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«Wiederholungstäter» aus Überzeugung

06.05.2026

Das Gebäudetechnik Zentrum Ostschweiz (GZO) setzt seit Herbst 2025 neue rechtliche Dokumente ein, die Studierende der OST entwickelt haben. Es war bereits das dritte Praxisprojekt des GZO.

Besonders schützenswerte Daten kennt jede Organisation, besonders auch jene, die mit jungen Menschen und ihrem Werdegang zu tun haben. Wer darf erfahren, wer bei Prüfungen einen Nachteilsausgleich erhält? Wie regelt man den Einblick in Noten und in Notizen von Standortgesprächen? Wer darf Klassenlisten einsehen und wie detailliert? Das neue Datenschutzgesetz, das seit Herbst 2023 in Kraft ist, hat diese Thematik noch stärker aufs Tapet gebracht, auch beim Gebäudetechnik Zentrum Ostschweiz (GZO). Hier absolvieren 880 Auszubildende aus der Ostschweiz ihre überbetrieblichen Kurse (ÜK) in insgesamt 13 Gebäudetechnik-Berufen wie beispielsweise Sanitärinstallateur, Spenglerin oder Heizungsinstallateur. Die ÜK sind einer der drei Lernorte der beruflichen Grundbildung und werden von der Branche selbst organisiert.

Daten richtig nutzen können 
Christian Kraus, Geschäftsführer der Stiftung GZO, griff 2023 sofort zum Hörer, als er erfuhr, dass Praxisprojekte im damals noch jungen Studiengang Management und Recht an der OST durchgeführt werden. «Ich wollte wissen, was beim Datenschutz Fakt ist und wie wir mit Daten umgehen können, ohne uns unnötig einschränken zu lassen.» Ihre Arbeit sichtbar zu machen, ist eine wichtige Aufgabe der Stiftung. Sie ist deshalb unter anderem darauf angewiesen, dass sie Fotos aus dem Lernalltag der Auszubildenden auf der Website oder auf Social Media verwenden kann. Dazu müssen die jungen Erwachsenen ihr Einverständnis geben. Neben dem Schutz der Lernenden stand auch der Schutz des GZO-Teams, der ÜK-Instruktorinnen und -Instruktoren, die im Milizamt tätig sind, sowie der Stiftung als rechtliches Organ im Zentrum. Alle sollten für ihre Rechte und Pflichten im Umgang mit Daten sensibilisiert sein.

Zwei aufeinander aufbauende Projekte
Die Analyse der Ausgangslage vertraute das GZO in einem Praxisprojekt 2024 dem WTT und einem engagierten Studierendenteam an. Nach diesem erfolgreichen Projekt erstellte das gleiche Projektteam 2025 in einem zweiten Praxisprojekt rechtliche Dokumente. «Im Juni fand die Schlusspräsentation statt. Im September unterzeichneten rund 170 Lernende, die erstmals einen ÜK bei uns besuchten, die von den Studierenden erstellte neue Datenschutzrichtlinie», erzählt Kraus. Auch für die Mitarbeitenden des GZO sowie die Instruktorinnen und Instruktoren der ÜK definierten die Studierenden Massnahmen. 

Wenn aller guten Dinge drei sind
Für den Geschäftsführer ist es keine neue Erfahrung, dass die Ergebnisse der Studierenden in der Praxis nahezu eins zu eins umgesetzt werden können. 2018 stellte das heutige GZO nach einem ersten Praxisprojekt mit der OST sein Leitbild, seine strategischen Ziele sowie die Struktur komplett um. Auch die Namensänderung zu GZO war eine Folge des Projekts. «Das Konzept diente als Auslöser für eine umfassende Neuausrichtung und Umstrukturierung des gesamten GZO, die wir seither erfolgreich leben und kontinuierlich weiterentwickeln», fasst Kraus zusammen. Durch die neuen Strukturen könne das GZO noch wirtschaftlicher arbeiten und habe frischen Wind in die traditionellen Strukturen bringen können.

Engagement und Identifikation
Wenn Christian Kraus über seine Zusammenarbeit mit der OST spricht, gerät er geradezu ins Schwärmen. «Die Studierenden nutzen die Möglichkeit, Praxiserfahrung zu gewinnen. Sie hängen sich richtig rein und investieren viele Stunden ins Projekt. Sie bringen Fachwissen und andere Ansichten hinein. Beim Team des WTT spürt man, dass sich alle mit den Praxisprojekten identifizieren und unsere Feedbacks ernstnehmen. Ich habe zudem immer eine konkrete Ansprechperson, was ich sehr schätze.» Die Begleitung durch eine Dozentin oder einen Dozenten als Coach im Hintergrund rundet für ihn das Paket ab.

Projekte mit direktem Nutzen
Christian Kraus kannte die Praxisprojekte bereits aus einer früheren Anstellung und gewann so Vertrauen in die Zusammenarbeit mit der OST. «Ich bin Fan des Outputs der Projekte. Sie haben einen direkten Nutzen und nehmen dir zu einem mehr als fairen Preis Arbeit ab, wenn du es als Auftraggeber richtig angehst.» Er betont darum auch die Wichtigkeit der eigenen Vorbereitung sowie die nötige Offenheit, den Studierenden vertieften Einblick in die Organisation zu ermöglichen. Der Auftrag müsse konkret und der gewünschte Output klar sein. «Die Studierenden bringen eine Aussensicht ein und es können auch Dinge auf den Tisch kommen, die unangenehm sind. Daher muss man auch als Auftraggeber Kritik annehmen können.» Für das GZO hat sich die Auseinandersetzung mit den eigenen Themen aber jedes Mal gelohnt. Christan Kraus kann sich daher gut vorstellen, noch weitere Praxisprojekte in Auftrag zu geben – Ideen dafür hat er genügend. 

 

Text: Deborah Conversano
Foto: zVg