Wie lassen sich aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse so übersetzen, dass sie im Alltag wirklich Wirkung entfalten? Dieser Frage widmete sich Stefanie Wiloth vom Institut für Altersforschung IAF der OST – Ostschweizer Fachhochschule am Pint of Science in St. Gallen. Unter dem Titel «Mehr als nur kommunikative Assistenz: erste Erkenntnisse aus der Entwicklung von Luma Life für Menschen mit Demenz» stellte sie das Projekt Luma Life vor und gab Einblick in den aktuellen Stand der Entwicklungsarbeit.
Forschung trifft Alltag
Demenz zählt zu den grössten Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Gerade in der frühen Phase der Erkrankung stehen Betroffene und ihre Angehörigen vor vielen Fragen: Wie kann Selbstständigkeit möglichst lange erhalten bleiben? Wie lassen sich Kommunikation, Orientierung und soziale Teilhabe im Alltag unterstützen? Hier setzt Luma Life an: Es unterstützt und entlastet Menschen mit früher Demenz sowie ihre Familien im häuslichen Umfeld. Im Zentrum steht dabei nicht die Technologie um ihrer selbst willen, sondern der konkrete Nutzen im Alltag.
Ziel des Projekts ist es, wissenschaftlich fundiertes Wissen aus der Demenzforschung zu demenzsensitiver Sprache systematisch in den KI-basierten Begleiter zu übertragen. Das Team des IAF analysiert aktuelle nationale und internationale Studien zu demenzsensitiver Sprache und übersetzt diese Erkenntnisse gemeinsam mit dem Projektpartner in Anforderungen an den digitalen Begleiter. Demenzsensitive Sprache bedeutet dabei mehr als einfache Formulierungen: Sie muss verständlich sein, Orientierung geben und Sicherheit vermitteln – ohne zu überfordern oder zu bevormunden.
Warum Pint of Science wichtig ist
Der Auftritt am Pint of Science machte deutlich, wie wertvoll niederschwellige Wissenschaftsformate sind. Sie ermöglichen Dialog statt Einbahnkommunikation, fördern kritische Fragen und schaffen Vertrauen in Forschung und Innovation. Gerade bei sensiblen Themen wie Demenz ist dieser Austausch zentral.
Das grosse Interesse und die angeregten Diskussionen in St. Gallen zeigten, dass technologische Innovationen im Altersbereich auf ein breites gesellschaftliches Interesse stossen – insbesondere dann, wenn sie verständlich erklärt und in einen grösseren sozialen Kontext eingebettet werden.
Innovation sichtbar machen und fördern
Projekte wie Luma Life stehen exemplarisch für das, was das IAF unter anwendungsorientierter Altersforschung versteht: Forschung, die gemeinsam mit Praxispartnern entsteht und konkrete gesellschaftliche Herausforderungen adressiert. Um solche Ideen weiter zu stärken, engagiert sich das IAF auch über einzelne Projekte hinaus.
Aktuell läuft die Ausschreibung des Age Innovation Prize 2026, der technologische und soziale Innovationen in der Schweiz auszeichnet, die wissenschaftliche Erkenntnisse verantwortungsvoll und praxisnah in Lösungen für ein gutes Altern übersetzen.
Der Beitrag von Stefanie Wiloth am Pint of Science St. Gallen machte eindrücklich sichtbar, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkrete Innovationen entstehen können. Luma Life steht dabei stellvertretend für eine Forschung, die zuhört, übersetzt und gemeinsam mit Betroffenen neue Wege geht.
Das IAF wird diesen Dialog auch künftig aktiv fördern – in der Forschung, in der Öffentlichkeit und durch gezielte Innovationsförderung.
