Das noch junge Jahrtausend ist geprägt von Krisen und Kriegen. Unsicherheit über die Zukunft macht sich breit, die Wertebasis erodiert. Mit der zweiten Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trumps akzentuieren sich die geopolitischen Spannungen. Vor diesem düsteren Hintergrund diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft anlässlich der 17. Austragung des Unternehmensspiegels. Dieser fand erneut zweimal statt – einmal in St.Gallen und einmal in Teufen.
Abhängigkeiten reduzieren
Dr. Esther Omlin, Dozentin am IFL Institut für Finance und Law der OST, zeigte, wie verletzlich moderne Wertschöpfungsketten sind. Besonders kritisch sieht sie Lieferketten und Rohstoffe. «Wichtige Materialien wie Kupfer, Nickel, Kobalt, Lithium oder Seltene Erden kommen oft aus wenigen Ländern. Die Verarbeitung liegt vielfach in China. Entstehen dort Spannungen oder Exportbeschränkungen, trifft das auch Schweizer Betriebe», führte die Sicherheitsexpertin aus. Diese Verletzlichkeit zeigt sich derzeit auch an der strategisch wichtigen Strasse von Hormus, einem zentralen Engpass für Erdölexporte. Omlin rief deshalb dazu auf, in Resilienz zu investieren. Lieferketten diversifizieren, Abhängigkeiten reduzieren, Lager strategisch planen, Verträge absichern, Innovation fördern und Entwicklungen laufend beobachten.
Wohlstand und Anfälligkeit
In Teufen beleuchtete Dr. Simone Haeberli, Ressortleiterin KMU Politik beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), die aktuelle Weltlage aus staatlicher Perspektive. Die Schweiz sei als exportorientierte Volkswirtschaft besonders eng in internationale Handelsstrukturen eingebunden. Ein grosser Teil des Handels finde mit der EU statt, daneben spielten die USA und China eine bedeutende Rolle. Diese starke Vernetzung sichere Wohlstand, erhöhe gleichzeitig aber die Anfälligkeit bei globalen Spannungen. Haeberli betonte, dass die Schweiz weiterhin auf Offenheit, Kooperation und Diversifizierung setze. Freihandelsabkommen, die Stärkung eines regelbasierten internationalen Systems sowie nachhaltige Wirtschaftsbeziehungen bildeten zentrale Pfeiler der Aussenwirtschaftsstrategie. Schliesslich machte sie deutlich: Resilienz sei nicht nur eine unternehmerische, sondern auch eine wirtschaftspolitische Aufgabe.
Unternehmensführung ist in Krisenzeiten zentral
In der Podiumsdiskussion in St.Gallen kristallisierte sich heraus, dass gerade in Krisenzeiten die Unternehmensführung zentral sei. Mitarbeitende erwarteten Orientierung. Unternehmen müssen transparent kommunizieren, rasch entscheiden und bereit sein, Strategien anzupassen. «Krisen bergen Risiken – aber auch Chancen. Wer flexibel bleibt und Innovationen nutzt, kann gestärkt daraus hervorgehen», sagte OST-Professor Andreas Löhrer. In Teufen wiederum hob Ueli Manser, Direktor der Appenzeller Kantonalbank, hervor, dass Resilienz auch eine Frage der Haltung sei, geprägt von Optimismus, Verantwortungsbewusstsein und Lösungsorientierung. Austausch und Vernetzung unter Unternehmen – wie sie der Unternehmensspiegel der OST ermöglicht – seien deshalb besonders wertvoll.

