Forschungsprojekt

Das Säuglingswohl in der Schweiz. Eine historisch vergleichende Diskursanalyse über Gefährdungen im ersten Lebensjahr

Mit dem Ziel, den Diskurs des Säuglingswohl zu erforschen, wird im Rahmen dieses Projektes das erste Mal eine Geschichte der frühen Kindheit in der Schweiz geschrieben.

Die Bedingungen des Aufwachsens haben sich in den letzten hundert Jahren in der Schweiz sehr stark gewandelt: Kinder erleben heute ab Geburt unterschiedlichste Orte, Personen und Settings. Sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit wird darüber debattiert, welche Bedingungen in der frühen Kindheit für den weiteren Lebensverlauf besonders förderlich sind und welche nicht. Das Projekt fragt in historisch-vergleichender Perspektive nach genau diesen Debatten, Argumenten und Wissensbeständen. Durch die Analyse von historischen wie aktuellen Dokumenten wird das Ziel verfolgt, den Diskurs um das 'Säuglingswohl' insbesondere in den drei Regionen Genf, Tessin und St. Gallen zu erforschen. Im Mittelpunkt stehen dabei drei (auch international zu beobachtende) Momente. Erstens die Frage, wie der hohen Säuglingssterblichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts begegnet werden sollte, zweitens die sogenannte Hospitalismusdebatte, welche auf Missstände in Säuglingsheimen insbesondere in den 1950/60er Jahren aufmerksam machte und drittens die aktuelle Diskussion um Möglichkeiten und Grenzen von Angeboten der Frühen Förderung. 

Die diskursanalytisch angelegte Forschung fragt nach der Genese des Wissens zur Gefährdung von Kindern im ersten Lebensjahr und vergleicht drei Diskursanlässe der letzten 100 Jahre in drei Regionen. Damit wird erstmals eine Geschichte der frühen Kindheit in der Schweiz geschrieben. 

Projektfinanzierung: Schweizerischer Nationalfonds SNF

Laufzeit: 01.11.2020 - 30.11.2023