VDS-Jahrestagung mit Fokus auf Umsetzungs-Strategien
Am 5. Mai 2026 traf sich das Netzwerk Verkehrsdrehscheiben im Volkshaus Zürich zur Jahrestagung 2026. Im Zentrum stand die Frage, wie gute Konzepte für Verkehrsdrehscheiben erfolgreich umgesetzt werden können – von nationalen Strategien über internationale Beispiele bis hin zu konkreten Herausforderungen in Städten und Gemeinden.
Inputs aus dem In- und Ausland
Die vier Vormittagsreferate spannten den Bogen vom Bericht des ARE über kantonale P+R/B+R-Strategien im Kanton Waadt bis hin zur gemeinsamen Planung von Bahn, Raumplanung und Veloinfrastruktur in den Niederlanden und touristischen Hubs am Beispiel Grindelwald.

Konkrete Fragestellungen in den Foren
In den vier Nachmittagsforen wurden konkrete Umsetzungsfragen vertieft. Das Forum 1 widmete sich Baustellen an Verkehrsdrehscheiben und zeigte am Beispiel Lausanne, dass Bauphasen nicht nur Belastung, sondern auch eine Chance sein können. Romain Latapie und Louise Nicolas von der Stadt Lausanne erzählten von ihren Erfahrungen rund um den Bahnhof und betonten, dass die Baustelle bereits Teil des Projekts sei, dass deren Planung erfolgskritisch sei und deshalb aktiv mitgedacht werden müsse. Temporäre Nutzungen, flexible Mehrzweckflächen und kreative Kompromisslösungen könnten helfen, die Aufenthaltsqualität während langer Umbauzeiten zu sichern. Entscheidend seien eine gute Kommunikation, politische Unterstützung und eine enge Begleitung der Bevölkerung.
Eine Arbeitshilfe für Projektbeteiligte
Roger Sonderegger und Marion Hangartner stellten in Forum 2 eine Arbeitshilfe zur Planung von Verkehrsdrehscheiben zur Diskussion, die ihr Planungsbüro Kontextplan im Auftrag des Städteverbands, der SBB und des Bundesamts für Verkehr erarbeitet hatte. Sie betonten die Bedeutung der frühzeitigen Zusammenarbeit aller Beteiligten, klare Zuständigkeiten und verbindliche Projektorganisationen. Die Teilnehmenden diskutierten das oft bestehende Ungleichgewicht (Ressourcen, Know-how) zwischen Gemeinden und Infrastrukturbetreiberinnen. Die Teilnehmenden forderten stärkere fachliche Unterstützung für Gemeinden durch die Kantone sowie mehr spezialisierte Planungsbüros. Ein zentraler Gedanke im Forum lautete: Verkehrsdrehscheiben sind nicht nur Verkehrsknoten, sondern öffentliche Räume und benötigen hohe Aufenthaltsqualität.

Ein Beispiel aus Frankreich
Das Forum 3 mit einem umfangreichen Input von Florent Sainte Fare Garnot, CEO einer Spezialgesellschaft für das Quartier am grössten Bahnhof von Lyon, blickte mit der Umgestaltung des Bahnhofsquartiers Lyon Part-Dieu nach Frankreich. Das Grossprojekt zeigt, wie multimodale Verkehrsdrehscheiben aus der Stadtentwicklung getrieben werden können. Besonders diskutiert wurden die enge 12-jährige Partnerschaft zwischen öffentlichen und privaten Akteuren, die komplexen Bewilligungsverfahren und die Herausforderung, während acht Jahren Bauzeit den Bahnbetrieb aufrechtzuerhalten. Für die Schweiz interessant waren insbesondere die integrierte Projektsteuerung eng miteinander verknüpfter Bauvorhaben sowie die Frage, wie grosse Umbauprojekte gesellschaftlich akzeptiert werden können.
Wirkung von VDS besser monitoren
Im Forum 4 standen schliesslich die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer im Mittelpunkt. Nach Einführungen von Prof. Dr. Alex Erath (FHNW) und Prof. Dr. Vincent Kaufmann (EPFL) wurde in der Gruppe festgestellt, dass die Wirkung von Verkehrsdrehscheiben nach ihrer Inbetriebnahme noch zu wenig analysiert wird. Die Teilnehmenden des Forums plädierten für ein systematischeres Monitoring, um tatsächliche Veränderungen im Mobilitätsverhalten besser zu verstehen. Zudem wurde betont, dass sichere und attraktive Fusswegnetze integraler Bestandteil von Verkehrsdrehscheiben sein müssen. Gleichzeitig zeigte sich, dass Angebote und Nutzungen stark vom jeweiligen Standort abhängen und kleinere Drehscheiben oft unter fehlenden Investitionen leiden.

Politische Botschaft zum Abschluss
Den Abschluss der Tagung bildeten die Präsentation der wichtigsten Forenergebnisse sowie ein politisches Statement von Beat Tinner (FDP), dem Regierungsratspräsidenten des Kantons St. Gallen. Sein Bericht bot Einblick in die St. Galler Förderung multimodaler Knotenpunkte, die enge Verknüpfung zur Raumplanung und die Bedeutung der engen fachlichen departementsübergreifenden Zusammenarbeit.
Beim anschliessenden Apéro riche bot sich den Teilnehmenden Gelegenheit, die Diskussionen weiterzuführen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Tagung machte deutlich, dass erfolgreiche Verkehrsdrehscheiben nicht nur gute Konzepte, sondern vor allem starke Zusammenarbeit, flexible Prozesse und eine konsequente Orientierung an den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer benötigen.









