Forschungsprojekt

Neue Beschäftigung für Zootiere

In der freien Wildbahn verbringen Tiere die meiste Zeit mit Nahrungssuche und Überlebenskampf. Im Zoo ist das alles nicht nötig. Deshalb sind Beschäftigungsprogramme für Tiere in allen Zoos eine grosse Herausforderung. Knies Kinderzoo entwickelt zusammen mit der HSR innovative Installationen für mehrere Tierarten.

Es könnte ein wegweisendes Projekt für die Zoobranche werden. Erstmals hat Knies Kinderzoo das Wissen von Tierpflegerinnen und Tierpflegern mit den Ingenieurskompetenzen an einer Fachhochschule kombiniert. Zusammen mit den Fachleuten des Kinderzoos entwickeln Studierende und Ingenieure aus den benachbarten Forschungsinstituten der HSR Beschäftigungsmöglichkeiten für Geparde, Elefanten und Giraffen. Im Lauf der Saison 2018 sollen die Tiere von den neuen Installationen profitieren können. Aufbau und Tests der neuen Installationen werden für die Besucherinnen und Besucher spannend in den Zooalltag integriert. «Wir setzen jene Ideen um, die uns begeistert haben und die sowohl für unsere Tiere wie auch für unsere Besucher am spannendsten sind», sagt Franco Knie. Die Giraffen bekommen zum Beispiel eine Futterseilbahn über ihrem Gehege, die von den Besuchern zeitlich begrenzt gesteuert wird. So können die Tiere mit ihrer langen, beweglichen Zunge das Futter oben aus Futterkörben herausholen und die Besucher mit den Tieren nicht nur indirekt interagieren, sondern deren Verhalten auch genau beobachten. Für die Geparde soll es eine faszinierende Lösung mit einem sich selbst bewegenden Futterball geben und die Elefanten erhalten sogar zwei neue, kreative Beschäftigungsmöglichkeiten.

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Das bringt die Tierbeschäftigung im Kinderzoo...

...für den Kinderzoo

«Mit den neuen Installationen können wir unseren jungen Besucherinnen und Besuchern das Verhalten von Tieren noch verständlicher machen und so unseren Edukationsauftrag als Zoo besser erfüllen. Auch für unsere Tiere sind die Installationen hilfreich. Sie helfen uns dabei, den Tieren immer wieder neue Reize anzubieten, damit keine Langeweile aufkommt. Das ist wichtig, um Stereotypien wie beispielsweise dem Hinundherwanken bei Elefanten vorzubeugen. Bei den ersten Projekten mit der HSR haben wir uns auf die Tiere konzentriert, die am schwierigsten zu beschäftigen sind. Mit unseren Pflegern können wir die Tiere zwar auch beschäftigen, aber nicht 24 Stunden am Tag. Ein Elefant zum Beispiel ist ein sehr aktives Tier, das pro Nacht mit nur vier Stunden Schlaf auskommt. Wenn die Tiere wach sind, müssen sie sich selbst beschäftigen können. Unsere Erfahrungen sind für andere Zoos interessant, die ganze Branche sucht andauernd nach neuen Möglichkeiten. Wir sind meines Wissens der erste Zoo, der dafür das Expertenwissen unserer Tierpfleger mit dem Ingenieurswissen einer Fachhochschule kombiniert. Mit den neuen Installationen können wir über den Austausch unter den deutschsprachigen Zoos auch eine verbesserte Beschäftigung für Tiere in anderen Zoos anstossen.»
Franco Knie, Knies Kinderzoo

...für die HSR

«Die nachbarschaftliche Zusammenarbeit zwischen Knies Kinderzoo und der HSR zeigt, dass Rapperswil-Jona ein Standort ist, der Innovationsfähigkeit und Macher- Mentalität verbindet. Von den Entwicklungen für den Kinderzoo profitieren beide Seiten. Die HSR erhält neue, praxisnahe Impulse für die Lehre und Umsetzungsmöglichkeiten in der Forschung, der Kinderzoo erhält innovative Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere.»
Hans-Peter Egli, Verwaltungsdirektor HSR

«Die Zusammenarbeit mit dem Kinderzoo ist nicht nur wegen der Tiere interessant, sondern auch wegen der Aufgabenstellung. Unsere Studierenden lernen bei der Entwicklung der Beschäftigungsinstallationen den gesamten Ingenieursprozess kennen – von der Ideenfindung über die Planung und Entwicklung bis zur Inbetriebnahme im Kinderzoo. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Fachleuten des Kinderzoos konnten die Studierenden lernen, wie wichtig ein permanenter Austausch mit dem Kunden ist, um praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Ein wichtiger Teil war auch die Auswahl der Siegerprojekte, die jetzt umgesetzt werden. So konnten die Studierenden lernen, dass ihre Lösungen nicht einfach nur funktionieren müssen, sondern dass auch eine überzeugende Präsentation gegenüber dem Kunden wichtig ist.»
Prof. Dr. Stefan Kammhuber, Projektleiter HSR