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Tinnitus messbar machen

09.04.2026

Tinnitus betrifft Millionen Menschen weltweit, ist aber bis heute nicht objektiv messbar. Forschende der OST – Ostschweizer Fachhochschule entwickeln neue Ansätze, um das zu ändern und die Basis für gezielte Therapien zu schaffen.

Zwei Forscher der OST stehen an einem Tisch und diskutieren über neue Diagnose- und Therapie-Möglichkeiten für Tinnitus.
Prof. Dr. Winfried Schlee (links) und Dr. Beat Tödtli (rechts) sind Teil eines internationalen Forschungsprojekts, das nach einer objektiven Diagnose-Möglichkeit für das Ohrenleiden Tinnitus sucht.

Suche nach den Ursachen

Ein dauerhaftes Pfeifen oder Rauschen im Ohr kann das Leben stark belasten. «Genau genommen ist der Tinnitus keine Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom, das unterschiedliche Ursachen haben kann», sagt Prof. Dr. Winfried Schlee, Neuropsychologe und Professor für Digital Health am IPM Institut für Informations- und Prozessmanagement der OST. Die Diagnose erfolgt heute ausschliesslich über die Aussagen der Betroffenen. Eine objektive Messmethode fehlt bislang.
 

Daten als Schlüssel

Im internationalen Projekt TIDE analysieren Prof. Dr. Winfried Schlee und Dr. Beat Tödtli, Data Scientist und Dozent am IPM Institut für Informations- und Prozessmanagement, Hirnströme von 560 Personen. Ziel ist es, ein messbares biologisches Merkmal, das den Tinnitus objektiv nachweisen kann, zu finden. «Das TIDE-Projekt ist eine explorative Suche nach dem Wesen von Tinnitus», sagt Tödtli. Dafür setzt das Team auf Methoden aus der Datenwissenschaft und Künstliche Intelligenz.
 

Neue Wege für die Forschung

Seit diesem Jahr stellt das Team die Daten öffentlich zur Verfügung. In einer internationalen Kaggle Competition können Teilnehmende Modelle entwickeln, um Tinnitus zu erkennen. «Wenn jemand 85 oder sogar 90 Prozent der Fälle richtig identifiziert, dann könnte daraus eine Methode resultieren, auf der eine objektive Diagnose basiert», erklärt Tödtli.
 

Perspektiven für Betroffene

Eine objektive Diagnose könnte Betroffenen helfen, mehr Verständnis zu erhalten und Therapien gezielter zu entwickeln. «Ohne objektive Diagnose stossen Patientinnen und Patienten oft auf Unverständnis», sagt Schlee. Langfristig sehen die Forschenden darin einen wichtigen Schritt hin zu wirksamen Behandlungen.