Wie bleibt man im Alter mobil – besonders dort, wo Wege weit und Angebote rar sind? Mit dieser Frage beschäftigen sich das Institut für Altersforschung IAF und das Institut für Raumentwicklung IRAP der OST im neuen Forschungsprojekt «Rural-Move». Das Projekt richtet den Blick bewusst auf den ländlichen Raum, wo Mobilität im Alltag oft eine besondere Herausforderung darstellt. Mobilität als Grundlage für Teilhabe Für ältere Menschen bedeutet Mobilität weit mehr als reine Fortbewegung: Sie ermöglicht den Einkauf im Dorf, den Besuch von Freunden, den Spaziergang, den Arzttermin oder die Teilnahme am Vereinsleben. Mobil zu bleiben heisst, selbstständig zu bleiben. Doch gerade in ländlichen Regionen erschweren grosse Distanzen, ein eingeschränkter öffentlicher Verkehr oder fehlende Infrastrukturen das Unterwegssein im Alltag. Sozial und räumlich zusammendenken Rural-Move verbindet zwei Perspektiven, die bisher selten gemeinsam betrachtet wurden: - die soziale Sicht des IAF, etwa Fragen rund um Sicherheitsempfinden, Begegnungsmöglichkeiten oder Teilhabe
- die räumliche Sicht des IRAP, etwa Fusswege, Haltestellen, Aufenthaltsorte oder die Gestaltung des öffentlichen Raums
Durch die Zusammenarbeit der beiden Institute entsteht ein umfassendes Bild davon, wie Mobilität im Alter wirklich funktioniert – und wo es Handlungsbedarf gibt. Was im Projekt passiert Das Projekt folgt einem Mixed-Methods-Ansatz und wird in zwei ländlichen Gemeinden der Ostschweiz getestet. Eine Literaturrecherche identifiziert theoretische Grundlagen zu räumlichen und sozialen Determinanten der Mobilität im Alter. Problemzentrierte Interviews mit politischen Vertreter:innen erfassen lokale Rahmenbedingungen und institutionelle Perspektiven. Fokusgruppen mit älteren Menschen mit und ohne Mobilitätseinschränkungen beleuchten Alltagserfahrungen, Hindernisse und soziale wie räumliche Wechselwirkungen. In Co-Creation-Workshops werden gemeinsam mit Betroffenen und den Gemeinden Strategien und priorisierte Massnahmen entwickelt. Die Ergebnisse werden synthetisiert, um zentrale Einflussfaktoren und Interaktionen zu beschreiben und Handlungsempfehlungen zu formulieren. Praxisnahe Ergebnisse für Gemeinden Rural-Move liefert Gemeinden eine fundierte Grundlage, um altersfreundliche Mobilität gezielt zu fördern. Die Ergebnisse zeigen auf, - wo Barrieren bestehen,
- welche Potenziale bereits vorhanden sind
- und welche Schritte rasch Wirkung zeigen können.
Im Zentrum stehen Lösungen, die sich am Alltag der Menschen orientieren und nicht an theoretischen Modellen. Die gemeinsame Erarbeitung mit älteren Menschen stärkt zudem das lokale Verständnis und erhöht die Akzeptanz für zukünftige Massnahmen. Ausblick Die Erkenntnisse aus Rural-Move bilden die Grundlage für eine praxisorientierte Toolbox, die in einem Folgeprojekt weiterentwickelt wird. Sie soll künftig weitere ländliche Gemeinden dabei unterstützen, Mobilität im Alter systematisch zu verbessern. Rural-Move zeigt: Altersfreundliche Mobilität braucht sowohl den Blick auf die Bedürfnisse der Menschen als auch auf den Raum, in dem sie sich bewegen. Genau diese Verbindung bringt das gemeinsame Projekt von IAF und IRAP zusammen. Das interdisziplinäre Team besteht aus Cora Pauli und Simone Eicher (IAF) sowie Carsten Hagedorn, Rebecca Hunziker und Lena Ruegge (IRAP). |