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Automatisierung und Augmentation – wie verändert KI unsere Arbeit wirklich? Und was müssen wir nun tun?

Automatisierung oder Augmentation (Unterstützung) durch KI?

Die letzten drei Jahre haben uns deutlich vor Augen geführt – KI ist faszinierend und beängstigend zugleich. Viele Tätigkeiten lassen sich vereinfachen, schneller erledigen oder sie werden mithilfe von Chatbots auf ein ganz neues Qualitätsniveau gehoben. Dies zumindest dann, wenn wir gekonnt mit dem Chatbot wie mit einem Kollegen oder einer Kollegin umgehen können. Dahinter verbergen sich zwei grundlegend unterschiedliche Arten der Interaktion mit einem Chatbot. 

Automatisierung bedeutet, dass KI Aufgaben vollständig eigenständig übernimmt, ohne dass ein Mensch aktiv eingreifen muss. Ziel ist es, Prozesse effizienter, schneller und kostengünstiger zu machen. Meist handelt es sich dabei um Routinetätigkeiten, von denen wir entlastet werden. Menschliche Arbeitsschritte werden also ersetzt. Beispiele sind etwa: 

  • Ein Chatbot beantwortet automatisch Kundenanfragen im Support.
  • Rechnungen werden automatisch erkannt, geprüft und verbucht.
  • Ein System sortiert eingehende E-Mails und leitet sie selbstständig weiter. 

Augmentation (Unterstützung) bedeutet, dass KI den Menschen unterstützt und erweitert, aber nicht ersetzt. Der Mensch bleibt in der Entscheidung und nutzt die KI als intelligentes Werkzeug oder wie ein intelligenter Gesprächspartner (Peer), mit dem wir Themen gemeinsam entwickeln können. Menschliche Fähigkeiten werden also ergänzt. Zu möglichen Beispielen gehören: 

  • Eine KI schlägt Textformulierungen vor, die ein Mensch überarbeitet.
  • Ein Data-Tool liefert Analysen und Prognosen, die von Fachpersonen interpretiert werden.
  • Ein Arzt erhält KI-basierte Diagnostik-Hinweise, trifft aber selbst die finale Entscheidung. 

Tatsächlich kann die Zusammenarbeit zwischen einer Einzelperson und einer KI sogar ein deutlich besseres Arbeitsergebnis hervorbringen als ein Team ohne KI dies könnte (Dell’Acqua et al., 2025). KI kann also im Falle der Augmentation ein Team ersetzen – zumindest, wenn es um die Arbeitsinhalte geht. Menschliche Teams haben oft auch eine soziale Komponente. 

 

Was es nun braucht: Tätigkeiten hinterfragen, neue KI-Kompetenzen erlernen

Was heisst das für uns? Unser Verständnis von Arbeit wird sich schon in wenigen Jahren grundlegend verändern. Wir geben einzelne Tätigkeiten an die Software ab, diese werden automatisiert, andere Tätigkeiten werden ganz neu strukturiert und gemeinsam mit KI durchgeführt, die uns unterstützt. (Augmentation / Unterstützung). Studien gehen heute davon aus, dass der grössere Teil unserer Tätigkeiten nicht automatisiert, sondern durch KI unterstützt wird (Appel etc., 2026). 

Das ist generell eine gute Nachricht, denn der Mensch bleibt weiterhin zentraler Bestandteil der Wertschöpfung. Jedoch verändert sich das Portfolio an relevanten Kompetenzen rasant – und dies sowohl für Führungskräfte als auch Mitarbeitende. Wir sind also gefordert. Einerseits müssen wir unsere Tätigkeiten ehrlich hinterfragen: Welche Aktivitäten haben das Potenzial zur Automatisierung, welche zur Unterstützung durch KI, welche sind nur wenig betroffen? Andererseits müssen wir uns neue Kompetenzen im Umgang mit KI aneignen – und dies besser heute als morgen. Denn die rasante Entwicklung geht weiter und am Arbeitsmarkt sind schon heute die Auswirkungen von KI ersichtlich: Arbeitslosigkeit steigt und es werden weniger Stellen angeboten. (Kläui & Siegenthaler, 2025).

 

Mehr zum Thema?

Wir müssen am Thema «generative KI» dranbleiben – und unsere Kompetenzen im Umgang mit der neuen Technologie schulen. Unser Tagesseminar gibt einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand, die Hintergründe, Ansatzpunkte für Use-Cases, den Einsatz für innovative und konzeptionelle Tätigkeiten und die Konsequenzen für Wissensarbeitende und für den Wettbewerb. Alles kompakt an einem Tag und verständlich erklärt. Infos und Anmeldung: 

Mehr zum Thema Künstliche Intelligenz gibt es auch in unser Artikelserie zum Thema «Künstliche Intelligenz und Strategie» im KMU-Magazin Heft 3 (März)/2026 bis 7-8 (Juli-August)/2026:

Literatur:

Appel, R.; Massenkoff, M.; McCrory, P.; McCain, M.; R.; Heller, M.; Neylon, T. & Tamkin, A. (2026). The Anthropic Economic Index Report: Economic Primitives. Anthropic. https://www-cdn.anthropic.com/096d94c1a91c6480806d8f24b2344c7e2a4bc666.pdf

Dell’Acqua, F. et al. (2025). The Cybernetic Teammate: A Field Experiment on Generative AI Reshaping Teamwork and Expertise. Harvard Business School HBS Working Paper Series, https://www.hbs.edu/faculty/Pages/item.aspx?num=67197.

Kläui, J.; M. Siegenthaler (2025). KI und der Schweizer Arbeitsmarkt: Erste Evidenz zu Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit und Stellenausschreibungen. KOF Studie Nr. 186, 10 / 2025. https://ethz.ch/content/dam/ethz/special-interest/dual/kof-dam/documents/newsletter/KOF_Studie_KI_Schweizer_Arbeitsmarkt.pdf