtemperatur-Prozesse, Fahrzeugflotten, Schiffe, Spitzenlastabdeckung und Baumaschinen. Es existieren viele Studien über mögliche Abnahmemengen von H2. Das wirkliche Potential kann aber nur über Detailabklärungen, die Planung von konkreten Projekten und Demonstrationen erschlossen werden. Dieses Projekt legt dafür die Grundlagen.

Das regionale Förderprogramm Interreg

Das Projekt wird von Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein (ABH) der Europäischen Union, dem Forschungsfond Gas des Verbands der Schweizer Gasindustrie und allen beteiligten 12 Partnern aus vier Ländern finanziert.

Das Interreg-Regionalprogramm fördert die grenzübergreifende Zusammenarbeit mit dem Ziel, Ungleichheiten zwischen verschiedenen Regionen zu beseitigen und den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt in der Europäischen Union zu stärken. Die von der Europäischen Union bereitgestellten Fördermittel werden im Interreg Programm ABH durch staatliche Mittel aus der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein ergänzt. Interreg unterstützt grenzübergreifende Zusammenarbeit an den Binnen- und Aussengrenzen der Europäischen Union, indem es Projekte zwischen Partnern der verschiedenen Länder fördert.

Laufzeit: 01.06.2026 - 31.05.2028

Projektfinanzierung:

  • Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein (ABH) der Europäischen Union
  • FOGA Forschungsfond Gas des Verbands der Schweizer Gasindustrie
  • Alle beteiligten 12 Partner