NatureScape: Naturbasierte Lösungen in Städten
Das europäische Forschungsprojekt NatureScape geht der Frage nach, wie naturbasierte Lösungen (NBS) erfolgreich verstetigt, nachhaltig in Planung, Gesellschaft und Politik verankert und kollaborativ weiterentwickelt werden können.
In einem interdisziplinären Team der OST – Ostschweizer Fachhochschule und in Zusammenarbeit mit dem Verein Areal Bach erforschen wir, wie Natur und Stadt in kooperativen Prozessen zusammenwachsen und durch NBS als von der Natur inspirierte Massnahmen resiliente, lebenswerte urbane Räume entstehen.

Zum Projekt
Der Klimawandel stellt Städte vor komplexe Herausforderungen: Biodiversitätsverlust, gesundheitliche Risiken und Einschränkungen für das soziale Zusammenleben beeinträchtigen die Lebensqualität der Menschen nachhaltig. Naturbasierte Lösungen (NBS) begegnen diesen Herausforderungen mit Massnahmen, die natürliche Prozesse und Ökosysteme nutzen oder nachahmen. In Städten umfassen sie unter anderem Gemeinschaftsgärten, Wasserelemente, Dachbegrünungen oder temporären Grünnutzungen. NBS leisten einen Beitrag zur Klimaanpassung und Klimaschutz und fördern Biodiversität. Dadurch schaffen sie gleichzeitig ökologische, soziale und wirtschaftliche Mehrwerte, wodurch sie urbane Resilienz stärken.
NatureScape setzt hier an. Das Projekt verfolgt einen neuen Ansatz für urbane Transformation durch NBS, indem es den Fokus auf die Phase nach der Planung und Umsetzung richtet. Denn in dieser Phase zeigt sich die nachhaltige Wirkung von NBS. Wie NBS in dieser Phase adaptiv angepasst, kollaborativ weiterentwickelt und institutionell verankert werden, ist entscheidend dafür, ob sie langfristig zu den transformativen Effekten und zur Umweltgerechtigkeit beitragen.
In Zusammenarbeit mit Partner:innen aus sieben europäischen Städten – Oslo, Dublin, Riga, Lublin, Lissabon, Mailand und St. Gallen – entwickeln und testen wir in Transformationslaboren (T-Labs) innovative Ansätze zur ganzheitlichen Steuerung und langfristigen Verankerung von NBS. Diese realen Lern- und Experimentierorte – wie das Areal Bach in St. Gallen – bringen Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis zusammen. Sie bieten den idealen Rahmen, um urbane Transformation vor Ort und im Austausch mit allen relevanten Akteur:innenen voranzutreiben.
Wir nutzen ein vielfältiges Methodenspektrum, um Erfolgsfaktoren und Hindernisse zu identifizieren: Co-Creation Workshops zur kollaborative Entwicklung von Lösungen mit allen Beteiligten, Citizen-Science Aktivitäten zur Einbeziehung der Bevölkerung in Forschungs- und Monitoringprozesse, vergleichende Analysen für Lernprozesse über alle sieben europäischen Standorte hinweg. Diese systematische Herangehensweise ermöglicht es uns, ein vertieftes Verständnis dafür zu entwickeln, was NBS langfristig erfolgreich macht. Darauf aufbauend entwickeln wir konkrete Massnahmen zur Verstetigung und kontinuierlichen Weiterentwicklung von NBS.
T-Lab: Areal-Bach, St.Gallen
Als konkreter Praxisort für NatureScape dient das Areal Bach in der Stadt St. Gallen. Die einst brachliegende Fläche und Hitzeinsel an den Gleisen beim Bahnhof St. Fiden wird seit 2019 vom Verein Areal Bach als Zwischennutzung zu einem grünen Quartier- und Begegnungsraum entwickelt. Auf rund 18 500 m² entstehen Wildgehölze, Blumenwiesen, Retentionsflächen sowie Freizeit- und Gemeinschaftsbereiche. Mit Generationen-, Kultur- und Gemeinschaftsgarten, Kinderprogramm, Flohmarkt, Upcycling-Angeboten, Quartierfesten und vielen weiteren Aktivitäten fördert das Areal dem Ansatz von NBS folgend Biodiversität, Begegnung und soziales Engagement.
Im Rahmen von NatureScape übernimmt das Areal Bach zusätzlich die Rolle eines Transformation-Labs (T-Labs). Das Forschungsteam erarbeitet gemeinsam mit Akteur:innen rund um das Areal Bach Antworten auf die Frage: Welche Strategien und Massnahmen tragen zur langfristigen Verstetigung und Weiterentwicklungen dieser NBS bei?
Gleichzeitig fliessen die lokalen Erkenntnisse in den europäischen Austausch mit den anderen T-Labs ein, um übertragbare Modelle und Best Practices für zukünftige urbane naturbasierte Transformationsprojekte zu entwickeln.
Projektablauf 2026

Projektpartner und weitere Praxisorte
Projektpartner
Das Projekt NatureScape wird von einem internationalen Konsortium getragen, das Expertise aus sieben europäischen Ländern vereint. Die Partner bringen unterschiedliche Perspektiven aus Forschung, Planung, Governance, Biodiversität, Sozialwissenschaften und praktischer Stadtentwicklung ein. Gemeinsam arbeiten sie daran, naturbasierte Lösungen in Städten langfristig zu verankern.
NILU – Norwegian Institute for Air Research (Norwegen)
OST – Ostschweizer Fachhochschule (Schweiz)
UCD – University College Dublin (Irland)
POLIMI – Politecnico di Milano (Italien)
ULSL – University of Life Sciences in Lublin (Polen)
BSC – Baltic Studies Centre (Lettland)
Lisboa E-Nova – Lisbon Energy and Environment Agency (Portugal)
LEN – Landscape Engineering Network (Deutschland/International)
Die sechs weiteren T-Labs der europäischen Praxisstandorte
NatureScape wird nebst dem Areal Bach in St. Gallen in sechs weiteren Städten umgesetzt, die mit ihren unterschiedlichen klimatischen und sozialen Kontexten eine breite Lernbasis bieten:
Oslo (NO): Linderud Gemeinschaftsgarten

Dublin (IE): Vegetationsmanagement mit indigenen Wildziegen

Riga (LV): Urbane Gemeinschaftsgärten

Mailand (IT): Community-led Park „Il Giardino Nascosto“

Lublin (PL): Rain Gardens zur Wasserretention

Lissabon (PT): Kleinräumige NBS im Stadtraum

Diese Vielfalt ermöglicht einen europaweiten Vergleich und gegenseitiges Lernen.
Projektteam an der OST
Raimund Kemper
IFSAR Institut für Soziale Arbeit und Räume Dozent
Franziska Städler
IFSAR Institut für Soziale Arbeit und Räume Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Daniela Epple
IFSAR Institut für Soziale Arbeit und Räume Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Dr. Clemens Mader
ISM Institut für Strategie und Marketing Kompetenzzentrum Wissenstransfer & Innovation
Corinne Dickenmann
IDEE Institut für Innovation, Design und Engineering Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Prof. Dr. Selina Ingold
IDEE Institut für Innovation, Design und Engineering Projektleiterin & Dozentin
Hannah Marti
IDEE Institut für Innovation, Design und Engineering Projektmitarbeiterin
Rebecca Hunziker
IRAP Institut für Raumentwicklung Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Prof. Dr. Christoph Küffer, Prof. Dr. habil.
ILF Institut für Landschaft und Freiraum Professor für Siedlungsökologie, ILF


Mitfinanziert durch die Europäische Union. Die geäusserten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschliesslich die der Autor:innen und spiegeln nicht unbedingt die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für die Forschung (REA) wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können dafür haftbar gemacht werden.
