Forschungsprojekt
Peer-Beratung für Menschen mit psychischen Erschütterungen im Kanton. St. Gallen
Die Peerberatung St. Gallen bietet Menschen in psychisch herausfordernden Situationen Beratung durch Personen, die selbst eine psychische Krise erlebt und bewältigt haben. Das Projekt untersucht, wie dieses aufsuchende, peergeleitete Beratungsangebot wirkt und wie es sich nachhaltig in der Versorgung verankern lässt.
Hintergrund
Peers im Bereich der psychischen Gesundheit sind Menschen mit eigener Erfahrung einer psychischen Erschütterung. Sie haben eine Weiterbildung absolviert, die sie befähigt, ihr Erfahrungswissen gezielt an andere weiterzugeben. Studien zeigen, dass Peer-Unterstützung Hoffnung, Selbstwirksamkeit und persönliche Genesungsprozesse (Recovery) stärken kann. Sie gilt deshalb als wertvolle Ergänzung zu bestehenden psychiatrischen und psychosozialen Angeboten und hat zudem das Potenzial, stark ausgelastete Versorgungsstrukturen zu entlasten.
Im Rahmen der Umsetzung des Wirkungsberichts Behindertenpolitik im Kanton St Gallen und gestützt auf die UN-Behindertenrechtskonvention fördert der Kanton St. Gallen den Aufbau der Peerberatung St. Gallen. Zertifizierte Peers beraten dort Menschen in psychisch herausfordernden Situationen. Die Gespräche sind niederschwellig, alltags- und genesungsorientiert und die Themen bestimmen die Ratsuchenden selbst. Das Kompetenzzentrum für Psychische Gesundheit der OST setzt das Angebot um und begleitet es wissenschaftlich.
Weitere Infos zur Peerberatung St. Gallen unter: https://peerberatung-sg.ch
Methode
Grundlage des Projekts ist ein Wirkmodell. Es beschreibt, aus welchen Bestandteilen das Angebot besteht, über welche Mechanismen es wirken soll und welche Veränderungen angestrebt werden. Die Begleitforschung folgt einem sogenannten hybriden Typ-III-Design: Sie untersucht gleichzeitig die Wirksamkeit und die Implementierung des Angebots, mit Schwerpunkt auf den Implementierungsprozessen. Ausgewertet werden die Ergebnisse entlang des RE-AIM-Frameworks. Es wird eruiert, wen das Angebot erreicht (Reach), was es bewirkt (Effectiveness), wie Fachpersonen und Institutionen es aufnehmen (Adoption), wie es umgesetzt wird (Implementation) und wie es sich langfristig sichern lässt (Maintenance). Drei Bereiche stehen im Zentrum:
- Wirksamkeit: Klient:innen werden vor und nach der Beratung anonym online befragt. Erfasst werden Veränderungen im psychischen Wohlbefinden, im Genesungsprozess und im Stresserleben. Die Auswertung umfasst deskriptive und inferenzstatistische Analysen.
- Erleben und Wirkmechanismen: In halbstrukturierten Interviews berichten Klient:innen, was sie in der Beratung als unterstützend erleben und wie Veränderungen aus ihrer Sicht zustande kommen. Die Interviews werden mittels Framework-Analyse ausgewertet.
- Umsetzung: Online-Befragungen von Peers sowie von Fachpersonen und Institutionen aus dem Bereich der psychischen Gesundheit erfassen, wie akzeptiert, angemessen und umsetzbar das Angebot ist. Interviews und Fokusgruppen beleuchten, welche Faktoren die Umsetzung fördern oder hemmen.
Die quantitativen und qualitativen Ergebnisse werden anschliessend zusammengeführt. So entsteht ein umfassendes Bild davon, was das Angebot bewirkt, wie es wirkt und unter welchen Bedingungen es gelingt.
Erkenntnisse und Wirkung
Die Begleitforschung liefert fundierte Erkenntnisse dazu, was eine aufsuchende, peergeleitete Beratung für Ratsuchende leisten kann. Damit trägt sie zu einer Wissensbasis bei, die für peergeleitete Angebote in der Schweiz bislang begrenzt ist. Die Ergebnisse fliessen direkt in die Weiterentwicklung der Peerberatung ein und unterstützen ihre nachhaltige Verankerung in der psychosozialen Versorgungslandschaft als Ergänzung zu bestehenden Angeboten.
Laufzeit: 01.01.2025 - 31.12.2027
Projektfinanzierung:
Amt für Soziales des Kantons St. Gallen
Kooperation:
Kanton St. Gallen
OST - Ostschweizer Fachhochschule


