CAS AI-Driven Robotics
Fortschritte im Bereich Artificial Intelligence (AI) ermöglichen eine neue Generation lernfähiger Roboter, die in komplexen Umgebungen mit Menschen interagieren können. Damit wächst der Bedarf an Fachkräften, die in der Lage sind, AI und Robotik miteinander zu verbinden. Im CAS AI-Driven Robotics erwerben Sie ein interdisziplinäres Kompetenzprofil an der Schnittstelle von AI und Robotik. Sie erlangen fundierte Kenntnisse und praxisnahe Fähigkeiten zur Anwendung und Integration adaptiver und lernfähiger Robotersysteme, sowie zum Einsatz von AI-Werkzeugen in Ihrem beruflichen Alltag.
Abschluss
Certificate of Advanced Studies CAS in AI-Driven Robotics (15 ECTS-Punkte)
Dauer
15 Tage, berufsbegleitend während ca. 6 Monaten
Die Anzahl der Tage kann je nach Durchführung variieren. Es gilt der aktuelle Terminplan.
Kosten
CHF 9800.– inkl. Unterlagen, Leistungsnachweisen und Zertifikat
Studienbeschreibung
Die Robotik befindet sich in einem technologischen Umbruch. Während klassische Robotersysteme überwiegend deterministisch programmiert und in klar strukturierten Umgebungen eingesetzt werden, gewinnen adaptive und lernfähige Systeme zunehmend an Bedeutung. Diese Entwicklung wird massgeblich durch Fortschritte im Bereich AI, insbesondere im Bereich des Machine Learning vorangetrieben. Ein besonders anspruchsvolles Anwendungsfeld stellt die humanoide Robotik dar. Humanoide Roboter zeichnen sich durch eine hohe kinematische Redundanz, komplexe Ganzkörperdynamik, sowie durch direkte Interaktionen mit Menschen und unstrukturierten Umgebungen aus. Klassische Steuerungs- und Programmieransätze stossen hierbei rasch an ihre Grenzen. Stattdessen kommen zunehmend lernbasierte Methoden zum Einsatz, bei denen Roboter nicht vollständig programmiert, sondern gezielt trainiert werden. Dieser Trend kann unter dem Begriff «AI-Driven Robotics» zusammengefasst werden.
Im CAS AI-Driven Robotics lernen Sie klassische Roboterarchitekturen, Steuerungs- und Regelungskonzepte kennen und analysieren deren Grenzen bei komplexen, lernfähigen Systemen. Darauf aufbauend erwerben Sie Kenntnisse in Machine Learning, Reinforcement Learning, Computer Vision und multimodaler Sensorfusion. Sie arbeiten mit digitalen Zwillingen, Simulationsumgebungen und Sim-to-Real-Ansätzen und integrieren AI-Modelle in reale Robotersysteme mit ROS2. Ergänzend behandeln Sie Sicherheits-, Regulierungs- und Ethikfragen der Mensch-Roboter-Kollaboration. Im praxisorientierten Abschlussprojekt setzen Sie ein eigenes «AI-Driven Robotics»-Projekt um.
Studieninhalte
Robotik-Grundlagen und Grenzen klassischer Ansätze
Dieses Modul vermittelt einen kompakten, anwendungsorientierten Überblick über klassische Roboterarchitekturen und Steuerungskonzepte. Es zeigt auf, wo deterministische Ansätze an ihre Grenzen stossen und dient als gemeinsame fachliche Basis und als Ausgangspunkt für den AI-Einsatz in den nachfolgenden Modulen.
- Grundlagen der Roboterkinematik und -dynamik (Überblick)
- Klassische Robotersteuerungen und Regelungsansätze (Überblick)
- Grenzen deterministischer Programmier- und Regelungsansätze
- Vergleich industrielle Roboter vs. humanoide/kollaborative Roboter
- Automatisierungspotenziale und typische Einsatzfelder in der Industrie
Grundlagen moderner AI-Modelle
Dieses Modul vermittelt ein fundiertes Verständnis moderner AI-Modelle (Foundation Models, LLMs, Vision-Modelle) um sie einordnen, auswählen und im Unternehmen einsetzen zu können.
- Funktionsweise von Machine Learning, Deep Learning und Foundation Models (konzeptionell)
- Landschaft aktueller Modelle: LLMs, Vision-Modelle, multimodale Modelle
- Open Source vs. proprietäre Modelle, API- vs. lokaler Betrieb
- Fähigkeiten und typische Grenzen/Fehlerquellen (Halluzination, Bias, Robustheit)
- Kosten-, Datenschutz- und Betriebsüberlegungen bei der Modellwahl
Bestehende AI-Modelle nutzen und anpassen
Das Modul vermittelt, wie bestehende KI-Modelle ohne eigenes Training effektiv für konkrete Anwendungsfälle nutzbar gemacht werden können, angefangen beim sogenannten Prompt Engineering bis hin zur leichten Anpassung bestehender Modelle.
- Prompt Engineering und strukturierte Interaktion mit Modellen
- Retrieval-Augmented Generation (RAG) – Nutzung eigener Daten ohne Training
- Fine-Tuning vs. Prompting vs. RAG: Wann was?
- Anbindung von Modellen über APIs
- Evaluation und Qualitätssicherung von Modell-Outputs im Unternehmenskontext
AI im Arbeitsalltag – Agentisches Arbeiten
Dieses Modul vermittelt den produktiven Einsatz von AI-Tools im beruflichen Alltag, mit Fokus auf agentische Workflows und Automatisierung wiederkehrender Aufgaben.
- AI-gestütztes Programmieren
- Agentische AI-Systeme: Konzepte, Tool-Use, Agent-Konfigurationen
- Automatisierung wiederkehrender Arbeitsprozesse mit AI-Agenten
- Praktische Grenzen, Fallstricke und Qualitätskontrolle im professionellen Einsatz
- Change-Management: AI-Einführung im eigenen Team/Unternehmen
AI-gestützte Wahrnehmung mit bestehenden Modellen
Dieses Modul vermittelt die Auswahl und den Einsatz bestehender, vortrainierter Wahrnehmungsmodelle (Computer Vision, Sensorfusion) für humanoide und industrielle Robotersysteme, sowie deren Anpassung an eigene Daten.
- Überblick Computer Vision für Robotik
- Einsatz vortrainierter Modelle zur Objekterkennung und Pose Estimation
- Leichtgewichtiges Anpassen bestehender Perception-Modelle an eigene Daten
- Grundlagen multimodaler Sensorfusion
- Umgang mit Unsicherheiten in Wahrnehmungssystemen
Integration von AI-Modellen in Robotersysteme (ROS2)
Das Modul behandelt die praktische Integration bestehender AI-Modelle und APIs in reale Robotersysteme unter Verwendung von.
- ROS2-Architektur (Überblick)
- Anbindung bestehender AI-Modelle/APIs an ROS2-Systeme
- Sensorik-, Wahrnehmungs- und Entscheidungsarchitekturen mit Drittmodellen
- Edge AI und Echtzeit-Anforderungen beim Einsatz vortrainierter Modelle
- Deployment- und Betriebsüberlegungen (Wartung, Updates, Monitoring)
Sicherheit, Explainability, Regulatorien und Ethik
Dieses Modul behandelt sicherheitsrelevante, regulatorische und ethische Aspekte beim Einsatz von AI in Robotersystemen, mit besonderem Fokus auf Pflichten und Risiken beim Einsatz von Drittanbieter-Modellen im Unternehmen.
- Sicherheitskonzepte für AI-gestützte Robotersysteme
- Explainable AI: Grundlagen und Bedeutung im Betriebskontext
- Regulatorische Grundlagen (u. a. EU AI Act) und Haftungsfragen beim Einsatz von Drittmodellen
- Ethik humanoider und kollaborativer Robotik
Abschlussprojekt
Im Abschlussprojekt wenden die Teilnehmenden die im CAS erworbenen Kompetenzen praxisorientiert an. Dazu wählen sie bestehende AI-Modelle aus, passen sie an und integrieren sie in einen konkreten Use Case aus ihrem eigenen Unternehmen.
- Konzeption eines «AI-Driven Robotics»-Projekts mit Bezug zum eigenen Unternehmen
- Auswahl und Integration bestehender AI-Modelle
- Evaluation von Performance, Robustheit und Sicherheit
- Dokumentation und Präsentation der Ergebnisse
Lernformate
Diese Weiterbildung setzt auf moderne, praxisorientierte Lehr- und Lernmethoden, die gezielt auf Ihre Anforderungen im Berufsalltag abgestimmt sind:
Blended Learning
Durch die Kombination von Präsenzunterricht, betreutem Selbststudium und digitalen Lernformaten wird die Flexibilität des Online-Selbststudiums mit dem persönlichen Austausch vor Ort verbunden.
Problem- und projektbasiertes Lernen mit Robotik-Anwendungen
Sie bearbeiten realitätsnahe Anwendungsfälle aus Industrie und Automatisierung mit bestehenden, marktverfügbaren KI-Modellen und -Tools (z. B. GitHub Copilot, APIs führender Modellanbieter, vortrainierte Perception-Modelle, ROS2). Der Fokus liegt auf Auswahl, Anpassung, Integration und Evaluation dieser Modelle für konkrete Anwendungsfälle.
Projektarbeit
Im Rahmen eines eigenständigen Abschlussprojekts im Bereich «AI-Driven Robotics» setzen Sie Ihre neu erworbenen Fähigkeiten anhand eines konkreten Use Cases aus Ihrem eigenen Unternehmen um.
Zielgruppe und Zulassung
Zielgruppe
Dieser Kurs richtet sich an Fachpersonen aus den Bereichen Technik und Informatik, die sich mit der Entwicklung, dem Einsatz oder der Bewertung moderner Robotersysteme befassen oder sich in diesem Themenfeld spezialisieren möchten. Insbesondere an:
- Ingenieurinnen und Ingenieure aus den Bereichen Robotik, Mechatronik und Automation
- Software- und Systementwickelnde mit Robotik- oder AI-Bezug
- Fachpersonen aus industrieller Forschung und Entwicklung
Ferner sind auch Projektleitende und technische Entscheidungstragende angesprochen.
Zulassung
Zugelassen sind Personen
- mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium (Bachelor of Science an einer Universität oder Fachhochschule) in Technik, Informatik oder verwandten Bereichen;
- mit qualifizierter Berufserfahrung;
- mit einer Tätigkeit in einem Arbeitsfeld, in dem sie das Gelernte umsetzen können (Prinzip Transferorientierung);
Von Vorteil sind
- gute Programmierkenntnisse (z.B. Python, C/C++)
- gute Vorkenntnisse in den Bereichen Robotik oder Automatisierung
Bewerberinnen und Bewerber, die über vergleichbare Abschlüsse und entsprechende Berufserfahrung verfügen, können auf Basis einer individuellen Prüfung des Dossiers aufgenommen werden.
Abschlusskompetenzen
Nach Abschluss dieses Kurses können Sie
- die Konzepte der klassischen Roboterprogrammierung einordnen, sowie deren Grenzen erklären;
- moderne KI-Modelle (LLMs, Vision-Modelle) fundiert einordnen und für einen Anwendungsfall auswählen;
- bestehende KI-Modelle mittels Prompt Engineering, RAG und leichtgewichtigem Fine-Tuning gezielt nutzen und anpassen;
- KI-Werkzeuge produktiv im eigenen Arbeitsalltag einsetzen;
- vortrainierte Wahrnehmungsmodelle (Computer Vision, Sensorfusion) für Robotikanwendungen einsetzen und anpassen;
- bestehende KI-Modelle und APIs in reale Robotersysteme mit ROS2 integrieren.
Kursleitung
Prof. Dr. Katrin Lohan
EMS Institut für Entwicklung Mechatronischer Systeme Institutsleiterin, Prof. Robotik, Profilleiterin Mechatronics and Automation
+41 58 257 33 87 katrin.lohan@ost.ch
Studienkoordination
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