Mikroplastik als Problem
Zwischen Bodensee und Genfersee gibt es mittlerweile mehr als 500 Fussballfelder aus Kunststoffrasen. Und jedes Jahr werden 20 bis 30 neue angelegt. Mit diesem Trend geht auch eine relevante Umweltproblematik einher, wie Prof. Dr. Michael Burkhardt und sein Team vom UMTEC Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik in einem mehrjährigen Projekt herausgefunden haben. So lagern auf hiesigen Fussballplätzen bis zu 25 000 Tonnen primäres Mikroplastik. Dieses als Füllgranulat verwendete Material enthält für Gewässer teils belastende Chemikalien.
Sechs Prozent zu nah an Gewässern
Problematisch ist aber nicht nur das primäre, sondern auch das sekundäre Mikroplastik. Diese Partikel bilden sich durch Abrieb des Kunststoffrasens oder des Belags. Je nach Platztyp und Lage gelangen jährlich zwischen 13 und 160 Tonnen Mikroplastik – primär aus verfüllten Feldern – in die Umwelt. Etwa sechs Prozent der Kunstrasenplätze liegen weniger als zehn Meter neben Seen, Flüssen oder Bächen. Hier besteht die Gefahr, dass das Mikroplastik zu einer Gewässerverschmutzung führen könnte. Rund 80 Prozent der Plätze befinden sich weiter als 30 Meter von einem Gewässer entfernt und sind daher weniger problematisch.
Leitfaden für die Praxis
Die Forschung von Michael Burkhardt und seinem Team liefert nicht nur Daten und benennt das Problem – auch anhand von Laboruntersuchungen –, sondern entwickelte ein neues Konzept für Kunststoffrasen und -beläge und zeigt auch weitere Lösungsansätze auf. Auf Grundlage der wissenschaftlichen Ergebnisse soll ein interkantonales Merkblatt entstehen. Dieses soll künftig als Standard für den Bau und Unterhalt von Kunststoffrasenplätzen, -belägen und Freizeitanlagen dienen. Das gestiegene Bewusstsein für die Thematik zeigt bereits Wirkung: So setzen beispielsweise Städte wie Zürich auf unverfüllte Systeme. Diese Plätze kommen ohne Granulat aus und reduzieren den Austrag von Mikroplastik und Chemikalien erheblich.

