Das Departement Gesundheit … bewegt!

- Diese Seite befindet sich aktuell in Bearbeitung -

Diese Veranstaltung fand am 5. Mai 2021 von 14.30 - 18.00 Uhr im interaktiven Online-Format die Veranstaltung statt.

Innovation durch Kooperation: Gemeinsam neue Wege gehen

Über die grosse Resonanz haben wir uns sehr gefreut.

In diesem Jahr wurde der bisherige «Mai-Anlass» erstmals themenzentriert gestaltet. 2021 drehte sich alles um Aktivität und Bewegung, denn Gesundheit und Aktivsein gehören zusammen. Damit haben wir ein Signal zum Aufbruch gesetzt. Gemeinsam wollen wir neue Wege gehen – um Pflege und Physiotherapie für die Zukunft zu stärken.

Die PDF-Folien zum Vortrag der Hauptsession «Physiotherapie und Pflege – Gemeinsam in Bewegung» finden sie HIER

In den Workshops diskutierten Teilnehmende aus Praxis und Forschung gemeinsam zu den Themen

In den Workshops diskutierten Teilnehmende aus Praxis und Forschung gemeinsam zu den Themen

Zusammenfassung Workshop 1: Bewegungskompetenz im pflegerischen Alltag

In Workshop 1 ging es um die Bewegungskompetenz im pflegerischen Alltag und der dazu erforderlichen Kinästhetikkompetenzentwicklung bei den Pflegepersonen. Die Entwicklung der Kinästhetikkompetenz bedarf neben Schulungsangeboten vor allem die Unterstützung im beruflichen Alltag. Für eine nachhaltige Implementierung benötigt es von allen beteiligten Personen ein grundlegendes Verständnis über den Prozess der Kinästhetikkompetenzentwicklung. 

„Kinästhetik hilft meinem Rücken und die Bewohnenden werden beweglicher!“ Das sagen Pflegepersonen von stationären Langzeitpflegeeinrichtungen, die Kinästhetik in den beruflichen Alltag integrieren. Leitungspersonen und KinästhetikexpertInnen betonen jedoch, dass die Entwicklung der Kinästhetikkompetenz kein einfaches Unterfangen darstellt. Im ersten Teil des Workshops stellte Carola Maurer Ergebnisse ihrer Dissertation vor. Sie widmet sich in ihrer Arbeit der Entwicklung der Kinästhetikkompetenz in der stationären Langzeitpflege. Dafür führte sie eine multiple Case Study in drei stationären Langzeitpflegeeinrichtungen der deutschsprachigen Schweiz durch. Das mittels dieser Studie entwickelte Modell beschreibt Faktoren, die diesen Entwicklungsprozess beeinflussen und zeigt Strategien auf, die zu einer nachhaltigen Entwicklung der Kinästhetikkompetenz führen.

Im zweiten Teil des Workshops berichteten in einer moderierten Sequenz eine Pflegeexpertin und eine Pflegedienstleitung über ihre Erfahrungen bei der Entwicklung der Kinästhetikkompetenz und diskutieren interaktiv mit dem Publikum relevante Fragen.  Wesentliche Diskussionspunkte waren:

  • Nutzen durch die Entwicklung der Kinästhetikkompetenz
  • Stolpersteine und hemmende Faktoren, die den Entwicklungsprozess negativ beeinflussen
  • Erfolgsfaktoren, die sich begünstigend auf den Kompetenzentwicklungsprozess auswirken

Prägnante Aspekte sind nachfolgend exemplarisch dargestellt:

Im dritten Teil nahm Heidrun Gattinger Bezug zu bisherigen am IPW durchgeführten Forschungsprojekte zu Kinästhetik (vgl. Poster) und gab einen Ausblick auf zukünftige Projekte. Dabei verwies sie insbesondere auf die gerade entwickelte Forschungsagenda zu Kinästhetik, die demnächst zur Publikation eingereicht wird.

Zusammenfassung Workshop 1: Bewegungskompetenz im pflegerischen Alltag

Oops, an error occurred! Code: 2021051216381494b42af6

Zusammenfassung Workshop 2 «Bewegung bei Menschen mit Krebs»

Der Vortrag von Maximilian Köppel, Universität Heidelberg «Sport und Bewegung vor, während und nach Krebs» war der Einstieg in den Workshop und Ausgangslage in die nachfolgende Diskussion. Das Fazit aus dem Vortrag war, Bewegung bei Tumorpatienten hat positive Effekte und ist sicher. Es gibt kumulierende Evidenz für die Verbesserung der körperlichen Funktion, dem allgemeinen Wohlbefinden, Fatigue, Schmerz und einigen anderen relevanten Endpunkten. Der Vortrag ist per Video einzusehen.

Bewegung bei Krebsbetroffenen in der Spitex:

Die Bewegung Zuhause ist für Krebsbetroffene sehr wichtig, dennoch fällt es einigen von den Patientinnen und Patienten schwer. Der Einzug von Bewegung in das häusliche Umfeld ist schwierig: die Physiotherapie kommt eine halbe Stunde, aber sonst sind Zuhause keine vorgegebenen Strukturen vorhanden. Bewegung sollte so in den Alltag implementiert werden, dass die Betroffenen die Übungen ohne Probleme Zuhause durchführen und ständig widerholen können (wie ein Ritual) z.B. welche Übungen können die Betroffenen unter der Dusche machen?!

Bewegung bei geriatrischen Krebsbetroffenen:

Es handelt sich hier um eine bisher eher vernachlässigte Gruppe: In den bisherigen Studien sind die Betroffenen eher jünger als der Durchschnitt. In der USA gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich intensiv mit der körperlichen Aktivität bei Menschen über 75 beschäftigt und durchaus positive Erfahrungen macht. In der Geriatrie stehen Mobilität und Degeneration der körperlichen Fähigkeit im Vordergrund. Dazu liegen viele Daten vor (positive Effekte von Bewegung). Zuerst steht die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit und die Autonomie im Vordergrund und erst dann rücken die für die Gesamtbevölkerung geltenden Bewegungsempfehlungen (ACSM) in den Vordergrund. Diese sind aber für die geriatrische Population eher anspruchsvoll. Im geriatrischen Bereich können viele Effekte schon mit wenig oder ohne Equipment erreicht werden. Es kommen in der Praxis immer mehr Anfragen von Menschen v.a. im höheren Alter, die ambulante Krebstherapien erhalten und für diese Zeit eine Wohnform suchen, in der sie mehr Betreuung haben als zu Hause.

Bewegungsförderung durch die Pflegefachperson:

Die Pflegefachperson kann eine Schlüsselrolle in der Bewegungsaktivierung und Anleitung der Betroffenen einnehmen. Dieser Aspekt sollte bereits in der Ausbildung integriert sein. Erst dann hat es Bestand und wird weitergetragen «Ich pflege die Menschen nicht nur, ich bewege sie». Hier wird durch den neu etablierten Studiengang Physiotherapie an der Fachhochschule OST und den gemeinsam geplanten Modulen mit dem Pflegestudiengang zusammen eine grosse Chance gesehen, die Bewegung von krebsbetroffenen Menschen noch besser in der Pflege zu verankern. Hier ist die Klärung von Indikationen, Fähigkeiten, Kontraindikationen und der Sicherheit für die Betroffenen sehr wichtig. Die Pflegefachperson sollte wahrscheinlich die Balance kennen was sichere und was gesunde Bewegung ist.

Im Projekt OnkoAktiv, das von dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg geleitet wird, verschreibt das medizinische Fachpersonal den betroffenen Personen «Bewegung auf Rezept» und leitet sie an bewegungstherapeutische Einrichtungen weiter.

«Schon wenig, hilft viel»:

Die individuelle Leistungsfähigkeit ist in die Planung der Bewegung miteinzubeziehen. Es stellt sich eigentlich nicht mehr die Frage, welche gewaltige Rolle die Alltagsaktivität zum Funktionserhalt spielt. Der erste Schritt könnte z.B. auch bei älteren oder schwer betroffenen Personen, ein Minimum an körperlicher Aktivität in den Alltag zu bringen. Wenn man das schon mal weiss, bringt das auch schon etwas für die Pflege. «Je weniger Grundbewegung da ist, desto weniger braucht man zunächst einmal». Die Bewegung sollte auch im Alltag durchführbar sein, da können minimale Reize schon ausreichen: Schon mehrmals am Tag vom Stuhl aufstehen und wieder hinsitzen erzielt einen positiven Effekt. Übungen mit Therabänder oder Koordinationsübungen bieten sich auch gut an für die Durchführung. Wenn man sagt: «alles was sie versuchen, bringt schon etwas» ist das motivationsfördernd und nimmt Druck raus.

Wichtig: Bewegung muss Spass machen z.B. mit Hilfe eines Spieles oder mit Musik: Wii ist eine gute Möglichkeit.  Sobald "Spiel im Kopf ist", kommt automatisch auch Bewegung in den Körper. Auch können beispielsweise Kinder dabei eine Rolle übernehmen.

Gesellschaft

Ein weiterer Punkt, der aufkommen ist war, dass bestimmte hinderliche Faktoren auch in der Gesellschaft verankert sind. Beispielsweise ist noch in weiten Kreisen verbreitet "Wenn man krank ist, soll man sich schonen". Wenn man sich dessen bewusst ist, ist das schon ein weiterer Ansatzpunkt.

 

Nähere Informationen zu Bewegung, Sport und Krebs sowie Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung aus Deutschland:

Zusammenfassung Workshop 2: Bewegung bei Menschen mit Krebs