Klimaresiliente Lebensräume der Zukunft
Der urbane Raum von morgen. Als Teil des interdisziplinären Schwerpunkts Klima und Energie (IdS K&E) werden gezielt Forschungsprojekte gefördert, die mit diversen Methoden und Ansätzen den urbanen Raum auf die Herausforderungen des Klimawandels vorbereiten. Nicht nur die gebaute Umwelt ist entscheidend, sondern auch die grüne und blaue Infrastruktur – und die Verbindung dieser drei zentraler Ebenen.
Mit gutem Beispiel voran
Der Klimawandel betrifft alle, aber einige mehr als andere. Besonders ältere Menschen, chronisch kranke Personen, Schwangere, Kleinkinder und Obdachlose sind durch Hitzewellen besonders gefährdet. Für sie stellen hohe Temperaturen eine ernstzunehmende Gesundheitsgefahr dar. Präventionsmassnahmen des Bundes setzen auf die Kühlung des Körpers, etwa durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr oder den Aufenthalt in kühlen Innenräumen. Doch genau solche Räume sind für die vulnerablen Gruppen oft nicht erreichbar oder kostenfrei zugänglich. Hier setzt das interdisziplinäre Forschungsprojekt «Kühle Räume in der Stadt» an. Ziel ist es, bestehende kühle Orte in der Stadt Basel zu identifizieren und besser für vulnerable Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. Erfahren Sie in diesem Video mehr über das Forschungsprojekt und bekommen Sie einen Einblick in dessen Arbeit:

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Interdisziplinärer Schwerpunkt Klima & Energie (IdS K&E)
Oberseestrasse 10
8640 Rapperswil
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Unsere Vision
Für wen ist der Raum gedacht?
Der öffentliche Raum muss für alle Menschen zugänglich, sicher und nutzbar sein. Im Kontext klimaangepasster urbaner Landschaften bedeutet das, vulnerable Bevölkerungsgruppen besonders zu berücksichtigen. Etwa ältere Menschen, Personen mit eingeschränkter Mobilität, Obdachlose oder Menschen, die im Freien arbeiten. Diese Gruppen sind den Folgen des Klimawandels häufig überproportional ausgesetzt und auf kurze, barrierefreie Wege zu kühlenden Schatteninseln, Wasserquellen und medizinischer Versorgung angewiesen. Klimaangepasste Räume sollten daher so gestaltet sein, dass sie vielfältige Bedürfnisse abdecken und für möglichst alle gesellschaftlichen Gruppen zugänglich und funktional sind.
Wie soll der Raum genutzt werden?
Ein klimaangepasster Raum sollte nicht nur durch hohe gestalterische Qualität überzeugen, sondern vor allem einen konkreten Nutzen für die Menschen bieten. Ziel ist es, nicht nur klimatische Resilienz zu schaffen, sondern auch klimafreundliche Verhaltensweisen aktiv zu fördern und sichtbar zu machen – etwa den Wandel vom individuellen motorisierten Verkehr hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad. Entscheidend ist dabei die Interaktion des Menschen mit dem Raum: Welche Rolle nimmt er im Zusammenspiel von gebauter Umwelt und Natur ein, und wie erlebt er diesen Raum? Die Gestaltung muss sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Der Raum sollte daher mehrfunktional sein: Er soll Spiel mit Biodiversität, Bewegung mit Naturerlebnis, Erholung mit wirtschaftlicher Nutzung sowie Aufenthaltsqualität mit Mobilität verbinden. Um für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich und attraktiv zu sein, sind konsumfreie Zonen sowie überdachte Bereiche erforderlich, die ein nachbarschaftliches und gemeinschaftliches Miteinander ermöglichen.
Um diesen menschlichen Mittelpunkt ordnen sich drei zentrale Ebenen an.
1. Grüne Infrastruktur:
Biodiversität und naturbasierte Lösungen schaffen Schatten, Kühlung und einen gesunden Lebensraum. Diese grünen Strukturen sollten jedoch nicht isoliert gedacht werden, sondern in enger Verbindung mit der gebauten Umwelt und dem Menschen stehen. Durch Dachgärten werden Mensch und Natur direkt miteinander verbunden, während Dach- und Fassadenbegrünungen das ökologische Gefüge in die gebaute Umwelt integrieren.
2. Blaue Infrastruktur:
Wasser fungiert als gestaltendes und regulierendes Element. Ziel ist es, urbane Wasserkreisläufe lokal zu schliessen, um besser auf Extremereignisse wie Trockenperioden oder Starkregenphasen reagieren zu können. Das Schwammstadt-Konzept sichert Bewässerung, Kühlung und Klimakomfort in den urbanen Lebensräumen.
3. Gebaute Umwelt:
Architektur und Raumplanung bilden den Rahmen. Materialien, Bauformen und die räumliche Anordnung der Gebäude bestimmen die Qualität des Lebensraums. Entscheidend ist die Vernetzung von privaten, öffentlichen und natürlichen Räumen. Dadurch entsteht ein dynamisches Netzwerk, das soziale, ökologische und ökonomische Beziehungen ermöglicht.
Unsere Kompetenzen
Auf der Ebene “Stadt/Region ”
Wir analysieren den Lebensraum auf regionaler und kommunaler Ebene mit Fokus auf die Raumnutzung und Verkehrssysteme, die Landschaftsentwicklung, den Sozialraum und den Wasserhaushalt sowie mögliche Risiken durch Naturgefahren. Wir entwickeln auf dieser Ebene Leitbilder, Handlungsstrategien und Massnahmen. Wir unterstützen das Monitoring der Wirksamkeit dieser Massnahmen mithilfe verschiedener Methoden der Raumbeobachtung.
Auf der Ebene “Quartier/Raum/Platz”
Wir unterstützen die Gestaltung von Räumen in der Siedlung und Landschaft durch Analyse der städtebaulichen Möglichkeiten, des Wohnumfelds, architektonische Qualitäten, raumplanerischen Aspekte, der Freiräume und Gewässer.
Wir entwickeln und optimieren Vorschläge für die zukünftige Nutzung und Gestaltung in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen und unterstützen partizipative Verfahren.
Auf der Ebene “Technische/naturbasierte Lösung”
Wir unterstützen die Entwicklung von Projekten durch fachliche Expertise zu Umweltrisiken und technischen Lösungen sowie Pflanzenverwendung und Ökologie. Wir unterstützen und begleiten Bauprojekte ebenso wie Versuchs- und Demonstrationsanlagen und entwickeln Planungsgrundlagen.
Der Campus als Experimentierfeld
Zur Förderung ausgewählte Projekte
Im Sommer 2024 wurden mit «KlimUrbain» und «Sustain.Street.Lab» die ersten zwei Projektteams eingeladen, ihre Ideen mit Fördermittel aus dem IdS Programm 2023-2026 weiterzuentwickeln. Beide Projekte beschäftigen sich mit der Klimaanpassung im urbanen Raum, verfolgen dabei allerdings ganz unterschiedliche Lösungsansätze.
KlimUrbain
Das Projekt «KlimUrbain» hat zum Ziel, ein digitales KI-basiertes Planungstool zu entwickeln, das es ermöglicht, anhand von GIS-Daten die Wirksamkeit und den zu erwartenden Mehrwert von blau-grünen in Bezug auf Klima, Gesellschaft und Ökologie zu simulieren und spezifische Kosten-Nutzen-Analysen liefern kann. Das Tool soll die Planung von Grün- und Freiräumen erleichtern und den politischen Entscheidungsträger:innen faktenbasierte Argumente liefern, um schlüssig begründen zu können, warum sich Investitionen in grün-blaue Infrastruktur lohnen und in welchen Bereichen sie spezifische Verbesserungen bringen.

Sustain.Street.Lab
Das Projekt «Sustain.Street.Lab» zielt darauf ab, die Biodiversität, die Klimaverträglichkeit und das Wohlbefinden in der Stadt zu verbessern. Dabei sollen vor allem naturbasierte Lösungen zum Einsatz kommen. Entwicklung und Auswahl der Massnahmen erfolgen in einem partizipativen Prozess mit der Bevölkerung. Die Menschen, die das Quartier bewohnen, sollen zur Mitsprache und Mitarbeit motiviert und in die Umsetzung eingebunden werden. Im Rahmen der Pilotversuche wird eine Wissensplattform geschaffen und eine Toolbox mit Empfehlungen zu Raum- und Prozessqualitäten entwickelt, die auch an anderen Orten einsetzbar wäre.

Weitere Projekte mit Bezug zu urbaner Klimaanpassung
Forschungsprojekt
decarboNoise
Im Projekt «Dekarbonisierung von Lärmschutzsystemen für eine nachhaltige Zukunft der Strasseninfrastruktur» (decarboNoise) will ein interdisziplinäres Expertenteam gemeinsam einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit der Lärmschutzinfrastruktur in…
Forschungsprojekt
HealthyAge Environments - Alters- und klimagerechte Grünräume
Wir entwickeln in Co-Creation mit allen Beteiligten Ideen für gesundheitsfördernde, generationenverbindende und klimagerechte Innen- und Aussenräume in Alters- und Pflegeheimen. Ziel ist eine modulare Webseite mit praxisnahen Lösungen für Grünräume.
…Forschungsprojekt
Schwammkreisel Winterthur Ohrbühl
Am Kreisel Ohrbühl entsteht gemeinsam mit der Stadt Winterthur ein einzigartiges Pilotprojekt zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung. Erfahre, wie wir mit dem Schwammstadt-Ansatz einen wichtigen Schritt hin zu einer klimaangepassten und zukunftsfähigen…
Forschungsprojekt
NaturScape
Wie gelingt die klimaresiliente und lebenswerte Stadt der Zukunft? Das IFSAR engagiert sich in einem internationalen Konsortium aus sieben Ländern, um Antworten auf diese Frage zu finden. Das Projekt NatureScape erkennt die zentrale Rolle naturbasierter Lösungen als…
Forschungsprojekt
Das Wasserflussdiagramm
Das Wasserflussdiagramm ist ein Open-Source-Tool zur Visualisierung städtischer Wassersysteme und zur Beschleunigung eines integrativen und integrierten städtischen Wassermanagements.
Lehr- und Weiterbildungsmöglichkeiten
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Grundlagen
Was sind "klimaresiliente Lebensräume" und weshalb sind sie von Bedeutung?
Klimaresiliente Lebensräume sind Städte und Landschaften, die so gestaltet sind, dass sie mit den Auswirkungen des Klimawandels – etwa Hitzewellen, Trockenperioden oder Starkregen – besser umgehen können. Sie tragen wesentlich dazu bei, die Lebensqualität langfristig zu erhalten, gesundheitliche Belastungen zu reduzieren und Infrastrukturen widerstandsfähiger zu machen. Die OST erarbeitet dafür innovative Ansätze, häufig auf Basis naturbasierter Lösungen.
Welche Rolle spielt der Mensch im klimaangepassten Raum?
Klimaangepasste Räume müssen für alle nutzbar sein. Besonders vulnerable Gruppen benötigen kurze Wege zu Schatten, Wasser und Aufenthaltsorten, die auch bei Extremwetter funktionieren.
Was versteht man unter grüner Infrastruktur?
Grüne Infrastruktur umfasst eine Vielfalt an Bäumen, Grünflächen sowie Dach- und Fassadenbegrünungen. Sie kühlt den Stadtraum, fördert Biodiversität und verbessert das Mikroklima.
Was ist mit blauer Infrastruktur und dem Schwammstadt-Prinzip gemeint?
Blaue Infrastruktur nutzt Wasser als regulierendes Element im Stadtraum. Das Schwammstadt-Prinzip speichert und nutzt Regenwasser lokal, um Hitze zu reduzieren und Starkregen abzufedern.
Was ist die gebaute Umwelt?
Die gebaute Umwelt umfasst Gebäude, Materialien und räumliche Strukturen. Architektur und Raumplanung bestimmen, wie gut Natur, Mensch und Infrastruktur zusammenspielen.
Planung, Prozesse & Methoden an der OST
Wie geht die OST bei der Planung klimaresilienter Lebensräume vor?
Die OST arbeitet interdisziplinär, kollaborativ und praxisnah. Planung wird als ganzheitlicher Prozess verstanden, der ökologische, soziale und räumliche Aspekte verbindet.
Welche Rolle spielt Partizipation in Projekten der OST?
Partizipation ist zentral. Die OST bindet Bevölkerung, Verwaltung und Politik frühzeitig ein und berücksichtigt gezielt die Bedürfnisse vulnerabler Gruppen.
Welche Methoden und Werkzeuge setzt die OST ein?
Zum Einsatz kommen GIS-Analysen, Szenarien- und Back-Casting-Methoden, Digital Twins sowie KI-gestützte Planungstools.
Wie unterstützt die OST Gemeinden und Städte im Planungsprozess?
Die OST begleitet Projekte von der Analyse über die Konzeptentwicklung bis zur Umsetzung und stellt wissenschaftliche Methoden für die Praxis bereit.
Wie geht die OST mit Unsicherheiten und Klimadynamik um?
Planung wird adaptiv gedacht. Konzepte sind flexibel angelegt und können auf neue Klimadaten, Technologien oder gesellschaftliche Anforderungen reagieren.
Kompetenzen & Umsetzung
Wie unterstützen die Institute der OST die Umsetzung konkreter Projekte?
Die Institute der OST arbeiten eng zusammen und decken soziale, planerische, architektonische und ökologische Aspekte ab. Je nach Projektphase werden passende Kompetenzen eingebunden – von Bedarfserhebung über Planung bis zur Realisierung.
Welche Kompetenzen bringt die OST konkret ein?
Dazu gehören Sozial- und Altersforschung (FRMO), kollaborative Raum- und Landschaftsplanung (RK), architektonische und experimentelle Ansätze in Reallaboren (SPDO), ökologische und pflanzenbezogene Expertise (ILF) sowie integrative Freiraumgestaltung (BATO).
Mitmachen, Studieren und Kooperieren
Wie können Gemeinden oder Unternehmen gemeinsam mit der OST ihre Klimaziele voranbringen?
Die OST versteht sich als starke Partnerin für Akteure in der Region. Gemeinden und Unternehmen profitieren von gemeinsamen Entwicklungs- und Beratungsprojekten, gezielten Weiterbildungsangeboten sowie vom Zugang zu Fachspezialistinnen und -spezialisten aus unserem Klimacluster. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um konkrete Herausforderungen vor Ort zu analysieren und gemeinsam praxisorientierte Lösungen zu erarbeiten.
Welche Aus- und Weiterbildungsangebote stellt die OST im Bereich Klima und Energie bereit?
Wer aktiv an der Entwicklung von klimaresilienten Lebensräumen mitwirken möchte, findet an der OST im Departement Architektur, Bau, Landschaft und Raum vielen Lehrveranstaltungen in den Bachelorstudiengängen. Aktuell unterstützt das Bundesamt für Umwelt die OST beim Aufbau des «Resilienzlabors Hitze, Mensch, Naturgefahren». Der Master Raumentwicklung und Landschaftsarchitektur (MSE ReLa) bietet einen Studienschwerpunkt «Urbane Transformation und Klima».
Wie kann ich mich über aktuelle Themen und Veranstaltungen rund um Klima und Energie an der OST informieren?
Neuigkeiten, Forschungserkenntnisse und Veranstaltungshinweise publiziert die OST fortlaufend im Newsroom sowie im Eventkalender auf ihrer Website. Vertiefende Einblicke in ausgewählte Leuchtturmprojekte bietet zudem das Hochschulmagazin «OSTpunkt» und unser Newsletter “Klima und Energie”.
Projektverantwortung
Prof. Dr. Susanne Kytzia
IBU Institut für Bau und Umwelt Professorin, Leiterin des Interdisziplinären Schwerpunkts "Climate and Energy"
+41 58 257 49 17 susanne.kytzia@ost.ch
Prof. Dr. Andreas Häberle
Fachabteilung Erneuerbare Energien und Umwelttechnik Professor, Fachabteilungsleiter EEU, Institutsleiter SPF
+41 58 257 48 22 andreas.haeberle@ost.ch
Prof. Dr. Michael Hans Gino Kraft
IOL Institut für Organisation und Leadership Leiter Kompetenzzentrum Qualität & Nachhaltigkeit
+41 58 257 12 82 michael.kraft@ost.ch










