Forschungsprojekt
AGEWISE. Alter, Arbeit, Einkommen, Sicherheit und Empowerment
AGEWISE untersucht, wie ältere Menschen über das Rentenalter hinaus arbeiten und welche Faktoren ihre Entscheidung beeinflussen. Ziel ist es, branchenspezifische Herausforderungen zu identifizieren und Strategien für altersfreundliche Arbeitsbedingungen zu entwickeln.
Hintergrund:
In der Schweiz arbeiten rund 30 % der Männer und 21 % der Frauen im Alter von 65–69 Jahren weiter. Altersarmut, gesundheitliche Risiken und soziale Isolation sind zentrale Herausforderungen. Gleichzeitig steigt der Druck auf die AHV. Politische Maßnahmen wie Steuererleichterungen oder die Abschaffung der Altersgrenze können helfen – jedoch nur bei gleichzeitiger kultureller und struktureller Veränderung in Unternehmen. AGEWISE untersucht, wie ökonomische Notwendigkeit, persönliche Motivation und arbeitsmarktpolitische Rahmenbedingungen die Entscheidung zur Weiterarbeit beeinflussen. Branchenspezifische Unterschiede werden berücksichtigt, um gezielte Strategien zu entwickeln.
Methode:
Die fünfmonatige Vorstudie bis Ende Dezember 2025 umfasst eine Literaturrecherche zur Erwerbstätigkeit im Alter, die Entwicklung und Pilotierung einer Online-Umfrage, eine quantitative Erhebung bei 150–200 Personen ab 65 Jahren, die Auswertung der Daten sowie die Vorbereitung eines Folgeprojekts. Die Umfrage wird über Arbeitgebernetzwerke und digitale Kanäle verbreitet und erfasst die Motivation älterer Menschen zur Erwerbsarbeit. Die Analyse orientiert sich an theoretischen Ansätzen wie Life Course, Intersektionalität und New Work. Ziel ist eine empirische Grundlage für vertiefende qualitative Interviews und politische Handlungsempfehlungen.
Resultate:
AGEWISE befragte 137 Personen, 97% davon 61 Jahre oder älter. 61% arbeiteten über das Rentenalter hinaus; aktuell sind 46% noch berufstätig, 15% vollständig pensioniert. Die Fortsetzung der Erwerbstätigkeit beruht oft auf positiven Motiven: 84% haben Freude an der Arbeit, 79% empfinden sie als sinnvoll, 58% schätzen den sozialen Austausch. 27% stehen jedoch unter starkem finanziellem Druck, häufiger Frauen. Flexibilität ist zentral: 77% verfügen über flexible Arbeitsregelungen. Hürden nach der Pensionierung sind körperliche Belastung (44%), psychische Beanspruchung (39%) und Altersdiskriminierung (15%). Zwar kennen fast alle die AHV (98%) und BVG (93%), doch 71% wissen nichts von Programmen zur Unterstützung älterer Erwerbstätiger. Die Lücke zeigt den Bedarf an besserer Information und gezielter Kommunikation.
Impact:
Die Ergebnisse zeigen, dass Erwerbstätigkeit im Alter verbreitet ist. Zentrale Treiber sind Arbeitsfreude, Sinnhaftigkeit, soziale Integration und der Wunsch, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten; zugleich spielt finanzielle Notwendigkeit für über ein Viertel der Befragten eine wesentliche Rolle. Für ein vertieftes Verständnis von Ursachen und Folgen sollten individuelle Lebenslagen stärker berücksichtigt werden. Belastungen wie körperliche und psychische Beanspruchung, Altersdiskriminierung oder Ausschluss von Weiterbildung erfordern gezielte Massnahmen und weitere Forschung. Daraus ergibt sich ein klarer Handlungsbedarf für Politik und Arbeitgeber: Altersdiskriminierung abbauen, Information und Kommunikation verbessern sowie flexible, altersgerechte Arbeitsbedingungen schaffen, um ältere Erwerbstätige nachhaltig zu unterstützen und die Attraktivität von Arbeitgebern zu erhöhen.
Projektleitung:
Dr. sc. nat., Sarah Speck / IAF Institut für Altersforschung
Laufzeit: 01.08.2025 - 31.12.2025
Projektfinanzierung:




