Studierende neben Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der OST Rapperswil

Sonnenwärme ausgesperrt

28.02.2023

Wohngebäude brauchen zum Teil deutlich mehr Heizenergie, als in der Planung berechnet. Besonders ausgeprägt ist das Phänomen bei Neubauten. Eine neue Studie der OST hat die «Energy Performance Gap» untersucht und zeigt auf: Die Bewohnerinnen und Bewohner heizen vor allem im Frühling und Herbst mehr als angenommen. Der Grund ist ein Zusammenhang zwischen Aussentemperatur, geöffneten Fenstern und geschlossenen Storen.

Gebäudefassade mit geschlossenen Storen

Es liegt weder an ungenügender Bauausführung noch wurden Fehler bei der Berechnung gemacht: Die Energy Performance Gap, also der höhere Verbrauch von Heizenergie als die Planungsnorm für Wohnhäuser annimmt, ist auf das Verhalten der Bewohnerinnen und Bewohner zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kam die ImmoGap-Studie des SPF Institut für Solartechnik der OST – Ostschweizer Fachhochschule 2018. Bei der Untersuchung von 65 Mehrfamilienhäusern wurde der Mehrverbrauch auf durchschnittlich 44 Prozent beziffert. 

Welches Verhalten genau diesen Mehrverbrauch erzeugt, war Gegenstand der Folgestudie «VenTSol» vom SPF. Das Forscherteam untersuchte fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 134 Wohnungen in Zürich, Horgen und Bern im Zeitraum von Oktober 2019 bis April 2022. Dabei hat sich gezeigt, dass vor allem im Frühling und Herbst mehr geheizt wird. Das Forscherteam konnte einen Zusammenhang zwischen Aussentemperatur, geöffneten Fenstern und geschlossenen Storen nachweisen: Je stärker die Aussentemperatur steigt, desto öfter werden die Fenster geöffnet und die Storen geschlossen. Dadurch gelangt kühle Aussenluft in die Räume, gleichzeitig wird die solare Wärmegewinnung durch die geschlossenen Storen reduziert.

Zudem wurde deutlich, dass die meisten Menschen im Winter auf durchschnittlich 23 Grad heizen statt auf die empfohlenen 21 Grad.  

Energiebedarf realitätsnah ermitteln

Um die Energy Performance Gap zu schliessen, gibt es folglich zwei Möglichkeiten: Entweder werden diese Verhaltensweisen in den Berechnungen des Energienachweises berücksichtigt, oder man versucht, die Bewohnerinnen und Bewohner zu einem energiesparenderen Verhalten zu bewegen. Die Studie, die vom Bundesamt für Energie (BFE) unterstützt wurde, bildet eine Basis, um den Energiebedarf von Wohngebäuden zukünftig realitätsnah zu ermitteln. Dies ist insbesondere auch beim Einsatz von Wärmepumpen wichtig. 

Zum Schlussbericht vom SPF

Fachartikel vom BFE als PDF.