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ChatGPT und LLM – Gamechanger für KMU

Neue Artikelserie zum Themenkomplex «Künstliche Intelligenz und Strategie» KMU-Magazin.

Generative Künstliche Intelligenz (KI) ist in Schweizer Unternehmen angekommen und entwickelt sich mit einem rasanten Tempo. Was das aus strategischer Sicht für Schweizer KMU bedeutet, beleuchtet eine neue vierteilige Artikelserie im KMU-Magazin. Im ersten Beitrag zeigen Prof. Dr. Petra Kugler, Esther Federspiel und Dr. Beat Tödtli, warum generative KI im Vergleich zu früheren Formen von KI als Gamechanger bezeichnet werden kann. Und welche Fragen sich Unternehmen nun stellen sollten.

 

1. Generative KI verbreitet sich schneller als frühere Technologien


Die Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 löste eine aussergewöhnlich schnelle globale Verbreitung generativer KI aus. Innerhalb von fünf Tagen registrierten sich bereits eine Million Nutzer, nach zwei Monaten waren es etwa 100 Millionen. Heute nutzen zeitweise bis zu 1,8 Milliarden Menschen entsprechende Anwendungen, während sich rund 800 Millionen wöchentliche Nutzer etabliert haben. Gleichzeitig konkurrieren mehrere Anbieter wie Microsoft, Google oder Anthropic mit eigenen Modellen. Dadurch entsteht ein dynamischer Innovationswettlauf, der die technologische Entwicklung zusätzlich beschleunigt.

 

2. Unternehmen agieren in einer Zeit multipler Krisen und zunehmender Unsicherheit


Neben technologischen Entwicklungen prägen auch geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und Klimarisiken das wirtschaftliche Umfeld. Diese verschiedenen Krisen treten gleichzeitig auf und besitzen teilweise ein stark disruptives Potenzial für bestehende Geschäftsmodelle. Dadurch wird die Unternehmensumwelt immer komplexer und schwieriger vorhersehbar. Innovationen beschleunigen Veränderungen zusätzlich und erhöhen gleichzeitig die Unsicherheit. Unternehmen müssen daher lernen, mit einer dauerhaft hohen Dynamik und Unsicherheit umzugehen.

 

3. Geschwindigkeit wird zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor


Im heutigen Wettbewerb reicht es nicht mehr aus, perfekte Lösungen zu entwickeln. Stattdessen müssen Unternehmen schnell experimentieren, Lösungen testen und kontinuierlich anpassen. Für viele Schweizer KMU stellt dies eine Herausforderung dar, da in ihrer Unternehmenskultur häufig Qualität und Perfektion stark verankert sind. Der Einsatz von KI und Data Science erfordert deshalb ein Umdenken in Organisationen. Neben technologischen Anpassungen braucht es auch neue Arbeitsweisen, Kompetenzen und eine veränderte Unternehmenskultur.

 

4. Generative KI unterscheidet sich grundlegend von früheren KI-Formen


Frühere KI-Systeme arbeiteten entweder regelbasiert oder mithilfe von Machine Learning. Regelbasierte Systeme folgen festen „Wenn-dann“-Regeln, während Machine Learning Muster in Daten erkennt, jedoch keine neuen Inhalte erzeugt. Generative KI geht darüber hinaus und kann eigenständig neue Texte, Bilder oder Code generieren. Diese Fähigkeit basiert auf dem Training mit sehr großen Datenmengen und der Kombination erlernter Muster. Dadurch wird generative KI als „Game Changer“ betrachtet, da sie kreatives Arbeiten teilweise automatisieren kann.

5. Generative KI verändert Wissensarbeit und stellt neue strategische Fragen


Im Gegensatz zu früheren Automatisierungswellen betrifft generative KI vor allem wissensintensive Tätigkeiten. Gut ausgebildete Wissensarbeitende können nun in ihrer Denkarbeit durch KI unterstützt oder teilweise ersetzt werden. Gleichzeitig zeigt sich, dass das größte Potenzial nicht in der vollständigen Automatisierung, sondern in der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI liegt. Unternehmen müssen deshalb neue Formen der Arbeitsteilung entwickeln. Daraus ergeben sich strategische Fragen zu Kompetenzen, Organisation, Use Cases und der zukünftigen Gestaltung von Wertschöpfung.