Wie können Gemeinden nach innen wachsen, ohne dass Wohn- und Lebensqualität verloren gehen? Und welche Rolle spielen dabei Grünflächen und gut gestaltete Aussenräume? Mit diesen Fragen befasste sich der diesjährige Tag der Region, zu dem das Regionalmanagement Obersee-Linth und die OST – Ostschweizer Fachhochschule am 16. März 2026 nach Rapperswil-Jona eingeladen hatten.
Zum Auftakt betonte Stefanie Graf, Leiterin des Departements Architektur, Bau, Landschaft, Raum der OST, dass qualitätvolle Innenentwicklung weit über reines Verdichten hinausgehe. «Öffentliche Räume, Grünflächen und Nutzungen müssen so gestaltet werden, dass für die Bevölkerung ein echter Mehrwert entsteht», erklärte sie.
Barbara Dillier, Stadtpräsidentin von Rapperswil-Jona und Mitglied des Geschäftsausschusses des Regionalmanagements Obersee-Linth, brachte die Sicht der Gemeinden ein. Innenentwicklung habe die Aufgabe, Identität zu bewahren und gleichzeitig Raum für Neues zu schaffen. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die Strategie 2050 der Region Zürichsee-Linth, die eine langfristige Perspektive für die Entwicklung der Region aufzeigt. Im Mittelpunkt stehen ein massvolles Wachstum an gut erschlossenen Standorten, die Stärkung der Ortszentren sowie eine bessere Abstimmung von Siedlung und Freiraum. «Wir wollen Entwicklung ermöglichen und gleichzeitig Landschaft, Lebensqualität und Identität bewahren», brachte es Barbara Dillier auf den Punkt.
Akzeptanz entsteht durch Qualität
Donato Acocella vom Institut für Raumentwicklung der OST richtete den Blick auf die Region als Ganzes. Innenentwicklung dürfe nicht nur dort stattfinden, wo gerade ein Areal frei werde. Ebenso wichtig sei, dass Arbeitsplätze, Gewerbe und Versorgung langfristig ihren Platz behalten. «Viele Fragen lassen sich nicht mehr innerhalb der Gemeindegrenzen lösen, sondern müssen regional abgestimmt werden», sagte er.
Seine Professorenkollegin Dita Leyh spürte der Frage nach, wann Verdichtung von der Bevölkerung mitgetragen wird. «Um Akzeptanz zu erreichen, muss ein Gewinn sichtbar sein», sagte sie. Dazu gehörten attraktive Freiräume, eine stimmige Einbindung ins Ortsbild und eine sorgfältige Entwicklung, die auf die Identität des Ortes Rücksicht nehme. Ein Beispiel aus Uznach zeigte, dass damit oft auch Fragen der Nahversorgung und der Ortskernentwicklung verbunden sind.
Lebenswerte Aussenräume mitdenken
Im zweiten Fachblock erklärten Jasmin Joshi und Christian Kaindl vom Institut für Landschaft und Freiraum der OST, was eine lebenswerte Aussenraumgestaltung ausmacht. Joshi zeigte auf, wie wichtig Grünräume für Biodiversität, Gesundheit und Wohlbefinden sind. «Grünräume tragen in dicht bebauten Gebieten zur Kühlung bei, fördern die Artenvielfalt und erhöhen die Lebensqualität im Alltag.»
Kaindl veranschaulichte anhand von Beispielen, dass Freiräume nicht einfach als Restflächen behandelt werden dürfen. Sie müssten von Anfang an mitgeplant und als tragender Teil der Siedlungsentwicklung verstanden werden. «Nur so wird Innenentwicklung nicht als Verlust, sondern als Aufwertung wahrgenommen», folgerte er.
Austausch als Schlüssel zum Erfolg
Peter Göldi, Geschäftsführer des Regionalmanagements Obersee-Linth, zog am Ende des Abends ein positives Fazit: «Der Tag der Region zeigte einmal mehr, wie wichtig der Austausch zwischen Gemeinden, Wirtschaft und Hochschule ist.» Um tragfähige Lösungen für die Region zu entwickeln, brauche es bei der Innenentwicklung gemeindeübergreifende Diskussionen und zukunftsfähige Perspektiven.







