Ex-ARE-Direktorin Maria Lezzi diskutiert mit Studierenden
Am Dienstag, 14. April, war Maria Lezzi, die ehemalige Direktorin des Bundesamts für Raumentwicklung ARE zu Gast beim Master of Science in Engineering (MSE) Raumentwicklung und Landschaftsarchitektur (ReLa) an der OST – Ostschweizer Fachhochschule. Lezzi führte das ARE seit 2009 und leistete in dieser Zeit einen signifikanten Beitrag zur Neuausrichtung der Schweizer Raumplanung durch die Revisionen RPG1 und RPG2. Im Herbst 2026 trat sie nach 16 Jahren im Amt zurück. Bei ihrem Besuch an der OST ermöglichte sie einen einmaligen Einblick in ihre bewegte Karriere und diskutierte mit den Studierenden über die aktuellen Herausforderungen der Schweizer Raumplanung.
Austausch mit den Studierenden
Im Vorfeld zur Veranstaltung hatten die Studierenden des MSE ReLa und der verwandten Bachelor-Studiengänge in Stadt-, Verkehrs- und Raumplanung sowie in Landschaftsarchitektur ihre Fragen einsenden können, und hatten nun die einmalige Gelegenheit mit Frau Lezzi direkt ins Gespräch zu kommen.
Neben fachlichen Themen interessierten sich die Studierenden vor allem für die persönlichen Erfahrungen der ehemaligen ARE-Direktorin und was sie dazu motiviert hatte, sich dieser anspruchsvollen Aufgabe zu stellen. Einer der Auslöser für ihr Engagement, sei der Kampf für die Unterschutzstellung der Greina-Ebene gewesen. In den 1980er-Jahren wehrten sich Umweltschutzorganisationen erfolgreich gegen den Bau eines Wasserkraftwerks, das die naturbelassene Hochgebirgsebene geflutet hätte. 1996 wurde die Greina-Landschaft schliesslich ins BLN aufgenommen. «Ich entschied mich damals gegen eine akademische Karriere.» Stattdessen ging sie in die Planung. «Ich wollte etwas bewirken, in den Bereichen, die mir wichtig waren.»

Ein anspurchsvolles Amt
Von 1996 bis 2001 war die promovierte Geografin stellvertretende Geschäftsführerin der Regio Basiliensis, der Schweizer Partnerin in der internationalen Zusammenarbeit in der Grenzregion am Oberrhein. Danach leitete sie acht Jahre lang die Hauptabteilung Planung im Hochbau- und Planungsamt des Kantons Basel-Stadt. 2009 wurde sie Direktorin des Bundesamts für Raumentwicklung.
Anfangs sei es eine Herausforderung gewesen, sich in dem politischen Umfeld in Bern zu behaupten. «Raumplanung ist immer politisch, auch wenn man selbst in der Verwaltung kein politisches Amt hat.» Doch in einer Funktion wie ihrer, habe man auch eine Verantwortung, nicht nur auf die Politik zu warten, sondern selbst die Initiative zu ergreifen und gute Vorschläge zu machen. «Ich fragte nicht immer zuerst: Darf ich das? Sonst hätte ich vielleicht zu früh eine Antwort gekriegt, die ich nicht wollte.»
Sie sei in einer politischen Familie aufgewachsen, in der viel debattiert wurde und klar war, dass man sich für die Dinge einsetzen sollte, die einem wichtig sind. «Das prägte meine Grundhaltung.» Wie man sich geschickt in einem politischen Umfeld bewegt habe sie auch durch gewiefte Vorgesetzte in ihren früheren Funktionen gelernt. «Und dann heisst es auch einfach: Ausprobieren und keine Angst haben.»
Erfolge und Schwierigkeiten
Als einen ihrer grössten Erfolge, sieht Lezzi die erfolgreiche Umsetzung der RPG1-Revision, welche in der Raumplanung einen Paradigmen-Wechsel brachte, weg von Wachstum in die Fläche hin zu Innenentwicklung. «Damit haben wir viel erreicht» Die Herausforderung sei bei Gesetzesänderungen immer, politische Mehrheiten zu finden. «Bei RPG1 kam uns entgegen, dass die Schweiz damals in einer starken Wachstumsphase steckte und das politische Klima stimmte.»
Doch die Ex-ARE-Direktorin sieht auch einiges kritisch, was die Raumplanung in der Schweiz betrifft. «Die Prozesse dauern zu lange.» Gerade RPG1 habe gezeigt, dass es bei der Umsetzung auf Ebene Richtplanung bei den Kantonen und Ebene Nutzungsplanung bei den Gemeinden grosse Verzögerungen gab. «In diesem Bereich müssen wir uns verbessern. Es kann nicht sein, dass es über ein Jahrzehnt dauert, bis ein Gesetz greift»
Zugleich sei sie aber auch dagegen, dass Planungsprozesse ausgehebelt werden, um das Tempo zu erhöhen, selbst wenn das Thema wie beim Klimaschutz oder der Energiewende wichtig sei und zeitlich dränge. «Ein Beispiel dafür, dass ich kritisch sehe, war der Solar-Express.» Dort sei von einigen politischen Exponenten viel Druck erzeugt worden. «Aber eine Patent-Lösung habe ich nicht.»

Kritisches Denken ist eine Kernkompetenz
Neben den persönlichen und inhaltlichen Herausforderungen in ihrem Amt sprach Lezzi auch über die notwendigen Kompetenzen, die werdende Raumplaner:innen mitbringen sollten. Dazu zählen neben fachlicher Kompetenz insbesondere interdisziplinäres Denken, die Fähigkeit, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten. «Es ist wichtig zu wissen, wovon man spricht. Sonst ist man anderen schnell ausgeliefert.» Doch auch ein kritischer Umgang mit Informationen und die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und alternative Lösungsansätze zu entwickeln, sei wichtig.
Wir danken Maria Lezzi für ihren Besuch und die Bereitschaft, mit den Studierenden an der OST in Austausch zu treten. Mit ihren Ausführungen bot sie den Studierenden nicht nur wertvolle Einblicke in die Praxis, sondern auch eine klare Perspektive auf die Anforderungen eines Berufsfelds im Wandel.





