Sprache
Medienmitteilungen der OST

Wasser verbindet: Symposium zum Weltwassertag

Medienmitteilung vom 20. März 2026

Die Ressource Wasser steht stark unter Druck. Der Klimawandel, Verschmutzungen und auch strukturelle Herausforderungen bedrohen unser Trinkwasser. Gesucht sind interdisziplinäre Lösungen, Wissensaustausch und neue Kooperationen. Eine Plattform für solche Begegnungen bot das 2. Interdisziplinäre Symposium zum Weltwassertag der OST. Rund 100 Wasser-Expertinnen und -Experten aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Verbänden trafen sich in Rapperswil-Jona und diskutierten Möglichkeiten für ein nachhaltiges Wassermanagement.

8 Grad Celsius. So kalt war der Zürichsee am 12. März 2026 in Rapperswil-Jona. Trotzdem machte sich am Campus der OST – Ostschweizer Fachhochschule eine Gruppe für ein Bad bereit. Angeleitet wurden sie von Wasserbotschafter und Schwimmer Ernst Bromeis. «Als Richtwert gilt: Pro Grad Wassertemperatur eine Minute Aufenthaltsdauer», erklärte er. Das Bad war der freiwillige Auftakt zum 2. Interdisziplinären Symposium zum Weltwassertag an der OST. Ein unmittelbarer Einstieg in ein gleichsam wissenschaftliches wie emotionales Thema: Die nachhaltige und verantwortungsvolle Bewirtschaftung der Ressource Wasser.

«Wasser verbindet», stieg Wasserexpertin Dorothee Spuhler bei der offiziellen Begrüssung direkt ins Thema ein. Sie führte zusammen mit André Podleisek, Nachhaltigkeitsbeauftragter der OST, durch das Symposium mit dem Titel «Wasser und Klima: mit interdisziplinären Partnerschaften komplexe Herausforderungen zukunftsorientiert angehen». Und der Slogan war auch Programm: so organisierte die OST diesen Anlass gemeinsam mit Swiss Water Partnership (SWP), Blue Communities Switzerland, dem ResEAU der DEZA, dem Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) und dem Fachverband für Wasser, Gas und Wärme (SVGW). «Das Thema Wasser benötigt mehr denn je eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, neue Kooperationen und die Einbeziehung unterschiedlichster Interessensgruppen», sagte Spuhler. Denn unsere wichtigste Ressource ist stark unter Druck: Durch den Klimawandel, durch Verschmutzungen und durch strukturelle Herausforderungen. Mit dem Symposium zum Weltwassertag schaffte die OST eine Plattform, um den Diskurs, den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit zu fördern.

Wasser hat Priorität

Stefanie Graf, Standortleiterin am Campus Rapperswil-Jona, begrüsste rund hundert Teilnehmende in der Aula, Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft. Danach gab Stadtrat Christian Leutenegger Einblicke in verschiedene Projekte der Stadt Rapperswil-Jona. Von der Sanierung des Wasserpumpwerks im Grünfeld über die Entsiegelung und Begrünung von Flächen im Sinne von Schwammstadt-Elementen bis zur Modernisierung der Abwasserreinigungsanlage ARA, für die vor kurzen der Spatenstich erfolgte.  Unter anderem erhält die ARA eine fünfte Reinigungsstufe zur Entfernung von Mikroverunreinigungen. «Solche Bauprojekte betreffen verschiedenste Interessensgruppen und bieten ein gewisses Konfliktpotenzial. Dabei liegt unsere Priorität aber immer klar beim Wasser», sagte Leutenegger.

Veränderungen im Wasserhaushalt

Wie dringend solche Massnahmen sind, zeigte Michael Herrmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei MeteoSchweiz und dem Center for Climate Systems Modeling an der ETH Zürich auf. Er stellte die Ergebnisse der Klimaszenarien von Klima CH2025 vor, die vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und dem Center for Climate Systems Modeling entwickelt wurden. Die Studie ergänzt die Erkenntnisse von CH2018 vor allem um hochaufgelöste Klimasimulationen. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: In einer 3-Grad-Welt erwärmt sich das Klima in der Schweiz deutlich stärker, um bis zu 4,9 Grad. Das wird zu erheblichen Veränderungen im Wasserhaushalt führen: Es ist mit mehr und heftigeren Starkniederschlägen, extremerer Hitze, trockeneren Sommern und massiv weniger Schnee zu rechnen.  

Solche Extremereignisse stellen die bestehende Infrastruktur vor grosse Herausforderungen. Wie der Kanton Aargau darauf reagiert, erläuterte Norbert Kräuchi, Abteilungsleiter Landschaft und Gewässer. Ein zu starker, einseitiger Fokus bringe nichts, ist er überzeugt. «Wir müssen nicht die Gewässer klimafit machen, sondern gesunde Lebensräume schaffen. Das ist der Schlüssel zu resilienten Gewässern.» Die Forschung müsse vorangetrieben werden und sei wichtig, «wir dürfen aber nicht das Handeln aufschieben.» Er forderte die Anwesenden auf, mutig zu sein, Fehler zu machen und auch Unsicheres in Angriff zu nehmen. «Issue Management» war sein Stichwort, also das frühzeitige Erkennen und in Angriff nehmen von Themen. Denn: Auch kleine Schritte würden viel helfen. Kräuchi blendete zwei Formeln ein, die dies unterstreichen: (1.00)365=1.00 vs. (1.01)365= 37.78.

PFAS sind in Wasserkreislauf eingedrungen

In einer Podiumsdiskussion und Workshops beleuchteten die Expertinnen und Experten die Herausforderungen aus ihren Fachbereichen. Christa McArdell von der Abteilung Umweltchemie der Eawag zeigte die neusten Erkenntnisse im Zusammenhang mit den Ewigkeitschemikalien PFAS auf. Auch in der Schweiz werden PFAS im Grundwasser wie in Oberflächengewässern gefunden. «Die PFAS sind in den Wasserkreislauf eingedrungen. Dank neusten Analysetechniken können auch tiefe Konzentrationen gemessen werden», sagt sie. Es gibt Technologien, um sie wieder zu entfernen, die sind aber sehr kostspielig. «Es geht darum zu verstehen, wo die Hotspots und die Quellen liegen, um gezielt Massnahmen zu ergreifen», sagt McArdell. Auch ein Verbot stehe im Raum.  

Andreas Peter, Leiter der Qualitätsüberwachung bei der Wasserversorgung Zürich setzte sich für einen ganzheitlichen Blick auf das Wassermanagement ein. Es werde anspruchsvoller, die Infrastrukturen ganzheitlich zu denken. «Wir sollten Wasser als Kreislaufsystem mit gutem Gedächtnis betrachten, wenn man beispielsweise an PFAS denkt.» Positiv sei, dass bereits mehrere Kantone an den unterschiedlichen Facetten des Wassermanagements arbeiten würden.

Auch Florian Klingel, Co-Leiter der Stadtentwässerung bei Entsorgung St.Gallen unterstrich, dass neue Herausforderungen wie PFAS und Schwammstadt-Konzepte sehr interdisziplinär sind und eine gute Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren erfordern. «Bei den PFAS beispielsweise kommen wir mit den klassischen Herangehensweisen in der ARA an Grenzen.» Eher müsse man an den Quellen ansetzen, beispielweise in der Industrie. Dafür wiederum benötige man die Politik.

Wasser als strategische Ressource

Florian Strasser, CEO der GWF AG betonte die Wichtigkeit von Partnerschaften auch für die Privatwirtschaft. «Die Privatwirtschaft kann einen wesentlichen Beitrag zur Lösung von Herausforderungen im Wasser beitragen, sie benötigt aber entsprechende Plattformen.» Hier könne die «Swiss Water Partnership» eine wichtige Rolle übernehmen, da sie die verschiedenen Stakeholder zum Erfahrungsaustausch zusammenbringt.

Über die Rolle von Wasser in der Geopolitik und der dortigen Relevanz und dem Wert von Wasser-Partnerschaften sprach Janine Kuriger, Sektionsleiterin bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). «Wasser wird in vielen Regionen knapper und zunehmend zu einer strategischen Ressource.» Konflikte rund ums Wasser haben im letzten Jahrzehnt aufgrund der Wasserknappheit, aber auch weil Wasser in Kriegen häufiger als strategische Waffe eingesetzt wird, zugenommen. «Wasser kennt jedoch keine Grenzen, und Wasserläufe lassen sich nicht ändern – das sind gute Gründe für Kooperationen», sagte Kuriger. Es gebe positive Beispiele, bei denen gemeinsame Wasser-Projekte die Zusammenarbeit zwischen Ländern gefördert haben. Die Wasser-Diplomatie gewinnt international an Bedeutung. Das seien Chancen, sagte Kuriger: «Wir sind hoffnungsvoll, dass solche Kooperationen für mehr Frieden und weniger Konflikte sorgen.» 
www.ost.ch/weltwassertag2026

Youth Event zur Nachwuchsförderung

Die Herausforderungen um den Wasserhaushalt in der Schweiz sowie international sind mannigfaltig und brauchen innovative Ideen sowie genügend Weitblick. Somit spielt die Förderung von Nachwuchs in den Wasser-Berufen eine entscheidende Rolle. Am Vormittag wurden zwei Workshops spezifisch für Studierende und junge Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger durchgeführt, bei welchen einerseits Projektvorschläge für Wassermanagement in Gemeinden durch Studierende vorgestellt wurden und danach gemeinsam reflektiert wurde, wie junge Menschen motiviert werden können um ihren professionellen Werdegang dem Thema Wasser zu widmen. Unter anderem hat Ernst Bromeis die «Welt Wasser Bibliothek» in Reichenau kurz vorgestellt.