Jugendparlamente, Workshops, Umfragen: In der Schweiz gibt es eine breite Palette an Partizipationsformaten für Kinder und Jugendliche. Doch die Mitbestimmung dieser Bevölkerungsgruppe entfaltet noch nicht ihre volle Wirkung. Ihr Beitrag ist meist auf Ideen und Rückmeldungen beschränkt; bei Entscheidungen und Umsetzungen kommen Stimmen der jungen Generation oft zu kurz. Das ist eine zentrale Erkenntnis aus einer Studie, die das IFSAR Institut für Soziale Arbeit und Räume der OST im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) erstellt hat.
Um echte Partizipation zu ermöglichen, ist es notwendig, dass Kinder und Jugendliche früh in politische Prozesse eingebunden werden. Diese müssen allerdings auch einen klaren Bezug zu ihrer Lebenswelt haben – und ihr Beitrag muss wirksam sein. Die Studie zeigt, dass dies heute noch zu oft an strukturellen Herausforderungen scheitert. Der Zugang zur Zielgruppe stellt einen Knackpunkt dar. So ist es beispielsweise schwierig, Jugendliche aus bildungsfernen Haushalten für solche Engagements zu gewinnen.
Ein praxisorientierter Leitfaden
Gemeinsam mit polsan haben Mandy Falkenreck, Axel Pohl, Johanna Brandstetter, Lara Hobi und Carole Zellner der OST basierend auf der Bestandesaufnahme ein Konzept und einen Praxisleitfaden entwickelt, der die Partizipation von Kindern und Jugendlichen auf Stufe Bund stärken soll. Mithilfe des Leitfadens lässt sich beispielsweise klären, ob die Partizipation in einem bestimmten Projekt sinnvoll ist.
Die Forschenden des IFSAR und polsan haben identifiziert, wo Partizipation auf Bundesebene grundsätzlich möglich ist. So etwa bei Postulatsberichten, Strategie- und Programmplanungen, bei der Erarbeitung von Aktionsplänen oder Sensibilisierungskampagnen sowie in frühen Phasen von Rechtsetzungsprojekten. Den Mitarbeitenden der Bundesverwaltung soll der Leitfaden dabei helfen, geeignete Beteiligungsformate zu erkennen und anzuwenden.
Betroffenheit bei vielen Themen
Viele Geschäfte des Bundes wirken sich heute oder künftig auf Kinder und Jugendliche aus. Insbesondere gilt dies für Themen im Bereich der sozialen Sicherheit, in der Bildung oder der Gesundheit, des Klimawandels oder der Digitalisierung.
Der Leitfaden, den das IFSAR und polsan entwickelt haben, bietet praktische Hilfen für die Umsetzung. Unter anderem konkrete Methoden, praxiserprobte Vorlagen sowie Anhaltspunkte für die Planung in Form von Checklisten. Ebenso Eckpunkte für die Dokumentation und Auswertung der Ergebnisse sowie Hinweise zu Anlaufstellen für die Umsetzung partizipativer Vorhaben.
Demokratische Bildung und Kinderrechtskonvention
Anstoss für das Forschungsprojekt war es, die demokratische Bildung zu stärken. Im Zusammenspiel mit staatlichen Akteurinnen und Akteuren sollen Kinder und Jugendliche soziale und politische Fähigkeiten aufbauen, wobei sie Interesse und Verständnis für ihre Anliegen erfahren. Lernen soll auch die Bundesverwaltung: Durch die aktive Beteiligung der jungen Bevölkerungsgruppe gewinnt sie Expertise über deren Lebenswelt.
Die Schweiz hat sich durch die Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention im Februar 1997 dazu verpflichtet, die Rechte der Kinder unter 18 Jahren zu schützen, zu fördern und deren Beteiligung zu gewährleisten. Das Recht auf Partizipation ist eines der vier Grundprinzipien der Konvention. Das BSV koordiniert die Umsetzung auf nationaler Ebene.
