«Wir wollen Unternehmen positiv beeinflussen»

Seine beruflichen Weichen stellte er schon im Studium – auch mit einem internationalen Praxisprojekt: Der Award-Finalist von 2017, Josua Hasler, arbeitete nach einem englischen Masterstudium bei der UNO in New York. Nun will er in Europa dazu beitragen, dass Unternehmen in Sachen Digitalisierung weiter aufschliessen und Nachhaltigkeit vorleben – aktuell bei Amazon in Berlin und München. Wir blicken im Interview mit Josua auf sein Praxisprojekt zurück und in die Zukunft.

Josua Hasler, Du warst Finalist des WTT YOUNG LEADER AWARD 2017. Woran erinnerst Du Dich?

Josua Hasler: Wir waren nervös (lacht). Die amerikanischen Kollegen unseres internationalen Projekts waren für den Event eingeflogen. Die Erwartungen waren enorm, der Event selbst sehr eindrücklich – ein toller Abschluss des Studiums. Gut war auch das Networking nach der Award-Verleihung. Ich pflege noch immer Kontakte mit der Hochschule – auch aus dem Ausland.

 

Was hat Dir das internationale Praxisprojekt für die Auftraggeberin Trumpf Grüsch AG rückblickend gebracht?

Mit den Praxisprojekten differenzieren sich die OST und ihre Absolventen auf dem Markt. Man lernt, sich als Team zu organisieren, Kompetenzen einzuschätzen und gut einzusetzen. Gerade in internationalen Projekten sind auch soziale und interkulturelle Skills gefragt. Einmalig im Studium ist die Kundeninteraktion. Man präsentiert vor zahlenden Kunden, muss dort knifflige Fragen beantworten. Das ist eine andere Hausnummer als theoretische Arbeiten. Zeitmanagement ist ebenfalls zentral. Man lernt, Projekte vom Schluss her zu denken: Wo wollen wir hin? Wie gelingt das?

 

Was waren Deine beruflichen Stationen nach dem Studium?

Es begann mit einem Praktikum im Key Account Management bei der Holy Fashion Group mit ihren Brands Strellson, Windsor und Joop. Danach hängte ich einen Master in International Management am Imperial College London an. Von da ging es direkt an den UNO-Hauptsitz in New York, wo ich im Bereich Nachhaltigkeit und Social Development tätig war. Das wollte ich schon immer – auch wenn ich mich nicht für ewig in internationalen Beziehungen sah. Während der Pandemie begann ich, Europa zu vermissen. Zudem wollte ich was «Agileres» und Innovativeres. So ging ich zum E-Commerce-Geschäft von Amazon in Deutschland.

 

Du hast schon Dein Studium international ausgerichtet: Auslandsemester, internationales Praxisprojekt, Masterstudium in London. Warum? Und was sind Deine weiteren Ziele?

Ich mag Neues und Veränderung. Mir wird schnell langweilig in traditionellem Umfeld. Direkt in der Ostschweiz sesshaft zu werden, konnte ich mir nie vorstellen. Ich schliesse es aber für später nicht aus. Ich sehe – auch weil ich im Ausland war – die Vorteile in der Schweiz: Sicherheit, Stabilität, Lebensstandard. Mir war aber zunächst die persönliche Entwicklung wichtiger. Ich wollte verstehen, wie die Welt funktioniert. Das würde vielen gut tun. Wir sind sehr privilegiert.

Für die nähere Zukunft interessieren mich die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Europa und die Schweiz haben etwas aufgeholt, aber wir hängen hinterher. Es braucht mehr. Dazu will ich beitragen. Ich könnte mir auch vorstellen, später selbst ein Unternehmen zu gründen. Die Idee muss aber noch reifen, das richtige Team ist auch wichtig.

 

Dann solltest Du am WTT YOUNG LEADER AWARD 2023 teilnehmen. Das Leitthema heisst «New Business». Alan Frei referiert: «Wie erfindet man Business und sich selbst neu?»

Klar, per Livestream geht das! Fürs Gründen habe ich aber noch Zeit. Eine gewisse Erfahrung schadet nicht. Viele Gründer sind zwischen 35 und 45 Jahre alt. Man kann sich davor auch in Unternehmen engagieren. Diese können sich positiv entwickeln, wenn wir Jungen uns einbringen – gerade, wenn es um Digitalisierung und Nachhaltigkeit geht.

 

Wie siehst Du die Praxisprojekte heute aus der Arbeitswelt?

Die Praxisprojekte geben eine frische unvoreingenommene Aussenperspektive in Unternehmen. Intern hat man selbst kaum Zeit für umfangreiche Forschungsprojekte. Die Studierenden bieten ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis, gerade für KMU.

 

Was sind Deine Tipps für die aktuelle Praxisprojekt-Generation?

Profitiert! Man kann viel mitnehmen aus den Coachings, lernt voneinander und von den Feedbacks der Kunden. Für die eigene Entwicklung lohnt es sich enorm, mehr als das gefragte Minimum zu geben.