Welche Rolle spielen Förderformate für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschulen?
Autor: Dr. Sonia Lippe Dada
Innovationsförderung wird in der Praxis oft auf die Frage nach verfügbarem Budget reduziert und die Auswahl geeigneter Förderinstrumente und -formate wird selten strategisch angegangen. Tatsächlich strukturieren diese jedoch Innovationsprozesse, prägen Rollenverständnisse und beeinflussen, wie effektiv Unternehmen und Hochschulen zusammenarbeiten. Für Unternehmen ist es daher zentral, diese Logiken zu verstehen, um Hochschulen gezielt als strategische Partner einzubinden.
Orientierung bietet der Innovationsprozess mit vier Phasen:
1. Exploration
Zu Beginn des Innovationsprozesses steht das offene Erkunden von Märkten und Bedürfnissen. Ziel ist es, Komplexität zu reduzieren und ein tragfähiges Verständnis für zentrale Problemfelder zu entwickeln. Im Fokus stehen Fragen zur Marktstruktur, zu Zielgruppen und zu noch unscharfen Herausforderungen. Förderinstrumente sind häufig projektbasiert und auf klar abgegrenzte Analysevorhaben ausgerichtet. Sie folgen einem Innovationsverständnis, das Verständnisgewinn und präzise Problembeschreibungen als Voraussetzung für nachfolgende Entwicklungs‑ und Umsetzungsphasen begreift:
- Hochschulen unterstützen diese Phase durch Analyse und Strukturierung: Sie ordnen Fragestellungen, führen Studien und Marktrecherchen durch und schaffen belastbare Entscheidungsgrundlagen.
- Unternehmen bringen ihr Kontextwissen, die initiale Problemstellung sowie den Zugang zu Daten und Praxis ein.
Ein Beispiel für ein passendes Förderinstrument ist der Innosuisse Innovationscheck mit einem Volumen von bis zu 15'000 CHF, der sich insbesondere für Vorstudien und Machbarkeitsabklärungen eignet.
2. Entwicklung
In der Entwicklungsphase steht die gezielte Erarbeitung von Lösungsansätzen im Vordergrund. Aufbauend auf dem geklärten Problemraum werden Ideen konkretisiert, Konzepte ausgearbeitet und erste Prototypen entwickelt. Im Fokus stehen die Übersetzung von Anforderungen in tragfähige Lösungen sowie das iterative Testen und Verfeinern von Ansätzen. Förderinstrumente in dieser Phase verbinden Forschungs‑ und Anwendungslogik und unterstützen kollaborative Entwicklungsprozesse. Sie folgen einem Innovationsverständnis, das Wissenserarbeitung und Lösungsdesign eng miteinander verknüpft.
- Hochschulen bringen ihre wissenschaftliche und methodische Kompetenz in die Konzeptentwicklung, Modellierung und Prototypenerstellung ein und strukturieren den gemeinsamen Entwicklungsprozess.
- Unternehmen formulieren funktionale und marktbezogene Anforderungen, bewerten die Lösungsperspektiven und steuern praxisrelevante Rahmenbedingungen bei.
Ein Beispiel für ein geeignetes Förderinstrument sind Innosuisse‑Innovationsprojekte mit Umsetzungspartner, welche an der Schnittstelle von Forschung und Anwendung agieren.
3. Umsetzung
In der Umsetzungsphase werden entwickelte Lösungen unter realen Bedingungen erprobt. Ziel ist es, Machbarkeit, Leistungsfähigkeit und Robustheit zu überprüfen.Förderinstrumente sind in dieser Phase stark anwendungsorientiert und unterstützen Pilotprojekte oder Demonstrationsvorhaben. Sie folgen einem Innovationsverständnis, das konkrete Nutzung und Praxistauglichkeit in den Vordergrund stellt.
- Hochschulen begleiten die Umsetzung methodisch, unterstützen bei der Auswertung von Ergebnissen und leisten Beiträge zur Qualitätssicherung.
- Unternehmen übernehmen die operative Umsetzung, testen die Lösungen im betrieblichen Umfeld und integrieren sie in bestehende Prozesse.
Ein typisches Förderbeispiel sind Pilot‑ und Demonstrationsprogramme des Bundesamts für Energie im Bereich energiebezogener Innovationen.
4. Skalierung
In der Skalierungsphase geht es um die Verbreitung und nachhaltige Verankerung erfolgreicher Lösungen. Ziel ist die Überführung in den Markt, in Organisationen oder in übergeordnete Systeme und der langfristige Nutzen. Förderinstrumente adressieren insbesondere Transfer‑, Skalierungs‑ und Wirkungsfragen und folgen einem systemischen Innovationsverständnis.
- Hochschulen unterstützen diese Phase durch Wirkungsmessung, Evaluation und Reflexion sowie durch die Aufbereitung von Wissen für unterschiedliche Zielgruppen.
- Unternehmen treiben Markteinführung, Skalierung und Integration in bestehende Wertschöpfungsstrukturen voran.
Beispiele für entsprechende Förderinstrumente sind die Innosuisse Flagship‑Initiativen oder ausgewählte Programme des SECO mit Fokus auf wirtschaftliche Wirkung.

Wer als Unternehmen diese Förderlogiken entlang des Innovationspfads versteht, kann Hochschulen gezielt und wirksam als strategische Partner einbinden – von der frühen Exploration über die Entwicklung und Umsetzung bis hin zur Skalierung.
